Stuxnet: Ermittlungen gegen Ex-Chef des Cyber Command

Ermittlungen gegen Ex-General Cartwright

Kam der Stuxnet-Tipp von ganz oben?

Ausgerechnet der ehemalige Kommandeur des US Cyber Command soll geheime Details über die Angriffe mit dem Virus Stuxnet auf Iran ausgeplaudert haben. Dies vermutet zumindest das Justizministerium und hat Ermittlungen gegen den Ex-General eingeleitet.

Von Silke Hasselmann, MDR-Hörfunkstudio Washington

Das US-Justizministerium hat einem der noch bis vor kurzem mächtigsten Generäle mitgeteilt, dass gegen ihn wegen Geheimnisverrates ermittelt wird. Dabei geht es um das Computervirus Stuxnet. Der pensionierte James Cartwright soll brisante Details über die Stuxnet-Attacke auf iranische Server vor drei Jahren verraten haben.

Von 2007 bis zu seiner Pensionierung 2011 war Cartwright stellvertrender Generalstabschef und damit der zweithöchste Militär Amerikas. Zudem leitete er das US Cyber Command, die höchste Militäreinrichtung zur elektronischen Kriegsführung und Internetsicherheit. Die Behörde hat ihren Sitz in Fort Meade, genau neben der jetzt für ihre weitreichenden Überwachungsprogramme bekannt gewordenen National Security Agency (NSA).

Ermittlungen gegen Ex-Chef des US-Cyber Command
S. Hasselmann, MDR Washington
28.06.2013 09:20 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Architekt der US-Cyberwar-Strategie

James Cartwright während einer Pressekonferenz 2011 (Bildquelle: AP)
galerie

Cartwright - hier im Jahr 2011 - steht nun im Visier der US-Justiz.

Cartwright ist es zu verdanken, dass die US-Sicherheitspolitik inzwischen den Gefahren eines digitalen Internetkrieges und der Cyberspionage oberste Priorität und damit enorme Mittel zubilligt. Nicht ganz so erfolgreich war der von Präsident Barack Obama sehr geschätzte General bei seinem Versuch, die Cyberfähigkeiten der US-Armee künftig zu 90 Prozent für offensive Aktionen einzusetzen und Cyberangriffe fremder Mächte grundsätzlich als Kriegserklärung zu betrachten.

Die Geheimoperation "Olympic Games" von 2010, um die es nun geht, fiel jedenfalls in Cartwrights aktive Dienstzeit. Dahinter steckt der Computervirus Stuxnet, der damals weltweit für Aufsehen gesorgt hatte, weil er unter anderem auf den Servern einer iranischen Atomanlage zu finden war und dort zeitweise 1000 Zentrifugen zur Urananreicherung lahmgelegt haben soll.

Es war die NSA, nicht die CIA

Luftaufnahme der Zentrale der National Security Agency in Fort Meade (Archiv) (Bildquelle: AP)
galerie

Die NSA soll hinter der Stuxnet-Attacke auf Iran stecken.

Voriges Jahr nun - kurz vor der Präsidentschaftswahl - hatte die "New York Times" unter Verweis auf eine hochrangige Quelle bestätigt, was schon lange gemunkelt worden war: Stuxnet sei eine amerikanisch-israelische Cyberattacke gegen den Iran gewesen. Doch während die meisten Beobachter glaubten, dass auf US-Seite die CIA die Finger im Spiel hatte, präzisierte der Zeitungsbericht laut seiner gut informierten Quelle, dass es sich um den Geheimdienst NSA gehandelt habe.

Diese Offenlegung hatte erhebliche Verwunderung in der Geheimdienstgemeinde und großen politischen Ärger in Washington ausgelöst. Er richtete sich zunächst auf das Weiße Haus, das unter Präsident Obama als Hort mehrerer Lecks galt. So wurden etwa üblicherweise streng geheime Details von Geheimoperationen wie der Tötung Osama bin Ladens 2011 öffentlich.

Cartwright schweigt (wieder)

Auf Druck erboster Republikaner im Kongress leitete US-Justizminister Eric Holder eine Untersuchung ein. Nun wurde der inzwischen bei der privaten Denkfabrik "Center for Strategic and International Studies" arbeitende Cartwright darüber informiert, dass er im Mittelpunkt strafrechtlicher Ermittlungen zu diesem Geheimnisverrat steht. Auch als Pensionäre unterliegen die Militärs noch jahrelang einer absoluten Verschwiegenheitspflicht. Cartwright hat sich bislang nicht dazu geäußert.

Geheimnisverrat im Weißen Haus
nachtmagazin 00:59 Uhr, 29.06.2013, Marion Schmickler, ARD Washington

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Stand: 28.06.2013 09:57 Uhr

Darstellung: