Südafrikas Präsident Jacob Zuma. | Bildquelle: AFP

Analyse zur Kommunalwahl in Südafrika Was lernt Zuma aus der Wahlschlappe?

Stand: 06.08.2016 15:32 Uhr

Hochrangige ANC-Politiker haben nach der Wahlschlappe eingestanden, zu wenig auf die Stimmen der Bevölkerung zu hören und geloben Besserung. Ist das nur Politiker-Rhetorik? Und wie reagiert wohl einer der Hauptschuldigen an dem schlechten Wahlergebnis, Präsident Zuma?

Von Jan-Philippe Schlüter, ARD-Hörfunkstudio Johannesburg

Für einen Abgesang auf den Afrikanischen Nationalkongress ist es noch viel zu früh - auch wenn die Schlagzeilen, in denen von Denkzettel und Niedergang die Rede ist, anderes vermuten lassen. Der ANC ist immer noch die mit Abstand stärkste Partei in Südafrika - und wird es noch eine Weile bleiben.

Die Wählererosion vor allem in den Städten zeigt aber, dass etwas in Bewegung gekommen ist. Viele hier sind unzufrieden mit der Führung rund um den skandalerprobten Präsidenten Jacob Zuma. Sie haben keine Lust mehr auf den Mix aus Selbstbeweihräucherung, Misswirtschaft, Nepotismus und Korruption, für den Zuma steht. Das Wahlergebnis und die hohe Zahl an ANC-Anhängern, die nicht wählen gegangen sind, sind ein deutliches Warnsignal.

Drastische Verluste für ANC bei Kommunalwahl in Südafrika
tagesschau 20:00 Uhr, 06.08.2016, Thomas Denzel, ARD Johannesburg

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

ANC muss umsteuern

Dass Zuma von sich aus die Verantwortung für das historisch schlechte Wahlergebnis übernimmt und zurücktritt, ist unvorstellbar. Zu viele Skandale hat er schon ausgesessen - auch weil der ANC ihm auch in den unmöglichsten Situationen beigestanden hat.

Nein, es ist der ANC, der jetzt umsteuern und deutlich machen muss, dass kein Mensch größer ist als die Partei - egal wie mächtig er sein mag. Aber kann er das? Zwei Szenarien sind nach der Wahl denkbar.

Einsicht und Erkenntnis?

Im ersten Szenario erkennt der ANC, dass er in den vergangenen Jahren den falschen Interessen gedient hat. Nämlich denen der Machtclique rund um Zuma, statt denen der Bevölkerung. Die Partei besinnt sich auf das Erbe Nelson Mandelas, ermöglicht Zuma über kurz oder lang einen geräuscharmen Abgang, bei dem er sein Gesicht wahrt, und wählt einen kompetenten Nachfolger oder eine kompetente Nachfolgerin.

Eine neu zusammengestellte Regierung setzt wie seit Jahren versprochen - aber nie konsequent realisiert - den Nationalen Entwicklungsplan um. Die Wirtschaft erholt sich, die sozialen Spannungen nehmen ab. Der ANC wird bei den Wahlen 2019 mit einem guten Resultat belohnt, ohne jedoch die alte Stärke wiederzuerlangen.

Das wahrscheinlichere Szenario

Das zweite Szenario ist düsterer für Südafrika. Zuma reagiert wie immer, wenn er unter Druck ist: Er aktiviert sein feingesponnenes Netz der Loyalitäten. Über die Jahre hat er überall in der Partei, der Regierung und der Verwaltung fügsame Gefolgsleute installiert.

Besonders in den ländlichen Regionen verfügt Zuma über eine große Machtbasis. Hier sind die Menschen dem ANC bedingungslos treu und mögen den jovialen Präsidenten. Innerparteiliche Gegner werden kaltgestellt wie schon oft geschehen. Bevor Zuma seine zweite und letzte Amtszeit als Präsident beendet, bestimmen er und seine mächtigen Provinzfürsten einen Nachfolger, der ihm nicht gefährlich werden kann.

Zuma genießt seinen Ruhestand auf dem mit Steuergeld luxuriös renovierten Landsitz in Nkandla. Seine Verbündeten bereichern sich wie gehabt schamlos, statt das Wohl der Allgemeinheit im Blick zu haben. Millionen armer Südafrikaner leiden weiter unter Arbeitslosigkeit und Ungerechtigkeit. Bei der Wahl 2019 verliert der ANC weiter an Stimmen, bleibt aber an der Macht. Momentan scheint mir dieses Szenario das wahrscheinlichere. Leider. Ich hoffe, ich täusche mich.

Ihre Meinung - meta.tagesschau.de

Darstellung: