Südkoreas Kulturministerin Cho Yoon Sun  | Bildquelle: dpa

Schwarze Liste erstellt Südkoreas Kulturministerin verhaftet

Stand: 21.01.2017 12:19 Uhr

Tausenden von Künstlern in Südkorea sollte der Zugang zu staatlichen Förderungen blockiert werden, weil sie als regierungskritisch galten. Die Kulturministerin soll dafür eine schwarze Liste erstellt haben. Nun ist sie verhaftet worden.

Die südkoreanische Kulturministerin Cho Yoon Sun ist wegen Amtsmissbrauchs verhaftet worden und hat kurz darauf ihren Rücktritt eingereicht. Regierungschef Hwang Kyo Ahn prüfte das Gesuch, wie ein Sprecher seines Büros mitteilte. Der 50-Jährigen wird vorgeworfen, eine schwarze Liste mit den Namen Tausender regierungskritischer Künstler angelegt zu haben.

Sonderermittler ließen zudem den früheren Stabschef im Präsidialamt, Kim Ki Choon, verhaften, wie südkoreanische Sender berichteten. Kim soll die strittige Liste angeordnet haben. Er und Cho galten als wichtige Berater von Präsidentin Park Geun Hye, die wegen einer Korruptionsaffäre um eine Vertraute vorläufig entmachtet ist. Cho und Kim bestritten die Vorwürfe.

Schwarze Liste mit Tausenden Künstlern

Die als Parks "Aschenputtel" bezeichnete Cho hatte sich zu Beginn des Jahres allerdings bereits für die "schmerzlichen" Auswirkungen der Liste entschuldigt. Fast 10.000 Kulturschaffende und Künstler sollen auf der schwarzen Liste geführt worden sein. Ihnen sollte der Zugang zu staatlicher Unterstützung und privater Förderung verwehrt werden. Auch besteht der Verdacht, dass sie wegen ihrer kritischen Haltung gegenüber der Regierung unter staatlicher Beobachtung gestellt werden sollten.

Auf der Liste stehen beispielsweise die Romanautorin Han Kang und der Regisseur Park Chan Wook, der mit "Oldboy" 2004 beim Filmfestival in Cannes den Großen Preis der Jury gewann.

Staatliche Einflussnahme auf den Kulturbereich ist in Südkorea ein sensibles Thema. Unter Parks Vater, dem Diktator Park Chung Hee, herrschte in den 1960er und 1970er Jahren eine scharfe Zensur in Journalismus, Kunst und Unterhaltung.

Amtsenhebungsverfahren gegen Präsidentin läuft

Wegen einer Korruptionsaffäre hatte das Parlament in Seoul im Dezember für ein Amtsenthebungsverfahren gegen die konservative Präsidentin Park gestimmt. Sie verlor damit umgehend ihre Amtsvollmachten. Allerdings behielt sie den Titel als Staatschefin und bleibt im Präsidentenpalast, bis das Verfassungsgericht über ihre Amtsenthebung entschieden hat. Sie soll in den nächsten Wochen in ihrem Verfahren vorgeladen werden. Sobald die Entscheidung vorliegt, müssen innerhalb von zwei Monaten Neuwahlen stattfinden.

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