An den griechischen Stränden bei Athen wird Öl angespült. | Bildquelle: AFP

Tankerunglück bei Athen Öl, Gestank und leere Strände

Stand: 17.09.2017 12:24 Uhr

Dass es die Insel Salamis treffen würde, war schnell klar nach dem Tankerunglück vor Griechenland vergangene Woche. Doch nun hat der Ölteppich auch das griechische Festland erreicht. Und ausgerechnet die Lieblingsstrände der Athener sind für Monate verseucht.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen

Am Stadtstrand von Glyfada - dem eleganten Vorort südlich von Athen - schauen viele Menschen an diesem Wochenende mit betroffenen Gesichtern ins Meer. Manche scheinen es noch immer nicht fassen zu können, dass nach dem Tankerunglück vor der Insel Salamis im saronischen Golf ausgerechnet an ihre Lieblingsstrände Öl gespült worden ist. Neben dem Yachthafen von Glyfada stinkt es wie an einer Raffinerie, kleine, mit Öl verschmierte Krabben flüchten aus hin und her schwappenden pechschwarzen Wellen.

Bis zum Unglück am vergangenen Sonntag war das hier auch für die junge Athenerin Panagiota einer der Top-Strände ihrer Stadt. "Die versuchen das jetzt hier wieder sauber zu bekommen. Ich glaube das geht gar nicht - auf jeden Fall wird das ewig dauern. Keine Ahnung wie lange. Überall liegt der Ölkram rum. Ein paar Leute haben versucht, drin zu schwimmen - das ist im Moment unmöglich."

Wegen des Ölteppichs ist der Strand in Glyfada gesperrt. | Bildquelle: dpa
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Wegen des Ölteppichs ist der Strand in Glyfada gesperrt.

Strände gesperrt - Badeverbot

Eine ganze Woche lang hörten die Athener sehr unterschiedliche Nachrichten über das Tankerunglück: Mal wurden 170 Tonnen ausgelaufenes Öl gemeldet, dann die erfolgreiche Versiegelung der undichten Stellen im untergegangenen Wrack. Der Schifffahrtsminister gab sogar Teil- Entwarnung - es sei gar kein so großer Ölteppich unterwegs, sagte er nach einer Erkundungstour übers Meer. In nur 30 Tagen, so die Verantwortlichen, werde man die mit Öl verdreckten Strände wieder reinigen.

Pünktlich zum Wochenende wurden dann knapp 20 Kilometer Küste zwischen Piräus und Glyfada gesperrt - Badeverbot. Polizei bewacht jetzt die Absperrbänder in Glyfada. "Das war hier einer der besten Strände der Stadt - und jetzt sieht er so aus. Unglaublich", sagt eine Mutter, deren Kind vorschlägt, lieber an einen Pool schwimmen zu gehen.

Bei einigen, die trotz Verbots im Meer waren, gab es verätzte Augen. Das ist gefährlich, sagt Nikos an der Theke einer Taverne in Agia Marina. Bei ihm, ein paar Kilometer südlicher am saronischen Golf, sei kein Öl angeschwemmt worden. Zum Glück, sagt Nikos. Die verantwortliche Besatzung des Tankers müsse jetzt bestraft werden, meint er.

Das hat auch die Regierung angekündigt - ansonsten ist von offizieller Seite zu dem Unglück und den Folgen nicht allzuviel neues zu hören. In Glyfada zucken wartende Ober am stinkenden Strand mit den Achseln und schicken Reporter schnell fort. "Keine Ahnung, wie das jemals wieder sauber werden soll in dieser Bucht", murmelt einer - der Frust über leere Tische und vermutlich erheblichen Verdienstausfall ist groß.

An den Stränden vor Athen versuchen Freiwillige, das angespülte Öl zu beseitigen. | Bildquelle: dpa
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An den Stränden vor Athen versuchen Freiwillige, das angespülte Öl zu beseitigen.

Folgen für viele existenzbedrohend

Ob es Wochen oder Monate dauern wird, bis die Strände so dicht an Athen wieder halbwegs gereinigt sind, lässt sich im Moment schwer abschätzen. Freiwillige wollen beim Aufräumen in Gummistiefeln und Schutzanzügen weiter helfen. Jetzt, zum Wochenende, ruhen sich die meisten aus. Wie zur Mahnung liegen riesige Plastiksäcke gefüllt mit Ölklumpen und teerigem Schlick zwischen Stränden und Fußgängerpromenaden.

Für viele Bewohner der Insel Salamis ist der gesunkene Öltanker existenzbedrohend. Hier hat es Wasservögel erwischt, Fische und damit auch die Menschen, die von Touristen oder vom Fischfang leben müssen.

Panaiotis Zorbas aus Salamis fordert schwere Strafen für die Schiffsbesatzung und alle, die so alte Schiffe überhaupt noch auf Tour schicken. Sein Blick in die pechschwarz gefärbte Bucht auf seiner Insel sieht tieftraurig aus: "Es ist so eine Katastrophe - ich weiß nicht, ob dieser Ort, Limnonas, jemals wieder leben kann. Für uns war es normal, dass uns die Fische gebissen haben, wenn wir hier rein sind. Und was ist das hier jetzt? Fahrlässig ist das - ich kann es nicht fassen."

Ölverschmutzt und abgeriegelt - Athens "Riviera" nach dem Tankerunglück

17.09.2017 12:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. September 2017 ab 13:00 Uhr im "Mittagsecho".

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