Karte: Schweden

Festnahmen in Stockholm Maskierte machen Jagd auf Flüchtlinge

Stand: 01.02.2016 13:50 Uhr

In der schwedischen Hauptstadt Stockholm hat eine Gruppe von Maskierten in der Nacht zu Samstag offenbar gezielt Jagd auf Flüchtlinge gemacht. Zudem sollen sie auf Flugblättern zu Gewalt gegen Einwanderer aufgerufen haben. Die Polizei nahm vier Männer fest.

Mehrere dutzend maskierte Männer haben in Schwedens Hauptstadt Stockholm offenbar geplant, gezielt Jagd auf Ausländer zu machen. Nach dem Bericht von Passanten soll es in der Nacht zu Samstag auch zu tätlichen Übergriffen gekommen sein. "Als ich vorbeikam, sah ich eine Gruppe von Maskierten und schwarz Gekleideten, die auf Ausländer einschlugen", zitiert die Tageszeitung "Aftonbladet" einen Augenzeugen.

Die Polizei erklärte allerdings gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, sie habe keine Kenntnis von Angriffen auf Flüchtlinge oder andere Migranten.

Auf Flugblättern und in sozialen Netzwerken sollen die Organisatoren des Treffens dazu aufgerufen haben, "Kindern aus den Straßen Nordafrikas ihre verdiente Strafe zu erteilen". Die Website "Nordfront", die zur Neonazi-Bewegung SMR gehört, sprach von Hunderten, die an dem Treffen teilgenommen hätten. Bestätigt wurde diese Zahl durch die Polizei aber bisher nicht. Zudem wurden in Presseberichten auch Zeugen zitiert, die die Männer der Fußball-Hooliganszene zuordneten.

Stockholmer Polizei war vorgewarnt

Die Einsatzkräfte waren vorab über das geplante Treffen von rechtsextremistischen Gruppen informiert worden. Deshalb war die Polizeipräsenz am Sergels Torg, einem großen Platz im Zentrum Stockholms, besonders groß. Er ist als Treffpunkt von Jugendlichen, Obdachlosen und jungen Einwanderern bekannt.

Die Einsatzkräfte nahmen vier Personen fest. Gegen die Festgenommenen wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Bildung einer gewalttätigen Vereinigung eingeleitet. Der Polizei lagen am Samstagabend aber keine Strafanzeigen vor.

Ermordung einer Flüchtlingshelferin möglicher Auslöser?

Möglicher Hintergrund für den Gewaltaufruf könnte der Mord an einer Helferin in einem Flüchtlingsheim nahe Göteborg sein. Die Frau war vor wenigen Tagen von einem minderjährigen Asylsuchenden erstochen worden. Gemessen an der Einwohnerzahl hat kein EU-Staat mehr Flüchtlinge und Hilfesuchende aufgenommen als Schweden. Allein im vergangenen Jahr registrierte das skandinavische Land mehr als 160.000 Asylbewerber.

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