Ein Mann schläft in der New Yorker Subway. | Bildquelle: AP

Nickerchen in der U-Bahn New Yorks Polizei verbietet das Schlafen

Stand: 06.02.2016 13:45 Uhr

In der New Yorker U-Bahn ist einiges verboten. Nägelschneiden zum Beispiel oder breitbeinig sitzen. Nun will die Polizei die Fahrgäste auch noch daran hindern, ein Nickerchen zu halten. Angeblich zu ihrem eigenen Schutz. Die unzähligen Berufspendler sind empört.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

New Yorks wohl lautester Schlafsaal hat weit über 700 Zugänge. Er bietet täglich rund 8,7 Millionen Schlafgästen Plätze an - vorausgesetzt, dass sie auch im Stehen schlafen können. Mitten in diesen gigantischen, rollenden Schlafsaal spaziert nun ein weißhaariger Herr – seine Anweisung: Schatz, schlaf nicht in der U-Bahn.

Der Mann heißt Bill Bratton und ist Polizeichef von New York. Er meint es ernst. U-Bahnen sind nicht zum Schlafen da, heißt es knapp und bündig.

"Nachmittags um vier bin ich platt"

Das sehen unzählige Berufspendler anders. Sie versuchen den horrenden Lebenskosten in der Metropole mit einem Wegzug in günstigere Vororte zu begegnen. Sie heißen "Super Commuter" oder "Mega Commuter". Das bedeutet: Lange Wege, lange Zeiten. Deshalb brauchen sie dringend den Schlummer auf Rädern. Bill Bratton möchte nun jedoch, dass Polizisten sie aufwecken. Das ist doch nicht fair, beschwert sich eine Pendlerin: "Die Leute müssen so früh aufstehen für ihre Arbeit und sind müde. Ich gehöre dazu. Jeden Morgen muss ich um halb fünf raus. Wenn ich nachmittags um vier die U-Bahn nehme, bin ich platt."

New Yorks größter Schlafsaal schließt
K. Clement, ARD New York
06.02.2016 13:31 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Viele U-Bahn-Wagen sind mit Ver- und Gebotsschildern gepflastert. Grüne Schrift bedeutet: Ja, bitte! Rote Schrift: Auf keinen Fall! Zu Letzterem gehören akrobatische Vorführungen an Haltestangen, Nägelschneiden oder breitbeiniges Sitzen. Nun also auch noch der Schlaf trotz Zuggetöse?

Bitte nett wecken, mit einer Feder zum Beispiel

Es sei ja nur im Interesse der Fahrgäste, verteidigt sich der Polizeichef und verweist auf die jüngste Statistik. Danach hat Kriminalität in der U-Bahn im Januar um ein gutes Drittel im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Und fast die Hälfte aller Vergehen in der U-Bahn betrifft schlafende Passagiere. Wer in der Bahn schlafe, mache sich selbst zu einem einfachen Opfer, sagt Bill Bratton. Warum sollte man sich diesem Risiko aussetzen?

Vielleicht einfach deshalb, weil man todmüde ist, könnten viele Passagiere dem Polizeichef entgegnen, der mit schwarzen Gelände-Dienstwagen und Fahrer versorgt ist.

Ein Fahrgast schlug der Polizei schon einen ironischen Kompromiss vor: Wenigstens bitte nett wecken - mit einer Feder zum Beispiel.

Darstellung: