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E-Mail- und Kreditkartendaten gestohlen

"Anonymous" meldet Hackerangriff auf Sicherheitsfirma

Hacker der Online-Aktivistengruppe "Anonymous" haben offenbar eine große Zahl an E-Mail- und Kreditkartendaten der US-Sicherheitsfirma Stratfor gestohlen. Und nicht nur das: Mithilfe der Daten seien von Kundenkonten eine Million Dollar abgebucht und gespendet worden, teilten die Hacker mit.

Von Sabine Müller, ARD-Hörfunkstudio Washington

Masken der Hackerbewegung Anonymous
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Das Kennzeichen von Anonymous: Guy-Fawkes-Masken

Wer am Sonntagabend (Ortszeit) versuchte, auf die Internet-Seite der texanischen Sicherheitsberatungsfirma Strategic Forecasting (Stratfor) zu gelangen, der sah nur den Hinweis "Diese Seite wird zurzeit gewartet - bitte versuchen sie es später noch einmal." In einer E-Mail teilte das Unternehmen seinen Kunden mit, man sei das Opfer eines Hackerangriffs geworden und habe Experten für Identitätsdiebstahl eingeschaltet, um betroffenen Kunden zu helfen.

Bisher galt es als gut gehütetes Geheimnis, wer die Dienste von Stratfor in Anspruch nimmt, um sich in Sicherheitsfragen beraten zu lassen. Laut den Daten, die "Anonymous" ins Netz gestellt haben, gehören US-Ministerien, das Militär, Banken und Firmen wie Apple und Microsoft dazu.

Hacker sprechen von einfacher Attacke

"Jetzt nicht mehr privat und geheim", spotten die Hacker in einer Botschaft per Twitter. "Anonymous" erklärt, der Hack sei ein Leichtes gewesen, die Daten seien nämlich nicht verschlüsselt gewesen. Wenn das stimmt, wäre das äußerst peinlich für die Sicherheitsfirma. Einer von Stratfors Vizepräsidenten erklärte nur schwammig, man habe natürlich Schutzmaßnahmen getroffen, aber es sei extrem schwierig, sich gegen eine konzertierte Hackerattacke zu wehren.

Anonymous-Aktivisten hacken Internetseite der Sicherheitsfirma Stratfor
tagesschau 23:15 Uhr, 26.12.2011, Marion Schmickler, ARD Washington

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Angeblich rund eine Million Dollar als Spenden abgebucht

Insgesamt will "Anonymous" die Informationen von etwa 90.000 Kreditkarten gestohlen haben, 4.000 davon wurden ins Internet gestellt - außerdem Fotos, die beweisen sollen, dass die Hacker die Informationen nutzten, um Überweisungen zu tätigen.

Angeblich wurden insgesamt mehr als eine Million Dollar an wohltätige Organisationen gespendet. Einige der Opfer haben bestätigt, dass von ihren Konten nicht autorisierte Abbuchungen vorgenommen wurden. Ein langjähriger Mitarbeiter einer texanischen Bank, der vor kurzem in Rente ging, sagt, von seinem Konto seien insgesamt 700 Dollar an Spenden für fünf Hilfsorganisationen abgebucht worden.

Weitere Aktionen angekündigt

"Anonymous" hat in den letzten Monaten mit einer Reihe von Aktionen Schlagzeilen gemacht. Zuletzt legten die Hacker unter anderem die Webseite des syrischen Verteidigungsministeriums lahm, um gegen die blutige Niederschlagung regierungskritischer  Demonstrationen zu protestieren. Im letzten Jahr gab es Racheaktionen gegen Firmen, die als Feinde der Enthüllerplattform WikiLeaks wahrgenommen wurden.

Bradley Manning's Profilfoto bei Facebook am 29. November 2010
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Bradley Manning sitzt seit rund 18 Monaten im Gefängnis.

Eine Verbindung zu WikiLeaks hat auch die aktuelle Aktion: Die Hacker fordern, der mutmaßliche WikiLeaks-Informant Bradley Manning, der seit eineinhalb Jahren in einem Militärgefängnis sitzt, solle endlich mal anständig essen gehen dürfen.

"Anonymous" hat weitere Aktionen angekündigt, unter anderem gegen Stars wie Lady Gaga oder Justin Bieber. Zitat der Hacker: "Wir wollen den Weihnachtsspaß noch die ganze Woche verlängern."

Hintergrund

"Anonymous" ist eine lose Verbindung von Internetnutzern weltweit. Sie hat keine Anführer und keine Hierarchie. Wer mitwirken möchte, kann dies unverbindlich tun. Ihre Mitglieder setzen sich für freien Datenfluss und Redefreiheit ein. Unter dem Decknamen starteten Aktivisten beispielsweise Hackerangriffe auf die Online-Auftritte von US-Banken und Kreditkartenfirmen. Der Grund: Sie hatten sich geweigert, Spenden für den Wikileaks-Gründer Julian Assange weiterzuleiten. Kennzeichen der Aktivisten sind Masken des regierungskritischen Helden V aus der Comic-Reihe "V wie Vendetta", der sich wie Guy Fawkes kleidet. Der katholische Offizier Fawkes versuchte 1605, das englische Parlament in London wegen der zunehmenden politischen Unterdrückung von Katholiken in die Luft zu sprengen.

Stand: 26.12.2011 05:20 Uhr

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