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Felix Baumgartners Stratosphärensprung geglückt

Mit 1342 Kilometern pro Stunde in Richtung Erdboden

Höchster bemannter Ballonflug, höchster Absprungpunkt sowie der schnellste freie Fall aller Zeiten: Mit seinem Sprung aus rund 39 Kilometern Höhe hat der Extremsportler Felix Baumgartner mehrere Rekorde aufgestellt.

Von Silke Hasselmann, MDR-Hörfunkstudio Washington

Zweieinhalb Stunden waren seit dem Beginn des Aufstiegs vergangen, als das Kontrollzentrum in Roswell im US-Bundesstaat New Mexico und Felix Baumgartner eine Checkliste durchgingen. Nachdem der Österreicher alle 43 abgefragten Funktionen und Positionen positiv bestätigen konnte, durfte er die Tür seiner Druckluftkapsel öffnen und sich zum Absprung auf deren kleinen Tritt stellen.

Felix Baumgartner durchbricht als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer
tagesschau 17:00 Uhr, 15.10.2012, Markus Zeidler, ARD Washington

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"Manchmal muss man hoch hinaus"

Er habe dann gesagt, er wünschte, die Welt könnte sehen, was er jetzt sieht und "dass man manchmal sehr hoch hinaus muss um zu erkennen, wie klein man ist", sagte Felix Baumgartner Stunden nach dem geglückten Sprung vom Rande des Weltalls.

Es habe eine Situation gegeben, in der er sich wirklich in Schwierigkeiten wähnte, berichtete der 43-Jährige in seiner ersten Pressekonferenz. Nach einem sauberen Absprung war er aus noch unklaren Gründen in starkes Trudeln gekommen und hatte sich in rasender Geschwindigkeit mehrmals um seine Körperachse gedreht.

Er hätte die Orientierung, gar das Bewusstsein verlieren können. Doch dann konnte er sich ohne Hilfe eines Notfallschirms stabilisieren und weiterhin versuchen, ungebremst die Schallmauer zu durchbrechen.

Sprung vom Rande des Weltalls geglückt
S. Hasselmann, MDR Washington
15.10.2012 03:13 Uhr

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Drei Rekorde geknackt

Doch erst einige Stunden nach dem Sprung bestätigten es die Veranstalter offiziell: Felix Baumgartner brach drei Weltrekorde - für den höchsten bemannten Ballonflug, für den höchsten Absprungpunkt sowie für den schnellsten freien Fall aller Zeiten. Er erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 372 Metern pro Sekunde oder 1342 Kilometern pro Stunde - schneller als Schallwellen und das ohne technische Hilfsmittel.

Es ist den wetterbedingten Startverzögerungen zu verdanken, dass dies nun fast auf den Tag genau 65 Jahre nach der Premiere durch den US-Piloten Chuck Yeager geschehen ist. Er hatte am 12. Oktober 1947 als erster Mensch überhaupt die Schallmauer durchbrochen, freilich in einem Flugzeug vom Typ X 1.

Es sei schwer, das Durchbrechen der Schallmauer zu beschreiben, denn er habe es nicht gespürt. "In einem Druckanzug fühlt man gar nichts", sagte ein aufgeräumter, glücklich erscheinender Felix Baumgartner. Um Geschwindigkeit zu spüren, brauche man Anhaltspunkte wie Wind, Geräusche, Druck auf der Haut - alles nicht möglich in einem Druckanzug. "Es ist, als schwimme man, ohne das Wasser zu spüren. Und so weißt du nicht, wie schnell du unterwegs bist."

Felix Baumgartner nach der Landung
galerie

Grenzenloser Jubel bei der Ankunft in der Wüste von New Mexico.

Werbewirksames Spektakel ohne Sinn?

Während nun viele Beobachter diesen Stratosphärensprung vor allem als werbewirksames Spektakel ohne wissenschaftlichen Wert schmähen, lobt Leroy Chiao das privat finanzierte Experiment. "Es wird zu besseren Druckanzügen führen", sagte der Ex-Kommandeur der Internationalen Raumstation ISS dem Sender CNN. Auch er beobachtete, wie flexibel sich Baumgartner in seinem Anzug bewegen konnte. "Mit unseren bisherigen Druckanzügen haben wir ständig zu kämpfen: Wie behältst du genügend Druck und ermöglichst es doch, dass der Astronaut Arme und Beine bewegen kann?"

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Freier Fall aus rund 39 Kilometern Höhe

Extremsportler springt aus 39 Kilometern Höhe.

Baumgartner vor dem Sprung

Countdown in Roswell im US-Bundesstaat New Mexico: Felix Baumgartner bereitet sich auf das Experiment vor. (Foto: dapd)

Der nächste Schritt ist aus seiner Sicht kein Sprung aus noch größerer Höhe, sondern die Verbesserung von Druckanzügen, die hilfreich für künftige Weltraumtouristen und Jet-Piloten sind, die sich per Sprung aus havarierenden Fluggeräten in Stratosphären-Höhe retten wollen. 

"Was steht als nächstes an?", wurde Felix Baumgartner derweil gefragt. Bislang wollte der Extremspringer immer höher hinaus oder in noch gefährlichere Gebiete springen. Doch wenige Stunden nach seinem Sprung vom Rande des Weltalls sagte er fast schon demütig, er fände es großartig, in fünf Jahren hier zu sitzen und jüngeren Springern mit Rat zur Seite zu stehen - genau wie es der bisherige Weltrekordhalter und Ex-Air-Force-Pilot Joe Kittinger mit ihm getan habe.

(Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Fassung dieses Textes hieß es, Baumgartner habe vier Weltrekorde aufgestellt. Baumgartner bricht die Rekorde für den schnellsten freien Fall, den höchsten bemannten Ballonflug und den höchsten Fallschirmsprung. Da er seinen Fallschirm zu früh zog, bleibt der Rekord des längsten freien Falls aber bei seinem Mentor Kittinger. Wir haben den Text entsprechend geändert)

Stand: 15.10.2012 04:14 Uhr

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