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Streiks in Südafrika
Polizei verteidigt Schüsse auf Minenarbeiter
Nach dem Blutbad an streikenden Minenarbeitern herrscht in Südafrika Entsetzen über das brutale Vorgehen der Polizei. Die hatte das Feuer auf die Streikenden eröffnet, spricht aber von "Selbstverteidigung". Südafrikas Präsident Zuma verurteilte die Gewalt als "sinnlos". Die Opposition verlangt eine Untersuchung des "Massakers".
Von Claus Stäcker, ARD-Hörfunkstudio Johannesburg
Mit unglaublicher Härte waren gestern zwei Polizei-Hundertschaften, von Helikoptern unterstützt, auf die kampfbereiten Streikenden in der Nähe der südafrikanischen Wirtschaftsmetropole Johannesburg losgegangen. Bei dem Feuerhagel wurde mit scharfer Munition geschossen, soviel ist inzwischen klar. Mehr als 30 Menschen starben.
Der Fernsehsender eNews übertrug die bürgerkriegsähnlichen Szenen live. Präsident Jacob Zuma äußerte sich schockiert über die, wie er sagte, "sinnlose Gewalt". Die oppositionelle Demokratische Allianz sprach von einem Massaker und verlangte eine unabhängige Untersuchung.
Der Polizeiminister verteidigte dagegen das brutale Vorgehen gegen die streikenden Bergleute, manche Demonstranten seien bis an die Zähne bewaffnet gewesen. Bis zu 3000 Minenarbeiter hatten sich auf einem Hügel unweit der WM-Stadt von 2010, Rustenburg, verschanzt und wollten mit Gewalt eine Verdreifachung ihrer Löhne durchsetzen. Nach Angaben der Gewerkschaft AMCU liegt er derzeit bei umgerechnet 400 Euro.
"Wenn Arbeiter nach 20 Jahren unter diesen harschen Arbeitsbedingungen immer noch nur 400 Euro verdienen, dann spricht das Bände", sagte der AMCU-Präsident Joseph Mathunjwa. Dies sei sicherlich auch ein Fakt gwesen, der zur Eskalation beigetragen habe.
"Wir erwarten, dass Militär eingesetzt wird"
Die Gewerkschaft AMCU selbst wird beschuldigt, die Gewalt orchestriert zu haben. Viele ihrer Mitglieder sind enttäuscht von der mächtigen, regierungsnahen Gewerkschaft NUM und bekämpfen diese mit allen Mitteln. Der Machtkampf zwischen den beiden Gewerkschaftsorganisationen hat bereits mehr als 50 Menschen das Leben gekostet. Zurzeit herrscht an der Mine gespannte Ruhe, Hubschrauber kreisen über dem Gebiet, die Streikenden haben sich zurückgezogen.
Entsetzen über Blutbad in Platinmine
C. Stäcker, ARD Johannesburg
17.08.2012 17:35 Uhr
"Es geht nicht, dass 2000 Streikende die Gesamtbelegschaft von 26.000 Arbeitern in Geiselhaft nehmen", verteidigte der Sprecher der regierungsnahen Gewerkschaft NUM, Lesiba Seshoka, das Vorgehen der Polizei. Das Ultimatum sei ausgehändigt gewesen, die Versammlung hätte aufgelöst werden müssen. "Wir erwarten, dass die Polizei präsent ist, dass das Militär eingesetzt wird. Dass hart durchgegriffen wird gegen diese Gesetzlosigkeit", sagte Seshoka weiter. "Wir können nicht zulassen, dass unser Land zur Spielwiese einer kleinen Gruppe Krimineller wird."
Platin verteuert sich wegen der Unruhen
Lonmin, der Betreiber der Mine und drittgrößte Platinproduzent der Welt, verwies auf den mit NUM geschlossenen Tarifvertrag, der erst 2013 ausläuft. Zudem sei der Ausstand nicht angemeldet gewesen. Die Produktion steht seit sieben Tag still, den Verlust gibt Lonmin mit über 15.000 Unzen an - über 21 Millionen Dollar.
Platin wird vor allem für Auto-Katalysatoren gebraucht. Südafrika verfügt über mehr als drei Viertel der Weltreserven, Lonmin allein trägt zwölf Prozent zur Weltproduktion bei. Sein Aktienkurs in Johannesburg brach um mehr als sieben Prozentpunkte ein, die Platinpreise schnellten hingegen nach oben. Auch die Nummer eins der Welt, Implats, hatte wegen der Unruhen dieses Jahr schon massive Produktionsunterbrechungen.
Die Ratingagentur "Standard and Poor's" warnte, die Unruhen wirkten sich negativ auf Investoren und die Gesamtbewertung Südafrikas aus.
Kritk am Polizeieinsatz gegen streikende Minenarbeiter in Südafrika
tagesthemen 21:45 Uhr, 17.08.2012, Ulli Neuhoff, ARD Johannesburg
Stand: 17.08.2012 12:56 Uhr
