Stiertreiben | Bildquelle: AFP

Stierkampfverbot auf Mallorca Ein Dorf will die Hatz nicht aufgeben

Stand: 23.11.2015 14:55 Uhr

Die balearische Regionalregierung will das letzte Stiertreiben in einer ihrer Gemeinden verbieten. Nach dem Willen von Tierschützern sollen die Menschen statt eines Stiers einen Plastikball durchs Dorf treiben. Das Dorf Fornalutx protestiert.

Von Oliver Neuroth, ARD-Hörfunkstudio Madrid

Einer der "spanischsten" Traditionen geht langsam die Luft aus: dem Stierkampf. Nach Katalonien und den Kanaren wollen auch Mallorca und die anderen balearischen Inseln das Spektakel verbieten. Darüber freuen sich natürlich die Stierkampfgegner, die sich am vergangenen Sonntag in Madrid zu einem Kongress getroffen haben. Ihr Motto: "La tortura no es cultura" - "Folter ist keine Kultur". Die Menschen in Fornalutx sehen das anders. Das kleine Dorf auf Mallorca veranstaltet als letzte balearische Gemeinde ein Stiertreiben, das nun auf der Kippe steht.

"Das ist mein Leben"

Für die meisten Bewohner von Fornalutx ist das Stiertreiben "correbou" Anfang September der Höhepunkt des Jahres. Die Gemeinde kauft einen Stier, an dessen Hörnern ein langes Seil befestigt wird. Daran ziehen die Menschen das Tier durch die engen Gassen des Dorfes, laufen vor und hinter ihm her. Anschließend wird der Stier getötet.

Keta Muñoz vom Festkomitee liebt dieses Spektakel. "Das ist mein Leben", sagt die Mittvierzigerin. Seit ihrer Kindheit mache sie beim Stiertreiben mit. Zunächst mit ihren Eltern, inzwischen mit ihren Freunden, wie sie sagt. "Ich habe alle Fan-T-Shirts zu dem Fest von 1989 bis heute und eine Sammlung aller Programmhefte", so Muñoz. Wie es aussieht, wird Ketas Kollektion nicht mehr wachsen. Denn die neue linke Regionalregierung der Balearen will neben den Stierkämpfen auch solche Stiertreiben verbieten.

15 Tote in diesem Jahr

Der Bürgermeister von Fornalutx, Antonio Aguiló, will das Fest erhalten. "Das ist eine uralte Tradition, die wir verteidigen wollen", sagt er. Seit 130 Jahren gibt es das Stiertreiben in dem Dorf. Damals haben die Bewohner einmal im Jahr zusammengelegt und gemeinsam einen Stier gekauft. Nach dem Treiben durchs Dorf wurde das Fleisch unter allen Spendern aufgeteilt. Für die meisten war es die einzige Möglichkeit im Jahr, Rindfleisch zu essen, deshalb wurde ein Fest daraus.

Guillermo Amengual, der sich für die Initiative "Mallorca sense sang" - "Mallorca ohne Blut" engagiert, findet das nicht mehr zeitgemäß. Es sei grausam, dem Stier Seile an die Hörner zu binden und ihn durchs Dorf zu hetzen, sagt Amengual. "Das sind Praktiken, die nicht zu einer zivilisierten Gesellschaft im 21. Jahrhundert passen. Der Stier leidet, das muss verboten werden." Guillermo verweist auch darauf, dass das Stiertreiben gefährlich für die Besucher sein könnte. Allein in diesem Jahr starben in Spanien 15 Menschen bei solchen Veranstaltungen, weil sie zum Beispiel von einem Stier überrannt oder von den Hörnern getroffen wurden.

Ball statt Stier?

Menschen rollen einen großen Plastikball durch eine Gasse (Foto: Oliver Neuroth)
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Tierschützer fordern, einen Stier durch einen großen Plastikball zu ersetzen. (Foto: Oliver Neuroth)

Die Tierschützer schlagen vor, den Stier zu ersetzen - durch einen großen Plastikball mit rund zwei Metern Durchmesser. Die Menschen sollen diesen Ball dann durch die Gassen rollen und hinter ihm herlaufen, statt einen Stier anzutreiben. Ein Dorffest mit diesem Riesenball mache viel mehr Spaß, so Amengual. Kinder könnten ohne Risiko mitmachen. "Das ist toll für Orte, die ein Stiertreiben eintauschen würden gegen eine Fiesta für alle."

Ist das auch eine Option für Fornalutx? Nicht für Bürgermeister Aguiló: "Nein, das ist unmöglich. Man würde unserem Fest den Sinn nehmen. Wir erinnern schließlich an die Zeit, in der die Dorfbewohner nur einmal im Jahr Fleisch bekamen." Und auch für Keta Muñoz vom Festkomitee ist ein Stierfest ohne Stier unvorstellbar. "Es geht hier um eines der wichtigsten Dinge des Dorfes. Für viele von uns um das Wichtigste", sagt sie.

Noch haben die Menschen in Fornalutx Zeit, Widerstand gegen das neue Gesetz zu leisten. Anfang des Jahres will das Parlament der Balearen entscheiden.

Widerstand gegen geplantes Stierkampfverbot
O. Neuroth, ARD Madrid
23.11.2015 14:39 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 23. November 2015 um 05:55 Uhr im Deutschlandfunk.

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