Autowrack vor einem Straßenschild in der Nähe von Mossul | Bildquelle: REUTERS

Kampf gegen IS-Terror Irak will türkische Truppen loswerden

Stand: 12.10.2016 13:27 Uhr

Ist die Türkei beim Sturm auf Mossul dabei? Die Regierung in Ankara möchte ihren Einfluss in der Region sichern. Die irakische Regierung sieht jedoch die Türkei nicht als Koalitionspartner im Kampf gegen die IS-Terrormiliz. Der Streit wird persönlich.

Von Reinhard Baumgarten, ARD-Studio Istanbul

Ankara und Bagdad liegen über Kreuz. Gut zweitausend Soldaten hat die Türkei im Norden Iraks stationiert. Sie sollen weg, fordert Iraks Regierungschef Haidar al-Abadi. Bagdad hat deswegen sogar schon den UN-Sicherheitsrat eingeschaltet.

Dem türkischen Präsidenten platzte wegen al-Abadis Haltung jetzt der Kragen. Es beleidige ihn persönlich, schäumte Recep Tayyip Erdogan. "Du bist mir nicht ebenbürtig. Du hast nicht meine Qualitäten. Das Geschrei aus dem Irak kümmert uns nicht. Wir gehen unseren eigenen Weg." Erdoğan fühlt sich von al-Abadi herausgefordert. "Du solltest deine Grenzen kennen", schleuderte er ihm wenig diplomatisch entgegen. "Der Irak ist an uns herangetreten, ein Camp in Bashiqa aufzubauen. Dafür haben wir Belege, die wir demnächst im Fernsehen zeigen werden. Jetzt wollen sie, dass wir gehen", erklärte er. Die türkische Armee sei nicht so schwach, dass sie Befehle von anderen befolge. 

Eine Familie auf ihrer Flucht aus Mosul
galerie

Flucht aus Mosul - wer koaliert bei der Befreiung der Stadt im Irak?

Türkei kein Koalitionspartner für den Irak

Ein Grund für den Streit ist der bevorstehende Sturm auf Mossul. Bagdad sieht die Türkei nicht als möglichen Koalitionspartner bei der Befreiung der Stadt aus den Fängen der IS-Terrormiliz. Ankara gibt an, ausdrücklich von Bagdad aufgefordert worden zu sein, Kämpfer gegen die IS-Terrormiliz auszubilden. Der türkische Regierungschef Binalı Yıldırım grollt: "Im Irak gibt es Truppen aus 63 unterschiedlichen Ländern zum Kampf gegen die IS-Terrormiliz. Es ist absurd, dass die irakische Zentralverwaltung einzig und allein die Präsenz türkischer Truppen kritisiert."

Der Streit über die türkischen Streitkräfte spitzt sich zu. Darauf angesprochen, hat inzwischen auch Washington reagiert. John Kirby, Sprecher des US-State Departments, erklärte vieldeutig: "Die USA sehen die Türkei nicht als Teil der internationalen Koalition (im Irak). Der Irak und die Türkei sollten das (Problem) durch Dialog lösen."

Aschura-Fest im Nordirak
tagesschau 20:00 Uhr, 12.10.2016, Volker Schwenck, ARD Kairo, zzt. Bagdad

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Enttäuscht von den USA

Die türkische Führung kann mit dieser Antwort nicht zufrieden sein. Die Enttäuschung gegenüber den USA dürfte weiter wachsen. Ankara und Washington vertreten bereits zu der Situation in Syrien gefährlich unterschiedliche Positionen im Umgang mit den kurdischen Volksbefreiungseinheiten YPG, die von der Türkei als Terroristen angesehen und von den USA als effektive Kraft gegen den IS geschätzt und unterstützt werden.

Ganz gleich, was Bagdad sage, erklärte Regierungschef Yıldırım trotzig: "Die türkischen Soldaten werden diesen Standort nicht verlassen. Sie werden auch weiter den IS bekämpfen und gewährleisten, dass dort die Demographie nicht verändert wird." Ankara fürchtet, dass vom Iran unterstützte Schiiten und sunnitische Kurden gemeinsam Mossul befreien, ihren Einfluss weiter ausdehnen und damit einen möglichen Einfluss Ankaras unmöglich machen könnten.

Streit um türkische Streitkräfte im Irak
R. Baumgarten, ARD Istanbul
12.10.2016 12:27 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 12. Oktober 2016 um 12:46 Uhr im Deutschlandfunk.

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