Südafrikas "Black Mambas": Frauenpower gegen Wilderei

Illegale Nashornjagd in Südafrika Die "Black Mambas" im Kampf gegen Wilderer

Stand: 28.03.2016 14:47 Uhr

Nashorn-Wilderei ist ein enormes Problem in Südafrika. Trotz hochgerüsteter Ranger sterben jedes Jahr mehr als 1000 Tiere. Erfolgreicher scheint das Konzept des Balule-Reservats zu sein: eine Anti-Wilderer-Truppe nur aus Frauen.

Von Jan-Philippe Schlüter, ARD-Studio Johannesburg

In Kriechfahrt pirscht der Jeep durch das Balule-Naturreservat. Das Team der "Black Mambas" ist auf nächtlicher Patrouille. Ein Suchscheinwerfer durchschneidet die schwarze Nacht. Nashorn-Wilderer schlagen vor allem im Schutz der Dunkelheit zu. Das besondere an dieser Patrouille: bis auf den Fahrer sind alle Mitglieder der "Black Mambas" Frauen. Nocry ist eine von ihnen und selbstbewusst: "Frauen haben doch mindestens genauso viel Power wie Männer", sagt sie. "Wir haben nicht mehr Angst als sie. Immerhin machen wir "Black Mambas" diesen Job schon seit mehr als zwei Jahren!"

Absolut loyal

Die Idee zur reinen Frauentruppe im Kampf gegen Nashorn-Wilderei hatte Chefwildhüter Craig Spencer. Er setzt vor allem wegen ihrer Verschwiegenheit auf die Frauen. Denn in der Vergangenheit verkauften männliche Ranger Informationen über den Aufenthaltsort von Nashörnern an Wilderer. Spencer hält viel von den Frauen, denn sie arbeiteten viel gewissenhafter.

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Die Wildhüterinnen sind unbewaffnet, um nicht selbst zum Ziel der Nashornjäger zu werden. Notfalls müssen sie bewaffnete Kollegen rufen.

Auch sei in drei Jahren nie eine von ihnen zu spät, mit einer schmutzigen Uniform oder betrunken zur Arbeit erschienen. Außerdem würde niemals eine von ihnen die 3 bis 4000 Euro nehmen, die Wilderer bieten, damit man ihnen verrät, wo die Nashörner des Reservats sind. "Die Loyalität dieser Frauen kann man nicht kaufen!" sagt Spencer.

Vorsichtig und leise

Auf der nächtlichen Patrouille der "Black Mambas" geht plötzlich ein Funkspruch ein. Ein Schwarm Geier ist gesichtet worden. Das könnte ein Hinweis auf einen Nashorn-Kadaver sein. Aber der Ort, über dem die Aasfresser kreisen, ist nur zu Fuß zu erreichen. Zu gefährlich mitten in der Nacht, schließlich leben hier in der Wildnis auch Löwen und Leoparden.

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Auf nächtlicher Patrouille im Kampf gegen die bewaffneten Kriminellen.

Das Team entscheidet, nicht dorthin zu gehen. Während der Jeep weiter den Zaun des Reservats kontrolliert, um Wilderern den Weg abzuschneiden, gehen zwei der "Black Mambas" in einer Hütte in der Nähe auf Horchposten. Goodness flüstert: "Wir schauen und horchen. Manchmal können wir die Wilderer reden hören, auch wenn sie weit entfernt sind. Denn wir selbst sind ganz leise."

Persönlicher Erfolg für die Frauen

Nocry und Goodness waren schon gemeinsam auf der Schule und sind seit mehr als zwei Jahren bei den "Black Mambas". Dass man mit dem Schutz von Nashörnern auch Geld verdienen kann, sieht man an Nocrys Haus. Es ist eines der größeren im benachbarten Township. Auch das ist eine Botschaft an die Leute, die Informationen über die Tiere an Wilderer verkaufen.

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Immer wieder kontrollieren die "Black Mambas" an den Zäunen des Reservats, ob Wilderer eingedrungen sind.

Nocry hat das Haus ganz alleine bezahlt. "Als ich noch arbeitslos war, habe ich zugunsten meiner kleinen Geschwister auf manches verzichtet, damit sie zu essen hatten", erzählt sie. "Ich habe auch gehungert. Seitdem ich den Job habe, hat sich das alles geändert."

Vorurteile verschwinden nur langsam

Der Einsatz der "Black Mambas" ist ein großer Erfolg: Seitdem sie auf Patrouille gehen, hat das Balule-Reservat nur einmal Nashörner verloren. Drei Tiere im März vergangenen Jahres.

Trotzdem gibt es immer noch Männer, die nicht sonderlich beeindruckt zu sein scheinen von der Arbeit der Rangerinnen, wie dieser Nachbar von Nocry: "Frauen unterwegs im Bush? Das funktioniert doch nur, wenn auch ein Mann dabei ist. Ganz alleine bekommen die es doch sonst mit der Angst zu tun."

Erfolgreiches Konzept

Solche Sprüche hören die "Black Mambas" immer noch häufig. Aber sie sehen das gelassen. Denn mit ihrem täglichen Einsatz belehren sie die Männer eines besseren.

Frauenpower gegen Nashorn-Wilderer: Die Black Mambas in Südafrika
Jan-Phillipe Schlüter, ARD Johannesburg
28.03.2016 13:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Januar 2016 um 05:26 Uhr.

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