Südkoreas Präsidentin Park  | Bildquelle: dpa

Skandal um Südkoreas Präsidentin Frau Park und die "finsteren Mächte"

Stand: 04.11.2016 12:22 Uhr

Südkorea ist in Aufruhr, Präsidentin Park drohen Ermittlungen: Jahrzehntelang soll eine Freundin der Präsidentin - die Tochter eines Sektenführers - Einfluss auf die Regierungsarbeit genommen haben. Demonstranten forderten Parks Rücktritt.

Von Jürgen Hanefeld, ARD-Studio Tokio

Es brodelt in Südkorea - und niemand weiß, wann der Kessel überkocht. Der Grund: Präsidentin Park Geun Hye steht offenbar unter dem Einfluss finsterer Mächte, und das schon seit Jahrzehnten. Es geht um die langjährige Freundin der Präsidentin, Choi Soon Sil, die das Land heimlich mitregiert haben soll, ohne jemals ein Amt bekleidet zu haben.

Tiefe Einflussnahme

Vergangene Woche hatte Park überraschend eingeräumt, dass Choi ihr beim Verfassen von Reden geholfen hat. Aber die Einflussnahme geht vermutlich viel tiefer. Die 60-Jährige soll unter Berufung auf die Präsidentin Firmen dazu gebracht haben, 70 Millionen US-Dollar an zwei Stiftungen zu spenden, die sie selbst kontrolliert. 

Zerknirscht trat Park Geun Hye heute zum zweiten Mal binnen einer Woche vor die Presse: "Ich fühle, wie mein Herz bricht. Wenn nötig, werde ich mit der Staatsanwaltschaft kooperieren und sogar Sonderermittler akzeptieren. Ich wiederhole: Ich bekenne meine Fehler offen und bitte die Nation um Vergebung. Ich habe bereits jede innere Beziehung gelöst und werde jede persönliche Verbindung kappen."

Choi Soon Sil wird von einer südkoreanischen Polizistin abgeführt. | Bildquelle: AFP
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Choi Soon Sil (li.) soll über Jahrzehnte Einfluss auf Präsidentin Park Geun Hye genommen haben.

Tochter eines Sektenführers

Den Verdacht, Südkoreas Präsidentin stehe unter dem Bann einer religiösen Sekte, wies Park erneut zurück. Doch der kommt nicht von ungefähr. Die steinreiche Freundin Choi ist die Tochter eines obskuren Sektenführers, der gleichzeitig Parks Mentor war und Freund ihres Vaters. Der wiederum, Park Chung-hee, war Militärdiktator Südkoreas bis zu seiner Ermordung 1979.

Die koreanische Presse spricht bei Choi Soon Sil bereits von "Rasputin", weil ihr Einfluss weit in die Politik reiche. Sie betreibt sogar ein Büro im Präsidentenpalast ohne jegliche Legitimation, wie die "New York Times" schreibt. Choi war erst vor wenigen Tagen von einem mehrmonatigen Aufenthalt aus Deutschland zurückgekehrt und sitzt jetzt in Seoul in Haft.

Choi unterhält eine Sportfirma in Hessen

Inzwischen sind Fotos aufgetaucht, die Chois Tochter in einem deutschen Reitstall zeigen. Südkoreanischen Berichten zufolge unterhält Choi in Hessen eine Sportfirma, die vom Industrie-Giganten Samsung finanziert wird oder wurde. Die Rede ist von 800.000 Euro im Monat. Aber das ist nichts im Vergleich zu den Vermögen, die Frau Choi und ihre 20-jährige Tochter bei acht verschiedenen Banken in Korea verwalten. Gelder in zig Millionenhöhe, gespendet von 53 zum Teil namhaften Unternehmen wie Hyundai oder Hynix.

Menschen demonstrieren in Südkorea gegen die Regierung und stoßen dabei mit der Polizei zusammen. | Bildquelle: AFP
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Demonstranten in Seoul forderten den Rücktritt von Präsidentin Park.

Ermittlungen gegen Präsidentin?

Um sich aus dem Dunstkreis ihrer obskuren Freundin zu befreien, hat Präsidentin Park zunächst ihren Stabschef, dann mehrere Minister und schließlich den Premierminister entlassen. Zu dessen Nachfolger ernannte sie Kim Byong-joon, einen Mann, der als keiner ihrer Parteigänger gilt. Die Frage, ob die Präsidentin trotz ihrer verfassungsmäßigen Immunität befragt werden dürfe, beantwortete er klar: "Meine Überzeugung ist: Eine Untersuchung ist möglich. Aber weil Frau Park die Präsidentin ist, müssen wir umsichtig handeln. Ich werde mein Bestes tun, um meiner historischen Verantwortung gerecht zu werden."

Es wäre das erste Mal, dass sich ein amtierender Präsident Südkoreas einer staatsanwaltlichen Ermittlung stellen muss. Parks Zustimmungsrate ist inzwischen auf neun Prozent gefallen.

Die Präsidentin und die Hexe - Politskandal in Südkorea
J. Hanefeld, ARD Tokio
04.11.2016 12:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. November 2016 um 14:00 Uhr.

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