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Weiterer Vortrag bei Privatbank
Steinbrück lässt das Reden nicht
Für die SPD kommt die Nachricht zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Steinbrück hält erneut einen bezahlten Vortrag bei einer Privatbank - drei Tage vor seiner offiziellen Kür zum Kanzlerkandidaten. Die SPD-Spitze ist wenig amused, ärgert sich aber nicht öffentlich. Steinbrücks Sprecher versteht die Aufregung nicht.
Von Kerstin Lohse, RBB, ARD-Hauptstadtstudio
Eigentlich hat Andrea Nahles momentan ganz andere Sorgen. Die SPD-Generalsekretärin arbeitet an der Parteitags-Choreographie für Sonntag. Hannover soll die Krönungsmesse werden für Peer Steinbrück, den nicht von allen geliebten Kanzlerkandidaten der SPD. Sogar Altkanzler Helmut Schmidt wird anreisen, um seinem Schachpartner erneut das Vertrauen auszusprechen.
Blick nach vorn - trotzdem
Nach dem Fehlstart der vergangenen Wochen hat die Generalsekretärin keinen leichten Job. Als sie heute Berliner Journalisten über den Verlauf des Parteitags informierte, wollte sie dennoch nach vorne blicken. Der Sonderparteitag sei "darauf angelegt, dass Peer Steinbrück in der Mitte des Raumes auch ganz klar in der Mitte der Partei, in der Mitte Deutschlands stehe", erklärte Nahles. Sie glaube, dass das "ein sehr emotionaler Parteitag" werde.
Emotional könnte es auch deshalb zugehen, weil Steinbrück sein engstes Umfeld im Unklaren darüber ließ, wo er den Donnerstagabend verbringt. Nahles hatte er gesagt, er ziehe sich dieser Tage etwas zurück, um an seiner Rede für Hannover zu feilen. Wie der SWR inzwischen erfuhr, hält Steinbrück jedoch wenige Tage vor seiner Nominierung auf einer Verkaufsveranstaltung der Privatbank Sarasin in Frankfurt die Dinnerspeech.
Spärlicher Informationsfluss
Zugegeben: Als Steinbrück am 30. Oktober seine Nebeneinkünfte aus Vortragshonoraren offen legte, hatte er eingeräumt, er werde wohl noch zwei Vorträge halten. "Das geht zurück, dass Verträge abgeschlossen worden sind, die mit einer Konventionalstrafe bewährt sind, wenn ich diesen Verträgen nicht entspreche", erklärte Steinbrück damals. Um welche Vorträge, um welche Auftraggeber und um welche Honorare es sich dabei handelt, hatte Steinbrück damals allerdings nicht gesagt. Und diese Information hat er auch seitdem nicht nachgereicht.
Steinbrück will erneut Vortrag vor Bank halten
K. Lohse, ARD Berlin
04.12.2012 19:25 Uhr
Konventionalstrafe hin oder her: Beobachter fragen sich, ob Steinbrück, der in den vergangenen drei Jahren mit rund 80 bezahlten Redeauftritten mehr als eine Million Euro verdient hat, es sich nicht hätte leisten müssen, die Strafen zu bezahlen, statt neues Öl ins Feuer zu gießen. Gerade war die Debatte um seine Nebeneinkünfte etwas abgeebbt, muss er sich nun neue Fragen gefallen lassen. Beantworten will er sie jetzt allerdings nicht. Weder er, noch Parteichef Gabriel oder Generalsekretärin Nahles wollten die neuesten Meldungen kommentieren.
Fehlende Sensibilität?
Die Vereinbarung für den Auftritt stamme noch aus Steinbrücks Vor-Kandidatenzeit, sagte Steinbrücks Sprecher, Michael Donnermeyer. Das Honorar in Höhe von 15.000 Euro werde gespendet.
Doch das dürfte nur eine Nebenrolle spielen. Der Kanzlerkandidat hat mit seinem Vorgehen fehlende Sensibilität erkennen lassen, gegenüber der Parteibasis, ebenso wie gegenüber der obersten Parteiführung, die er kurz vor dem Parteitag ziemlich blöd aussehen ließ.
Stand: 04.12.2012 20:51 Uhr
