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29.05.2012

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Ausland
Stammzellen-Analyse im Labor
USA: Menschenversuch mit embryonalen Stammzellen gestoppt
US-Firma steigt aus embryonaler Stammzell-Studie aus

Weltweit erster Menschenversuch gestoppt

Es war eine sensationelle Weltpremiere im Oktober 2010 am Shepherd Hospital für Rückenmarks- und Hirnverletzungen in Atlanta: Ein damals 21-jähriger Querschnittsgelähmter hatte sich in sein Rückenmark Millionen von Zellen spritzen lassen, die aus embryonalen Stammzellen gewonnen worden waren. Nun versetzte das Unternehmen die Welt abermals in Staunen: Es erklärte den Ausstieg aus der laufenden Studie und generell aus dem Stammzellgeschäft.

Von Silke Hasselmann, MDR-Hörfunkstudio Washington

Die embryonale Stammzellforschung ist seit je in den USA stark umstritten. Gegner sehen nun ihre Zweifel bestätigt: "Die Entscheidung des Unternehmens legt nahe, dass dieser Forschungszweig nicht so verheißungsvoll ist, wie zuvor beschrieben", erklärte etwa der konservative Family Research Council. Befürworter hingegen zeigen sich "angeekelt" darüber, "dass die Firma zunächst die Hoffnung der Menschen geschürt hat und dann so etwas aus finanziellen Gründen tut." Weiter beklagte sich Daniel Heuman von der Christopher and Dana Reeve Foundation gegenüber der "Washington Post": "Sie behandeln uns Querschnittsgelähmte wie Laborratten." Was war geschehen?

Zehn Verletzte für die Studie

Sitz der Biotechnologie-Firma Geron Corporation in Kalifornien (Aufnahme vom 10. August 2001) (Foto: dapd) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Sitz der Biotechnologie-Firma Geron Corporation in Kalifornien (Aufnahme vom 10. August 2001) ]
Im Juli 2010 hatte die US-Zulassungsbehörde FDA dem Antrag der Geron Corporation zugestimmt, insgesamt zehn an der Wirbelsäule verletzte Patienten mit embryonalen Stammzellen behandeln zu dürfen. Der Grund: Geron konnte vielversprechende Testergebnisse mit Laborratten vorlegen. "Wenn die Ratten in den ersten Wochen nach einer Rückenmarksverletzung mit dieser Therapie behandelt wurden, verbesserte sich deren Bewegungsfähigkeit um ein Vielfaches gegenüber unbehandelten Ratten", so der Kabelsender FoxNews damals.

Die erste Testreihe sollte herausfinden, wie sicher diese Therapie für Menschen ist und ob auch sie die Injektion embryonaler Stammzellen tolerieren können. Erst später gehe es um die Wiederherstellung der Bewegungsfähigkeit bei Menschen.

Einzig bekanntes Ergebnis: Keine Unverträglichkeitsprobleme

Tatsächlich können sich aus Embryonen gewonnene Stammzellen zu allen möglichen Zellen und Organen entwickeln. In diesem Fall sollten sie jene zerstörten Nervenzellen ersetzen, die das Rückenmark umgeben und die zuständig sind für die Weiterleitung der elektrischen Impulse aus dem Gehirn.

Denn, so der Stammzellforscher Dr. Hans Keirstaed, der eng mit Geron zusammengearbeitet und die Versuchsmethodik entwickelt hatte, in einem Universitätsvideo: "Unterhalb der Verletzung sind alle motorischen und sensitiven Funktionen gestört oder verloren: Blasen-, Darm-, sexuelle Fähigkeiten. Die Betroffenen können sich kaum oder gar nicht mehr bewegen. Wenn wir auch nur irgendeinen Vorteil aus der von Geron geleiteten Testreihe erkennen können, dann wird unser Metier vor Freude in die Luft springen. Den betroffenen Patienten bietet das eine echte Behandlungschance, und für die Wirbelsäulen-Forschung stellt das einen Wendepunkt dar: Wir gehen von Ratten über zu Menschen."

Embryonale Stammzellforschung:

Embryonale Stammzellenforschung (Foto: picture alliance / dpa)
Animation Embryonale Stammzellforschung - was ist das? Eine Animation zur Erklärung. [flash]

Es gebe keine Unverträglichkeitsprobleme - das war das Einzige, was Geron in dem Jahr seitdem verlauten ließ. Der "San Francisco Cronicle" berichtete am 21. September 2011 von dem mittlerweile vierten Teilnehmer an dieser Testreihe.

Rückzug aus rein wirtschaftlichen Gründen?

Doch nun die Nachricht vom Rückzug, für den es rein wirtschaftliche Gründe gebe, so Vorstandschef John Scarlett in einer Pressemitteilung. Er zweifle nicht an der Verheißung der Stammzellen, doch es sei "für eine kleine, unprofitable Firma aus dem Bereich der Lebenswissenschaften derzeit extrem schwer, das nötige Kapital aufzutreiben."

Er wolle das Stammzell-Gebiet aufgeben und sich auf die Entwicklung von zwei Anti-Krebs-Mitteln konzentrieren, so Dr. Scarlett, der vor zwei Monaten an die Spitze von Geron gerückt war. Nun wird er 66 Mitarbeiter entlassen und andere Gentech-Firmen als Ersatz für die klinische Studie suchen. Notfalls werde Geron die Versuchsreihe mit den bisherigen vier Patienten bis zum Ende begleiten, aber keine neuen aufnehmen.

Audio: Erster klinischer Menschenversuch mit embryonalen Stammzellen gestoppt

AudioSilke Hasselmann, MDR-Hörfunkstudio Washington 16.11.2011 10:01 | 4'56
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"Keine Sicherheitsprobleme" als Erfolgsmeldung

Derweil hat die US-Zulassungsbehörde FDA einen zweiten Antrag für Menschenversuche mit embryonalen Stammzellen bewilligt. Im Juli spritzten Forscher der University of California in Los Angeles zwei Patienten je 50.000 Zellen in die Augen, wo sie sich zu einer funktionierenden Netzhaut entwickeln sollen. Zu dem Ergebnis dieses Therapieversuches hieß es bislang nur, es gebe keine Sicherheitsprobleme.  

Stand: 16.11.2011 11:33 Uhr
 

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