Trumps Sprecher, Sean Spicer | Bildquelle: AFP

Nach Hitler-Vergleich Spicers Entschuldigungs-Marathon

Stand: 12.04.2017 16:44 Uhr

Es tut ihm leid - diesen Satz wiederholt Sean Spicer wieder und wieder. Schriftlich, im Fernsehen, bei öffentlichen Terminen. Doch so leicht wird Trumps Sprecher seinen Vergleich von Hitler mit Syriens Machthaber Assad nicht los. Denn die Kritik an ihm wird immer lauter.

Schon kurz nachdem Sean Spicer, Sprecher des US-Präsidenten Donald Trump, vor den Journalisten im Weißen Haus den syrischen Machthaber Bashar al-Assad mit Adolf Hitler verglichen hatte, schien ihm selbst bewusst zu werden, dass er mit seinen Worten - gelinde gesagt - in ein Fettnäpfchen getreten war. Es ging um den aus Sicht der US-Regierung erwiesenen Einsatz von Chemiewaffen durch die syrische Regierung. Selbst eine so "verabscheuungswürdige" Person wie Hitler sei "nicht so tief gesunken, chemische Waffen zu verwenden", äußerte Spicer vor den Medien.

Zuerst folgte der Versuch, sich zu erklären: Assad hätte Giftgas gegen das eigene Volk eingesetzt und "über Städten abgeworfen", während Hitler Gas in "Holocaust-Zentren", gemeint waren Konzentrationslager, habe einsetzen lassen. Wenig später kam dann die Entschuldigung von Spicer selbst: Im Interview mit CNN gestand er ein, einen "Fehler" begangen zu haben. Er habe "fälschlicherweise" einen "unangebrachten und unsensiblen" Bezug zum Holocaust hergestellt.

Eine Entschuldigung nach der anderen

Es blieb nicht die einzige Entschuldigung des Sprechers. In einer schriftlichen Mitteilung betonte Spicer, er habe "in keiner Weise" versucht, "den entsetzlichen Charakter des Holocaust zu verharmlosen". "Jeder Angriff auf unschuldige Menschen ist verwerflich und unentschuldbar." Und bei einer Veranstaltung in einem Museum in Washington sprach Spicer erneut von einem Fehler. Er hoffe, die Menschen würden verstehen, dass er diesen einsehe und er hoffe auf ihre Vergebung.

Doch mit seinen wiederholtem Eingeständnis bringt Spicer die vielfache Kritik an seinem Vergleich nicht zum Verebben. Mehrfach wurde sein Rücktritt gefordert, etwa von der Chefin der Demokraten im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi. "Während jüdische Familien im ganzen Land das Passah-Fest feiern", so Pelosi, "spielt der Sprecher des Präsidenten die Schrecken des Holocaust herunter." Trump müsse seinen Sprecher feuern.

"Unerhört", "beleidigend", "unsensibel"

Auch jüdische Einrichtungen zeigten sich schockiert. Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem zeigte sich "tief besorgt" über die ungenaue und unsensible Verwendung von Begriffen in Zusammenhang mit dem Holocaust". Spicers Worte verdeutlichten seine "großen Wissenslücken in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust". Der Direktor des Anne-Frank-Zentrums in den USA, Steven Goldstein, warf Spicer anhand dieser "üblen Beleidigung" fehlende Integrität vor. Das American Jewish Committee nannte den Vorfall in einer Twitter-Nachricht unerhört.

Absolutely astonishing and outrageous. @WhiteHouse & @seanspicer need to issue an apology. https://t.co/KsWf4hqFEe

Auch die Bundesregierung kritisierte die Äußerungen. "Jeder Vergleich aktueller Situationen mit den Verbrechen des Nationalsozialismus führt zu nichts Gutem", sagte Regierungsprecher Steffen Seibert.

Verteidigungsminister Mattis stellt sich hinter Spicer

Doch es gibt auch Versuche, dem Präsidentensprecher Rückendeckung zu geben, so etwa von US-Verteidigungsminister Jim Mattis. Er wies darauf hin, dass "nicht einmal im Zweiten Weltkrieg Giftgas auf dem Schlachtfeld eingesetzt wurde" - unter dieser Einschränkung sei Spicers Vergleich zulässig.

Auch der israelische Geheimdienstminister Israel Katz zeigte sich nach anfänglicher Kritik durch Spicers Entschuldigung besänftigt. "Die Tatsache, dass er sich korrigiert hat, ist sehr wichtig im Hinblick auf die historische Wahrheit und die Erinnerung an sechs Millionen Juden, die während des Holocaust ermordet wurden", sagte Katz und betonte, für ihn sei die "Affäre" damit beendet.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. April 2017 um 16:00 Uhr.

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