Lkw passieren eine Zollstelle an der Grenze zwischen Mexiko und den USA (Archiv) | Bildquelle: dpa

Freihandel Was ist NAFTA?

Stand: 16.08.2017 05:48 Uhr

Seit 1994 gibt es das Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA, das jetzt generalüberholt werden soll. Auf mehr als 300 Seiten regelt es bislang den Handel zwischen den USA, Mexiko und Kanada. Was sind die wesentlichen Punkte?

Seit 23 Jahren sind die USA, Mexiko und Kanada über das Freihandelsabkommen NAFTA verbunden. In den USA setzte es der demokratische Präsident Bill Clinton in Kraft. Begonnen wurden die Verhandlungen aber schon unter dem Republikaner Ronald Reagan.

Das Abkommen besteht aus 22 Kapiteln auf über 300 Seiten. Bis 2008 beseitigte es schrittweise fast alle Zölle zwischen den Ländern. Außerdem wurden Verfahren eingeführt, um auch andere Handelsbarrieren abzuschaffen oder anzugleichen - etwa Vorschriften und Standards.

Der Binnenmarkt umfasst 444 Millionen Menschen und verfügt über eine gemeinsame Wirtschaftsleistung von rund 17 Billionen US-Dollar (14,4 Bio Euro). Infolge von NAFTA ist die Wirtschaft in den drei Ländern eng zusammengewachsen - seit dem Abschluss des Vertrags hat sich der Handel zwischen den drei Teilnehmern vervierfacht. Zwischen den USA und Kanada ist die Handelsbilanz nahezu ausgeglichen. Dagegen exportiert Mexiko viel mehr Waren in die USA als andersherum.

Autoindustrie als Hauptprofiteur

Allerdings haben nicht alle Branchen im gleichen Maße von NAFTA profitiert. Die Autoindustrie nutzt das Abkommen ganz besonders: Bauteile werden zwischen Werken in den drei Ländern hin und her geschickt, die Industrie gilt als hoch vernetzt. Dagegen beklagen mexikanische Kleinbauern sowie US-Industriegewerkschaften empfindliche Arbeitsplatzverluste durch die verschärfte Konkurrenz.

US-Präsident Donald Trump ist vor allem das Handelsdefizit der Vereinigten Staaten gegenüber Mexiko ein Dorn im Auge. Nach Einschätzung des Wilson Centers hängen in den USA sechs Millionen Arbeitsplätze vom Handel mit Mexiko ab.

Trumps Ausstiegs-Drohung

Darüber, dass NAFTA überholt werden müsste, sind sich die Länder schon länger einig. Mexiko, die USA und Kanada waren Teil des Handelsabkommens TPP, das 12 Staaten rund um den Pazifik verhandelt hatten. TPP hätte NAFTA mehr oder weniger abgelöst und viele Defizite beseitigt. Allerdings hatte Trump gegen TPP Wahlkampf gemacht und die USA aus den Verhandlungen abgemeldet - darum wird jetzt wieder über NAFTA verhandelt.

Für den Fall, dass die Neuverhandlungen scheitern sollten, kündigte Trump bereits an, aus NAFTA auszusteigen. In diesem Fall würden für die Zölle die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) gelten. Nach dem sogenannten Meistbegünstigtengrundsatz liegen sie für die meisten Produkte bei 3,5 Prozent.

Mit Informationen von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. August 2017 um 04:55 Uhr.

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