Das Foto zeigt den Lkw, der in Stockholm in ein Kaufhaus in Stockholm gesteuert wurde | Bildquelle: REUTERS

Stockholm-Attentäter vor Gericht Trotz Geständnis viele Fragen

Stand: 13.02.2018 02:18 Uhr

Er hatte einen Lastwagen durch Stockholms Innenstadt gesteuert und dabei fünf Menschen getötet. Nun steht der mutmaßliche Attentäter vor Gericht. Trotz seines Geständnisses bleiben Fragen.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Die Ermittlungen sind nach fast einem Jahr abgeschlossen, die Anklageschrift umfasst mehr als 9000 Seiten. Dem zum Tatzeitpunkt 39-jährigen Usbeken Rachmat Akilow wird danach "Terrorismus" vorgeworden. Er hat bereits zugegeben, am 7. April vergangenen Jahres mit einem Lastwagen durch die belebte Haupteinkaufsstraße Drottninggatan gerast zu sein. Fünf Menschen waren ums Leben gekommen, 15 wurden teilweise schwer verletzt.

"Er wollte Schweden bestrafen wegen unserer Beteiligung an der weltweiten Koalition gegen die Terrormiliz 'Islamischer Staat'", erklärte Chefankläger Hans Ihrmann das Tatmotiv. "Und er wollte uns zwingen, diese Beteiligung zu beenden. Für das Attentat hat er sich dann einen symbolträchtigen Platz ausgesucht, um einen möglichst großen Effekt zu erzielen."

Abgesperrte Straßen in der Stockholmer Innenstadt | Bildquelle: AFP
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Nach dem Anschlag ließ die Polizei die Drottninggatan in der Stockholmer Innenstadtr absperren.

Täter hat gestanden

Akilow soll laut Staatsanwaltschaft kein Einzeltäter gewesen sein und den Anschlag genau vorbereitet haben: Die Amokfahrt mit einem gestohlenen Lkw, an deren Ende er auch noch, zum Glück vergeblich, versucht hatte, eine selbstgebastelte Bombe zu zünden.

"Wir können beweisen, dass er höchstwahrscheinlich ganz bewusst einen Freitag als Tag für den Anschlag gewählt hat. Er hat sich den Platz zuvor freitags angesehen. Das war für ihn wohl interessant, weil dort dann immer ganz besonders viele Leute auf der Straße sind."

Akilows Anwalt, Johann Eriksson, hat ab heute einen schweren Job. Denn sein Mandant hat bereits gestanden. "Ich kann ihnen mitteilen, dass Akilow zugibt, eine terroristische Straftat begangen zu haben", sagte er. "Auch fünffachen Mord, den Versuch einer terroristischen Straftat und dazu versuchten Mord in mehreren Fällen."

Gedenken in Stockholm nach dem Anschlag | Bildquelle: AFP
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In Stockholm versammelten sich nach dem Anschlag Tausende, um der Opfer zu gedenken.

Schweden seither verändert

Schweden hat sich seit diesem Anschlag verändert. Wann passiert wieder etwas? Das fragen sich viele, und sie wollen auch wissen, ob Akilows Amokfahrt hätte verhindert werden können. Der Vater des jüngsten Opfers, der elfjährigen Ebba, hat die Stadt Stockholm verklagt.

Sein Anwalt, Thomas Bodström, sagte im Fernsehen: "Er lebt nur noch dafür. Ebba war sein einziges Kind, seine Welt ist zerstört. Ein eventueller Schadensersatz soll in eine Stiftung fließen, mit der er anderen Kindern helfen will. Aber er will vor allem wissen, wer die Verantwortung dafür trägt, dass es möglich war, mit einem LKW durch das Zentrum von Stockholm zu fahren."

Der Prozess soll etwa drei Monate dauern. Akilow selbst soll in der kommenden Woche zur Tat befragt werden. Das Urteil, höchstwahrscheinlich "lebenslange Haft", wird bis zum Mittsommerfest in der zweiten Junihälfte erwartet.

Fünf Tote, viele Fragen: Mutmaßlicher Stockholm-Attentäter vor Gericht
Carsten Schmiester, ARD Stockholm
12.02.2018 22:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Februar 2018 um 05:20 Uhr.

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