Neues Gesetz zum Stierkampf in Spanien Gütesiegel für ein blutiges Spektakel

Stand: 07.11.2013 16:06 Uhr

Viele junge Spanier interessieren sich nicht mehr für den Stierkampf. Um ihr Milliardengeschäft zu retten, sammelte die Branche Unterschriften für ein neues Gesetz. Nun wurde die umstrittene Tradition zu einem "immateriellen Kulturgut" erklärt.

Von Reinhard Spiegelhauer, ARD-Hörfunkstudio Madrid

Der Matador tritt in seiner gold- und silberdurchwirkten Lichtertracht in die Arena. Die stolz geschwellte Brust scheint die aufgestickten Pailletten fast vom hautengen Anzug sprengen zu wollen - und erst recht jetzt, nach der Abstimmung im spanischen Senat.

Stierkampf ist nicht nur Kultur, sondern auch Business

Vor ziemlich genau drei Jahren hatte es schon einmal einen Versuch gegeben, den Stierkampf zum schützenswerten Kulturgut zu erheben. Damals, noch zu Zeiten des sozialistischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero, scheiterte der Antrag.

Jetzt hat die konservative Volkspartei die Mehrheit in beiden Kammern des spanischen Parlamentes. Ihr Ziel: "Den Erhalt und die Förderung des Stierkampfes als kulturelles und materielles Erbe aller Spanier zu garantieren", bringt Juan Manuel Albeanda von der Volkspartei auf den Punkt, worum es geht.

Genauer: auf drei Punkte - wobei der Kulturaspekt die anderen vielleicht ein bisschen bemänteln soll. Stierkampf ist nämlich nicht zuletzt Business. Die Branche rechnet vor, sie trage eineinhalb Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Alleine die Zuchtbetriebe machen um die 1,5 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr - aber seit Jahren klagt die Industrie über Einbußen.

Der spanische Matador Manuel Jesus Perez Mota beim Stierkampf in Saragossa | Bildquelle: dpa
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Der spanische Matador Manuel Jesus Perez Mota beim Stierkampf in Saragossa

Die Branche kämpft um ihre Zukunft

Junge Spanier interessieren sich mehr für Fußball oder Motorsport, und auch von Tierquälerei ist gelegentlich die Rede: Die "Fiesta" sei ein grausames Spektakel, meinen einige, und ein Tier zur Unterhaltung leiden zu lassen grässlich - noch dazu aus Steuergeldern finanziert.

Keine Überraschung also, dass die Entscheidung, den Stierkampf jetzt gesetzlich zum schützenswerten Kulturgut zu erklären, letztlich auf eine Initiative der Branche zurück geht. Sie hatte sich mächtig ins Zeug gelegt und 600.000 Unterschriften für ein Volksbegehren gesammelt, das jetzt Früchte tragen könnte: Zum schützenswerten Kulturgut erklärt, das könnte ein werbewirksames Gütesiegel sein, so hofft man - und natürlich auch, dass die Kritik an Subventionen für die Kampfstierzüchter verstummt.

Keine Rücksicht auf katalonische Befindlichkeiten

"Den Erhalt und die Förderung des Stierkampfes als kulturelles und materielles Erbe aller Spanier zu garantieren" - auch das ist für Albeanda und die Regierung ein wichtiger Punkt: Katalonien, die möchtegern abtrünnige Wirtschaftsregion im Nordosten, der alles vermeintlich urspanische verhasst ist, hat den Stierkampf schon vor knapp zwei Jahren verboten.

Das stank den Konservativen in Madrid schon damals. Jetzt, so behaupten sie, dürften sich Stierkampf-Anhänger auch dort wieder auf Corridas freuen, das Verbot sei hinfällig. Alfred Bosch von der ERC, die in Katalonien mitregiert, ist empört: "Stierkampf ist einfach eine Grausamkeit, und das wissen sie."

Natürlich haben die katalanischen Regionalparteien in Madrid auch dagegen gestimmt, die Corrida zum schützenswerten Kulturgut zu erklären. Ihre Empörung wirkt allerdings schon etwas scheinheilig. Denn Katalonien hat zwar den blutigen Stierkampf verboten. Auf den Dörfern werden aber lustig weiter andere grausame Spektakel betrieben, bei denen zum Beispiel verängstigte Stiere Fackeln an die Hörner gebunden bekommen, oder durchs Dorf ins Hafenbecken getrieben werden.

Sozialisten zwischen Tradition und Tierschutz

Die größte Oppositionsfraktion, die der Sozialisten, hat sich bei der Abstimmung um ein Votum gedrückt und sich enthalten. Der innerparteiliche Kampf "Tradition versus Tierquälerei" wird noch ausgetragen.

Da greift der Abgeordnete Jose Andreas Torres eben auch auf den schwelenden Konflikt zwischen der Region Katalonien und dem Rest Spaniens zurück, um die Enthaltung seiner Partei zu erklären: "Das Gesetz zwingt Katalonien nicht dazu, Stierkämpfe zu veranstalten", sagt Jose Andres Torres, und wirft der regierenden Volkspartei vor, nur unnötig Öl ins Feuer zu gießen.

Die Sozialisten dagegen, so der Abgeordnete, hielten sich an das Motto "Leben und leben lassen". Für Kampfstiere allerdings gilt es nach wie vor nicht.

Dieser Beitrag lief am 07. November 2013 um 12:45 Uhr im Deutschlandfunk.

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