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Die Talfahrt an den internationalen Börsen bietet überraschende Möglichkeiten. Kolumbiens Kaffeebauern wollen den niedrigen Aktienkurs nutzen und die weltgrößte Kaffeehauskette Starbucks kaufen. Das Ziel: mehr Kontrolle für die Herstellerländer.
Von Gottfried Stein, ARD-Hörfunkstudio Südamerika
[Bildunterschrift: Zweieinhalb Millionen Menschen in Kolumbien leben direkt oder indirekt vom Kaffeeanbau. ]
Eine Finca in Caldas, einem der großen Kaffeeanbaugebiete Kolumbiens. Hier baut Jose Montoya mit seiner Familie Kaffee an. Fünf Hektar bewirtschaftet er in mühsamer Arbeit: In der malerisch schönen Hügellandschaft wachsen die Kaffeesträucher den Hang hinauf. Jede Frucht wird von Hand gepflückt. Doch die Gewinne reichten nicht aus, sagt Montoya. "Wir müssen sehr hart arbeiten, und es hängt sehr vom Einsatz des Einzelnen ab." Doch er uns seine Familie müssten Gott dankbar sein, die Finca halten zu können.
Kolumbien ist nach Brasilien der zweitgrößte Kaffeeexporteur der Welt. Rund zweieinhalb Millionen Menschen leben direkt oder indirekt vom Kaffee, und sie sind Krisen gewohnt. Vor allem die Billigkonkurrenz aus Asien macht dem hochwertigen Cafe Colombia zu schaffen.
[Bildunterschrift: Starbucks hat infolge der Finanzmarktkrise bereits zahlreiche Filialen geschlossen. ]
Aber in diesen Zeiten der globalen Krise will Gabriel Silva, Geschäftsführer der nationalen Vereinigung der Kaffeeproduzenten, die weltgrößte Kaffeehauskette Starbucks aufkaufen. "Die Starbucks-Aktie fiel von 45 Dollar auf circa acht Dollar. Das bedeutet eine Gelegenheit für die Herstellerländer, zu investieren und eine Kontrollfunktion zu übernehmen, um die Herkunftsmärkte und die Kaffeebauern zu schützen", sagt Silva. "Das ist eine Gelegenheit, die wir der Krise verdanken, deshalb sollten wir die Möglichkeiten der Krise nutzen - und im Kaffeegeschäft gibt es sie."
Der Kaffeeriese Starbucks durchlebt schwere Zeiten. Die Aktie ist im Keller, die Umsätze gehen dramatisch zurück, allein in den USA wurden Hunderte der weltweit 16.700 Filialen geschlossen. Nach Jahren rasanter Expansion schrammt das US-Unternehmen nur knapp an roten Zahlen vorbei. Silva schätzt, mit 200 bis 300 Millionen Dollar könne man genügend Anteile aufkaufen, um den Branchenriesen zu kontrollieren.
Das Geld sei vorhanden, weil sich die kolumbianische Kaffeekrise in Grenzen halte. "Der Kaffeepreis ist zweifellos gesunken, aber nicht so stark wie zum Beispiels 2002 oder 2003", sagt Silva. "Wir sind weit entfernt von den schlimmsten Krisen, die wir Kaffeebauern erlebt haben, obwohl diese internationale Wirtschaftskrise sehr schlimm ist."
[Bildunterschrift: Kolumbiens Kaffeeverband gehört bereits die Kette "Juan Valdez Café". ]
Die Kolumbianer sind der Rolle des reinen Rohstofflieferanten längst entwachsen. Dem Kaffeeverband gehört die Kaffeehauskette "Juan Valdez", deren Chef Silva ebenfalls ist. Die Kette besitzt bereits 170 Kaffeehäuser in fünf Ländern. Bis Ende des Jahrzehnts sind 300 Filialen weltweit geplant. Weltmarktführer Starbucks galt bisher als großes Vorbild und gleichzeitig auch als einer der größten Abnehmer kolumbianischen Kaffees. Setzt Silva seine Kaufpläne durch, wird der Krösus seine stärkste Konkurrenz im eigenen Haus großziehen.
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