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Steinbrück vor der Wahl zum Kanzlerkandidaten
Unterm Strich ein Fehlstart
Nein, bei der SPD und Steinbrück lief es nicht rund in den vergangenen Wochen. Da war viel Sand im Getriebe. Doch mit den negativen Schlagzeilen soll nun Schluss sein. Jetzt ist Kanzlerkandidaten-Krönungsmesse, dann ist Wahlkampf. Dennoch: Die ersten beiden Monate Steinbrücks als designierter Kanzlerkandidat sind vermasselt.
Von Nicholas Buschschlüter, HR, ARD-Hauptstadtstudio
"Unterm Strich" - so heißt Peer Steinbrücks Buch aus dem Jahr 2010. Darin zieht er Bilanz seiner Zeit als Krisenmanager im Bundesfinanzministerium. Für diese Zeit wurde er meist gelobt. Seine ersten beiden Monate als designierter SPD-Kanzlerkandidat sind dagegen - unterm Strich - so ziemlich in die Hose gegangen.
Holperstart
Es ging schon holprig und viel früher als geplant los, als SPD-Fraktionschef Steinmeier Ende September auf die Kanzlerkandidatur verzichtete. Plötzlich war die K-Frage entschieden und die anfangs von der Troika bevorzugte Dramaturgie - Warten aufs neue Jahr, um den Kandidaten nicht unnötig zu verbrennen - über den Haufen geworfen.
"Wir wollen diese Bundesregierung ablösen. Es ist erkennbar, dass diese Bundesregierung in einem Jahr nicht wieder bestätigt wird. Aber wir wollen nicht nur, dass sie teilweise ersetzt wird, sondern wir wollen, dass sie durch eine rot-grüne Regierung ersetzt wird", sagte Steinbrück und betonte zugleich, er befinde sich noch nicht im Wahlkampfmodus. Das Trommelfeuer gegen ihn begann aber sofort. Politiker aller Parteien forderten ihn zur Offenlegung seiner Nebenverdienste auf. Auch die SPD-Linke legte Steinbrück angesichts dutzender Vorträge bei Banken und Versicherungen Transparenz nahe.
Unterm Strich ein Fehlstart - Steinbrück vor Krönungsmesse
N. Buschschlüter, ARD Berlin
08.12.2012 18:18 Uhr
Voll auf Angriff
Nach anfänglichem Zögern schaltete Steinbrück voll auf Angriff und legte eine lange Liste von Honoraren für Redeauftritte vor. Gesamtsumme: 1,25 Millionen Euro. Nun sei es an der Gegenseite das Gleiche zu tun, so Steinbrück: "Ich sage Ihnen ganz offen: Nachdem einige den Eindruck gehabt haben oder die Möglichkeit suchten, mir einen Stein an den Kopf zu werfen mit Blick auf eine mangelnde Transparenz, trage ich jetzt gerne dazu bei, dass aus diesem Stein ein Bumerang wird, der an Ihren eigenen Kopf zurückfliegt." Diese Hoffnung erfüllte sich jedoch nicht. Die SPD-Transparenzoffensive zerschellte weitestgehend am Widerstand der Koalition.
Auch im direkten Duell mit der Kanzlerin fällt es Steinbrück schwer, zu punkten. Da seine Partei am Ende doch immer allen Euro-Rettungspaketen zustimmt, bleiben dem Herausforderer oft nur mahnende Worte: "Die Zeit des Lavierens, Abwartens und auch der Scheibchendiplomatie ist allerdings vorbei. Machen sie sich selbst ehrlich und endlich eine klare Ansage. Die Finanzlücke Griechenlands ist ohne Inanspruchnahme des deutschen Steuerzahlers nicht zu schließen."
Beinfreiheit und Rückschläge
Immerhin bekommt Steinbrück von der eigenen Partei die Beinfreiheit, die er selbst zu Beginn eingefordert hatte. Die SPD-Linke stimmte einer Verschiebung der Entscheidung zur Beibehaltung des Rentenniveaus bei 50 Prozent auf 2020 zu. Damit kann auch Steinbrück gut leben.
Zurückgeworfen wurde er jedoch einmal mehr von der Diskussion um ein üppiges Redehonorar von den Stadtwerken Bochum, vom Abschied seines Internet-Beraters, der, wie sich herausstellte, früher für Hedgefonds arbeitete und von einem Beinahe-Rede-Auftritt bei der Schweizer Bank Sarasin in Frankfurt nur drei Tage vor der Krönungsmesse in Hannover. Erst als bekannt wurde, dass gegen diese Bank staatsanwaltliche Ermittlungen laufen, sagte Steinbrück seinen Vortrag dort wieder ab.
Anders aufzutreten, die Strategie zu ändern, ist für den 65-Jährigen aber weiterhin kein Thema. Eine politische Geschlechtsumwandlung käme für ihn nicht in Frage, sagte Steinbrück zu Journalisten, denen er im übrigen genauso Dünnhäutigkeit und ein Glaskinn vorwarf: "Ich habe nicht die Absicht, einen Neustart zu machen. Ich habe zu dem, was zu den Honoraren zu sagen war, alles gesagt. Ich habe alles transparent gemacht - mehr als alle anderen Bundestagsabgeordneten. Ich rechtfertige mich nicht weiter. Ich habe einen Fehler gemacht mit Bochum und das ist es."
Stand: 08.12.2012 18:19 Uhr
