Stierhatz in Pamplona, Spanien | Bildquelle: AFP

Fiesta in Pamplona Spaniens umstrittenste Stierhatz

Stand: 07.07.2017 12:39 Uhr

Eine Woche lang werden Stiere durch die Altstadt von Pamplona gehetzt. Schon am ersten Tag sind drei Menschen verletzt worden. Das ist nicht das Einzige, was für Kontroversen sorgt.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Die knapp einen Kilometer lange Strecke durch die Altstadt ist der Weg für die sechs Kampfstiere in die Arena von Pamplona. Jeden Morgen um acht Uhr werden sie über Kopfsteinpflaster getrieben, rutschen immer wieder aus.

Immer wieder gibt es dabei Verletzte, so auch schon in diesem Jahr am ersten Tag. Denn Tausende Besucher in weißen Hemden, weißen Hosen und roten Halstüchern sehen einen Kick darin, als Mutprobe ein paar Meter mit den Stieren zu laufen.

Waghalsige Läufer legen eine Strecke mit den Stieren zurück - und werden dabei oft verletzt.
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Waghalsige Läufer legen eine Strecke mit den Stieren zurück - und werden dabei oft verletzt.

Vergangenes Jahr: Massive Beschwerden gegen "Grapscher"

1,5 Millionen Besucher werden insgesamt erwartet. Sie drängen sich durch die Gassen der Stadt, die nur 200.000 Einwohner hat. Dabei kommt es oft vor, dass die Hände vieler Männer nicht dort blieben, wo sie sollten: Frauen beklagen sich immer wieder über sexuelle Übergriffe - im vergangenen Jahr gingen so viele Beschwerden ein wie noch nie.

Die Stadt reagiert: Sie hat Infostände aufgebaut, verteilt Flyer, überwacht die Straßen mit Kameras und rät Frauen, die sich belästigt fühlen, laut "Feuer" zu rufen, um andere Besucher auf sich aufmerksam zu machen. "Ich denke und hoffe, dass dieser hässliche Teil von Sanferines der Vergangenheit angehört und dass die vielen Besucher nun besser als bisher die Rechte von Frauen beachten", so Stadtsprecherin Lucinda Poole.

Tierschützer gehen auf die Barrikaden

Und was ist mit den Rechten der Stiere? Diese Frage stellen Tierschützer. Etwa 100 von ihnen malten sich im Vorfeld der Feierlichkeiten blutrot an und stellten sich vor das Rathaus von Pamplona. Sie hielten Schilder hoch mit Sätzen wie "Stiere sterben in Pamplona einen blutigen Tod". Der Tierschutzverband "tortura no es cultura" ("Folter ist keine Kultur") kritisiert, ein Fest wie Sanfermines passe nicht ins 21. Jahrhundert.

Demonstranten gegen Stierhatz in Pamplona | Bildquelle: AP
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Demonstration gegen das Stiertreiben in Pamplona

Stiere seien es nicht gewohnt, schnell zu laufen, sagt Tierschützerin Ana Esteban. "Ihre Körper sind nicht darauf ausgelegt, sie leiden darunter sehr. Sie sind danach müde, erschöpft und müssen abends dann völlig kaputt zum Stierkampf antreten, wo ihnen zusätzlich große Schmerzen zugefügt und sie schließlich getötet werden."

Tradition reicht bis 1591 zurück

Die Organisatoren von Sanfermines weisen darauf hin, dass die Stierhatz und der Stierkampf nur Teile der Festlichkeiten sind, deren Tradition bis ins Jahr 1591 zurückreicht. Die Stadt plant insgesamt 425 Veranstaltungen, vor allem Konzerte, Tänze und Umzüge mit riesigen Pappmaché-Figuren.

Das sei ein sehr schönes Fest: "Ob man die Stierhatz mag oder nicht - hier wird 24 Stunden am Tag gefeiert", sagt Stadtführer José Aldunate. Es fließe viel Alkohol, aber darauf komme es nicht nur an. "Hier haben alle Freude: Du triffst 20-Jährige, die mit ihren 80-jährigen Großeltern unterwegs sind und zusammen feiern", so Aldunate.

Spaniens umstrittenste Stierhatz beginnt: Sanfermines in Pamplona
O. Neuroth, ARD Madrid
07.07.2017 10:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Juli 2017 um 05:36 Uhr.

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