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29.05.2012

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Ausland
Heftige Proteste gegen höhere Studiengebühren in London
Erhöhung der Studiengebühren in Großbritannien

Gewaltsame Studentenproteste in London

Nach einer drastischen Erhöhung der Studiengebühren ist es in London zu schweren Ausschreitungen gekommen. Hunderte gewalttätige Demonstranten randalierten bis spät in die Nacht im Regierungsviertel Westminster. Sie warfen Leuchtbomben, Billardkugeln und Farbbomben auf Polizisten und rissen Absperrungen nieder.

Auto mit Prinz Charles und Camilla angegriffen

Auch ein Auto, in dem Prinz Charles und seine Frau Camilla saßen, wurde angegriffen. Die beiden waren auf dem Weg zu einer Veranstaltung. Demonstranten traten gegen das Auto des Thronfolgers und besprühten es mit Farbe. Das Paar erlitt aber keine Verletzungen, wie Charles' Sprecher mitteilte.

Nach Angaben der Polizei wurden 43 Demonstranten und zwölf Beamte verletzt. 22 Personen wurden festgenommen. Der britische Premierminister David Cameron bezeichnete den Angriff als schockierend und bedauerlich. Er verurteilte die gewaltsamen Ausschreitungen aufs schärfste.

Umstrittenes Thema in der Koalition

Den Protesten vorausgegangen war der Beschluss der britischen Regierung, dass Universitäten künftig Studiengebühren von bis zu 9000 Pfund (10.700 Euro) pro Jahr erheben dürfen. Mit einer Mehrheit von 323 Ja-Stimmen gegen 302 Ablehnungen hatte die Koalition aus Konservativen und Liberaldemokraten die neue Regelung gebilligt. Die Mehrheit war vergleichsweise knapp, immerhin verfügt die konservativ-liberale Regierung eigentlich über 84 Stimmen Vorsprung vor der Opposition.

"Abstaining is for cowards" - "Sich enthalten ist was für Feiglinge", meint dieser Demonstrant in London. (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: "Sich enthalten ist was für Feiglinge": Dieser Demonstrant spielte wohl auf die Haltung der Liberaldemokraten an. ]
Die kleineren Liberaldemokraten hatten bereits im Wahlkampf betont, die Gebühren nicht erhöhen zu wollen. Als Kritiker der Erhöhung fürchten sie, dass Kinder aus weniger wohlhabenden Elternhäusern künftig nicht mehr studieren können. Sie hatten sich im Koalitionsvertrag das Recht vorbehalten, sich in dieser Frage der Stimme zu enthalten. Bei der Abstimmung votierten dann auch mehrere Liberale gegen die Regierungspläne. Zwei Abgeordnete traten sogar von ihren Berater-Aufgaben in Ministerien zurück.

Parteichef Nick Clegg versuchte, gegen die Kritik aus den eigenen Reihen anzugehen: Wer gegen Studiengebühren sei, sei ein "Träumer", sagte er. Er schäme sich nicht für seine Entscheidung, er nehme "die Welt wie sie ist".

Kürzung des britischen Bildungshaushalts

Die höheren Gebühren sollen unter anderem die Kosten decken, die nach der Kürzung des britischen Bildungshaushaltes auf die Unis zukommen. Im Oktober hatte die Regierung angekündigt, im Rahmen ihrer Sparpläne die Ausgaben für höhere Bildung um bis zu 40 Prozent herunterzuschrauben. Der britische Staat hat durch die Wirtschaftskrise einen riesigen Schuldenberg angehäuft und muss in den kommenden Jahren an fast allen Ecken sparen.

Polizei und Studenten stehen sich im Londoner Parliament Square gegenüber. (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Im Londoner Parliament Square trafen Polizisten...]
Polizei geht in London gegen demonstrierende Studenten vor. (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: ...und Studenten teils mit Gewalt aufeinander.]
 

Immer mehr Studenten

Die Universitäten sind aber auch deshalb teilweise in finanzieller Bedrängnis, weil die Studentenzahlen in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind. Waren 1990 noch rund 157.000 Studenten an britischen Unis eingeschrieben, sind es in diesem Jahr 482.000. Befürworter der Erhöhung argumentieren, dass ausreichend Hilfe für Studenten aus ärmeren Familien zur Verfügung stehe.

So müssen Unis, die mehr als 6000 Pfund Gebühren erheben, zum Beispiel Stipendien und Sommerkurse anbieten. Die Verdienstgrenze, von der an Studenten mit einem Kredit anfangen müssen zurückzuzahlen, soll erhöht werden. Insgesamt zahlten einige Gruppen sogar weniger Geld, hieß es aus den Reihen der Konservativen. Die neue Regelung gilt in dieser Form außerdem nur für England. In Wales will die Regierung zusätzliche Kosten der Studenten übernehmen. In Schottland ist Studieren derzeit noch gebührenfrei.

Berittene Polizei versucht, im Parliament Square demonstrierende Studenten in Schach zu halten. (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Auch berittene Polizei wurde eingesetzt, um die im Parliament Square demonstrierenden Studenten in Schach zu halten. ]
Stand: 10.12.2010 09:02 Uhr
 

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