NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg bei einem ARD-Interview

Interview mit NATO-Generalsekretär Stoltenberg "Die Deutschen tun das Richtige"

Stand: 11.12.2015 21:38 Uhr

Sie werfen keine Bomben, sind aber trotzdem wichtig. Das sagt Nato-Generalsekretär Stoltenberg über die deutschen Tornados, die ab Januar über Syrien fliegen sollen. Im Kampf gegen die Terrormiliz IS reichten militärische Mittel aber nicht aus.

Von Kai Küstner, NDR-Hörfunkstudio Brüssel

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat im Interview mit dem ARD-Hörfunk die Verlegung von deutschen Tornado-Flugzeugen in die Türkei begrüßt. Die Jets sollen in Syrien durch Luft-Aufklärung beim Kampf gegen den "Islamischen Staat" helfen.

Gefragt danach, ob die mit Kameras ausgestatteten deutschen Aufklärungs-Tornados überhaupt mehr als einen symbolischen Beitrag im Kampf gegen die Terror-Milizen in Syrien leisten könnten, antwortete Stoltenberg: "Da verlasse ich mich auf unsere Kommandeure. Und die sagen uns, dass die Flugzeuge auch nützlich sind, wenn sie keine Bomben abwerfen, sondern Informationen liefern."

"Was die Deutschen tun, ist richtig", sagt der NATO-Generalsekretär. Im selben Atemzug äußert er allerdings auch Verständnis für die kontroverse Diskussion in Deutschland: "Ich kann gleichzeitig gut verstehen, dass dies eine schwierige Entscheidung ist. Weil wir uns alle darüber einig sind, dass der militärische Weg nur einer von vielen ist, um den "Islamischen Staat" zu bekämpfen."

Militäraktionen sind nur ein Teil des Kampfes gegen die Extremisten

Im Interview mit dem WDR-NDR-Hörfunk-Studio Brüssel erklärte Stoltenberg, man benötige dafür auch diplomatische, politische und wirtschaftliche Mittel. Unter anderem, um die Geldquellen der Milizen zum Versiegen zu bringen.

Stoltenberg warb gleichzeitig für einen stärkeren direkten Dialog mit Moskau. Derzeit bemüht sich das Bündnis um die Wiederbelebung des wegen der Ukraine-Krise stillgelegten NATO-Russland-Rats, wie Stoltenberg bestätigte. Ein Datum steht noch nicht fest. Bei dem Treffen könne dann aber unter anderem das wichtige Thema Ukraine angeschnitten werden, so der Generalsekretär.

NATO-Generalsekretär Stoltenberg wird von ARD-Korrespondent Küstner interviewt
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Stoltenberg fordert Russland auf, sich in Syrien auf den Kampf gegen die Terrorristen des IS zu beschränken und nicht Machthaber Assad zu helfen.

Wir wollen sehen, dass sich Russland in der Ukraine-Krise bewegt

Auch wenn die NATO wieder stärker das Gespräch suchen will - Stoltenberg sprach sich gleichzeitig dafür aus, die EU-Wirtschafts-Sanktionen gegen Moskau zu verlängern. "Solange Russland sein Verhalten nicht ändert, unterstütze ich die Sanktionen aus vollem Herzen.", erklärte Stoltenberg mit Blick auf die Ukraine-Krise. Die EU will in diesen Tagen verkünden, ob sie die Strafmaßnahmen gegen Moskau, die Ende Januar auslaufen würden, verlängert.

alt NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg | Bildquelle: dpa

Zur Person

Jens Stoltenberg, geboren 1959 in Norwegens Hauptstadt Oslo, steht seit Oktober 2014 an der Spitze der NATO. Bevor er ihr Generalsekretär wurde war der Sozialdemokrat zweimal norwegischer Ministerpräsident, zuletzt von 2005 bis 2013. In diese Zeit fielen auch die Attentate des Anders Breivik in Oslo und auf der Insel Utöya.
An der Spitze des Verteidigungsbündnisses agiert er gemäßigter als sein Vorgänger Rasmussen, will aber auch nicht als "Friedenstaube" gelten. Mit Blick nach Moskau sagt er: "Nur eine starke NATO kann eine vernünftige Beziehung zu Russland aufbauen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Dezember 2015 um 20:00 Uhr.

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