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Eineinhalb Wochen nach dem Störfall im Atomkraftwerk Tricastin hat es eine neue Panne in einer französischen Atomanlage gegeben. In einer Brennstäbefabrik in Romans-sur-Isère trat uranhaltige Flüssigkeit aus. Wieder gab die Atomaufsicht Entwarnung. Doch die Bevölkerung wird unruhig.
Vom Angela Ulrich, ARD-Hörfunkstudio Paris
Es ist diese neue Panne, die das Fass zum Überlaufen bringt. Schon wieder ist Radioaktivität in einem Kraftwerk des französischen Atomstromriesen Areva entwichen, diesmal aus Rohrleitungen in einer Brennstäbefabrik bei Grenoble. Und schon wieder heißt es kurz nach dem Unglück: kein Problem, keine Gefahr für Umwelt und Menschen.
"Alle unsere Umweltmessungen zeigen, dass die Verunreinigung nicht zunimmt", sagt Jean-Pierre Gros von Areva. "Sie rangiert im Mikrogrammbereich pro Liter. Die Kanalisation wurde gesichert und der Betrieb der Leitungen gestoppt."
[Bildunterschrift: Das leckende Rohr in der Brennstäbefabrik in Romans-sur-Isère war offenbar schon lange beschädigt. ]
Die Atomaufsicht erfuhr gestern Abend vom neuerlichen Störfall. Sie hat die defekten Leitungen die Nacht über kontrolliert. Das Fazit: Sie sind marode, entsprechen nicht den Sicherheitsanforderungen und waren außerdem offenbar schon seit Jahren beschädigt. Rein zufällig sei das jetzt bei Bauarbeiten ans Licht gekommen.
Dennoch stuft die Atomkontrolle den Vorfall - wie den der vergangenen Woche - als "leicht" ein: "Es ist zu Uranverschmutzungen gekommen, aber begrenzt im technischen Bereich der Anlage. Es ist nichts nach außen gedrungen", so Charles-Antoine Louet von der Atomaufsicht.
Doch die Unruhe in Frankreich wächst. In Tricastin bei Avignon, dort, wo vor eineinhalb Wochen uranhaltige Flüssigkeit in Gewässer lief, sind die Anwohner wütend und besorgt. Die Landwirtin Sylvie Eymard aus dem Nachbarort Bollène zum Beispiel. Sie darf seit dem Atomleck kein Wasser mehr aus ihrem Brunnen schöpfen. Zum ersten Mal wird rundum kontrolliert, sagt sie. Doch es passiere viel zu spät: "Dieser Brunnen ist seit 20 Jahren in Betrieb. Es gab immer wieder Analysen, aber noch nie chemische. Vielleicht vergifte ich mich schon seit 20 Jahren!"
Kurz nach dem Uranunfall von Tricastin sprach der französische Umweltminister noch von beruhigenden Messungen. Inzwischen lässt Jean-Louis Borloo das Grundwasser rund um die Atomkraftwerke Frankreichs kontrollieren und will vor allem eines: Transparenz und Information. "Ich will alles verstehen und den Franzosen versichern können, dass der kleinste Vorfall - und solche wird es immer wieder geben - ihnen sofort mitgeteilt wird. Dass sofort Experten kommen und dass das Folgen haben wird. Vielleicht müssen wir gemeinsam mit der Atomsicherheit auch unsere Kontrollen verschärfen."
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Der Atomriese Areva übte erstmals Selbstkritik am Krisenmanagement. Der Betriebsleiter der Tochterfirma Socatri in Tricastin musste gehen. Areva-Chefin Anne Lauvergeon ist nach Tricastin gekommen. Dort gibt es noch immer keine Erklärung für erhöhte Uranwerte im Grundwasser mehrere Kilometer vom Kraftwerk entfernt. Experten gehen davon aus, dass schon früher Uran entwichen ist. Suspekt ist auch ein grasbewachsener Hügel auf dem Firmengelände. Dort lagern seit den 70er Jahren Tausende Kubikmeter nukleare und chemische Militärabfälle - gegen jede Vorschrift.
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