Srebrenica-Mahnmal | Bildquelle: REUTERS

Serbischer Regierungschef in Srebrenica Eine Geste der Aussöhnung

Stand: 08.07.2015 06:57 Uhr

Es ist ein Signal der Aussöhnung: Der serbische Regierungschef Vucic will an der Gedenkzeremonie zum 20. Jahrestag des Massakers in Srebrenica teilnehmen. 1995 hatten bosnisch-serbische Milizen in Srebrenica rund 8000 Muslime verschleppt und getötet.

Der serbische Regierungschef Vucic | Bildquelle: dpa
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Der serbische Regierungschef Vucic

Der serbische Ministerpräsident Alexander Vucic wird an der Gedenkzeremonie zum 20. Jahrestags des Massakers in Srebrenica in der bosnischen Stadt teilnehmen. "Es ist Zeit zu zeigen, dass wir bereit zur Aussöhnung sind, dass wir bereit sind, uns vor den Opfern zu verneigen", begründete der Regierungschef die Entscheidung.

Sein Land sei "in der Lage zuzugeben, dass einige Individuen Verbrechen begangenen haben". Diese Leute hätten Namen. "Wir verurteilen jedes einzelne dieser schrecklichen Verbrechen und werden jeden dieser Verbrecher verurteilen", ergänzte Vucic.

8000 Muslime ermordet

Am 11. Juli wird der 20. Jahrestag des Massakers begangen. 1995 waren im Bosnien-Krieg bosnisch-serbische Milizen in die damalige UN-Schutzzone Srebrenica einmarschiert und hatten an den leichtbewaffneten niederländischen UN-Blauhelmsoldaten vorbei rund 8000 Muslime - vorwiegend Männer und Jungen - verschleppt und getötet.

An der Gedenkzeremonie zum 10. Jahrestag des Srebrenica-Massakers hatte 2005 bereits Vucic' Vorgänger Boris Tadic teilgenommen. 2010 verurteilte das serbische Parlament das Massaker. Drei Jahre später entschuldigte sich der serbische Staatschef Tomislav Nikolic für die Bluttat.

Das Massaker von Srebrenica gilt als das schlimmste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg und wurde vom UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag als Völkermord eingestuft.

Führende bosnische Serben, auch Vucic, lehnen diese Bewertung jedoch ab. Laut einer kürzlich vorgenommenen Umfrage stehen 70 Prozent der Serben hinter dieser Haltung. Zugleich verurteilten 54 Prozent der Befragten das Massaker als Verbrechen.

UN-Sicherheitsrat ringt um Resolution

Seit gestern beschäftigt sich auch der UN-Sicherheitsrat in New York mit dem Verbrechen. Eine geplante Abstimmung über eine umstrittene Srebrenica-Resolution wurde allerdings vorerst verschoben. Über das von Großbritannien eingebrachte Papier, das das Massaker von 1995 als Völkermord bezeichnet, soll nun heute abgestimmt werden. Russland hatte zuvor sein Veto angekündigt.

"Die Vertagung soll so viel Einheit wie möglich für die Resolution bringen, und ich hoffe, wir werden das morgen sehen", sagte Neuseelands UN-Botschafter und derzeitiger Ratsvorsitzender Gerard van Bohemen.

Über dieses Thema berichtete das Europamagazin am 28. Juni 2015 um 12:45 Uhr.

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