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Streiks in südafrikanischen Minen
Das Zündeln geht weiter
Kaum sind die Opfer des Blutbades der vergangenen Woche begraben, da melden sich in Südafrika erneut Politiker, die den Konflikt um die Bergarbeiterstreiks in den Platinminen weiter anheizen. Auch der Minenbetreiber Lonmin findet keinen Weg, um die Lage zu deeskalieren.
Von Claus Stäcker, ARD-Hörfunkstudio Johannesburg
Die Flaggen an allen öffentlichen Gebäuden, auch in den südafrikanischen Auslandsvertretungen, wehen auf halbmast. Aber nicht mal einen Tag hielt die Ruhe, da waren die Zündler und Brandstifter schon wieder da, entgegen aller Appelle von Präsident Jacob Zuma, bis zur Aufklärung der Vorfälle nicht mit dem Finger auf andere zu zeigen.
Der nach einem Machtkampf mit Zuma geschasste ANC-Jugendführer Julius Malema erklärte: "Präsident Zuma hat unsere Menschen umgebracht. Zuma und seine Regierung werden noch mehr Menschen umbringen. Selbst heute haben sie erklärt, dass sie nichts bereuen. Ihr kämpft für die richtigen Anliegen. Nicht einen Augenblick solltet Ihr davon abrücken. Ihr kämpft für die richtige Sache."
In der Tat hatte Polizeichefin Mangwashi Victoria Phiyega auf einer Trauerfeier für zwei getötete Polizisten erklärt, dass die Beamten nichts bereuen sollten.
Scharfe Kritik am Minenbetreiber Lonmin
Die Marikana-Mine, die etwa ein Zehntel zur Platinweltproduktion beisteuert, nahm die Arbeit eingeschränkt wieder auf. Nach Angaben des Betreibers Lonmin kam etwa jeder vierte Beschäftigte dem Ultimatum nach und erschien zur Arbeit. Lonmin verwies auf die bestehenden Tarifverträge, die erst 2013 enden. Das Ultimatum an die Arbeiter, die das Blutbad überlebten, war von allen Seiten kritisiert werden.
Streikenden Minenarbeitern droht Entlassung
C. Stäcker, SWR Johannesburg
20.08.2012 19:50 Uhr
Der Analyst Ralf Motshegka sagte: "Ich finde, Lonmin sollte zu sich kommen und sich eingestehen, dass das hier eine außergewöhnliche Situation ist. Jetzt mit einem neuen Ultimatum zu kommen und mit Entlassungen zu drohen, ist völlig unsensibel." Die Nerven liegen blank. Immerhin verlor Lonmin durch die Unruhen fast die Hälfte seines Marktwerts. Am Nachmittag gab sich das Management dann entgegenkommend und verzichtete auf weitere Fristen.
David van Wyk von der Benchmarks Foundation kam in einer Studie zu einem Schluss, zu dem die Arbeiter schon lange gekommen sind: "Sie könnten ihnen deutlich mehr zahlen, wenn man sich die Daten zur Wirtschaftlichkeit der Minen in Südafrika ansieht oder auch ihre Jahresberichte. Alle sagen, dass die Bergbaufirmen von den Betriebskosten betrachtet die billigsten der Welt sind."
Völlig überfordert ist Lonmin mit dem Krisenmanagement. Nach wie vor weicht der britisch-südafrikanische Konzern allen entscheidenden Fragen aus. Zum Beispiel der, was mit den mehr als 2000 Beschäftigten geschehen soll, die nach dem Massaker nun erst recht nicht mehr in die Mine zurück wollen.
260 Arbeiter im Gefängnis
Weiter angeheizt wurde die Lage auch vor Gericht. 260 der bei dem gewalttätigen Streik festgenommenen Arbeiter wurden dem Haftrichter vorgeführt. Der lehnte ihren Kautionsantrag ab. Damit bleiben sie bis zum Beginn des Verfahrens hinter Gittern. Die Vorwürfe gegen sie reichen von öffentlicher Gewalt bis zu Mord und Totschlag.
Wenigstens erhielten die Ehefrauen Listen mit den Namen der Verhafteten. Für manche bringen sie Erleichterung, für andere die traurige Bestätigung, dass der Ernährer unter den 34 Toten ist. Der Streit um die Löhne und Arbeitsbedingungen wird weitergehen.
Stand: 20.08.2012 19:28 Uhr
