Sean Spicer | Bildquelle: REUTERS

Trumps Sprecher unter Druck Spicers krudes Bild von Hitler

Stand: 12.04.2017 07:58 Uhr

Eigentlich wollte Trump-Sprecher Spicer Journalisten die Syrien-Strategie des Präsidenten erläutern. Doch dann verglich Spicer den syrischen Machthaber Assad mit Hitler - und das auch noch so verquer, dass er selbst zum Top-Thema der Nachrichten in den USA wurde.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Sean Spicer verstieß gleich gegen mehrere Regeln für Pressesprecher: Um deutlich zu machen, dass Russland endlich seine Unterstützung für das syrische Regime überdenken müsse, griff er zu Superlativen und Übertreibungen. Dann verglich er Bashar al Assad mit Adolf Hitler und ließ Hitler dabei besser aussehen. Wörtlich sagte Trumps Sprecher: "Selbst eine so verabscheuungswürdige Person wie Hitler sank nicht so tief, dass er chemische Waffen einsetzte."

Durch den Presseraum im Weißen Haus ging ein Raunen. Ganz offensichtlich schien Trumps Sprecher vergessen zu haben, dass viele der von den Nazis ermordeten sechs Millionen Juden in Gaskammern mit dem Giftgas Zyklon B umgebracht wurden. Als eine Reporterin ihn darauf aufmerksam machte, versuchte Spicer eine Klarstellung, die jedoch alles noch schlimmer machte: "Hitler hat das Giftgas nicht gegen seine eigenen Leute auf die gleiche Weise eingesetzt wie Assad", so Trumps Sprecher: "Er hat sie in Holocaust-Zentren gebracht."

"Kein Giftgas gegen die eigenen Leute"

Dass Spicer das Wort für "Konzentrationslager" nicht einfiel und er stattdessen von "Holocaust-Zentren" sprach, verziehen ihm die Medien. Aber die Behauptung, Hitler habe Giftgas "nicht gegen seine eigenen Leute" eingesetzt, sorgte für Kopfschütteln. Unter Hitlers Opfern seien schließlich viele Deutsche gewesen: Juden, politische Gegner, Homosexuelle. Spicer versuchte dennoch seinen missratenen Vergleich zu rechtfertigen: Anders als Assad habe Hitler das Giftgas nicht über Stadtzentren abgeworfen.

Mehrere Rücktrittsforderungen

Unmittelbar nach Spicers Presse-Briefing brach im Internet und in den Medien ein Sturm der Empörung los. Die Chefin der Demokraten im Repräsentantenhaus Nancy Pelosi forderte US-Präsident Trump auf, seinen Sprecher zu feuern. "Während jüdische Familien im ganzen Land das Passah-Fest feiern", so Pelosi, "spielt der Sprecher des Präsidenten die Schrecken des Holocaust herunter."

Absolutely astonishing and outrageous. @WhiteHouse & @seanspicer need to issue an apology. https://t.co/KsWf4hqFEe

Auch der Direktor des Anne-Frank-Zentrums in den USA, Steven Goldstein, forderte Spicers Rücktritt. Trumps Sprecher verschickte zunächst drei schriftliche Klarstellungen. Am Abend dann entschuldigte er sich in mehreren Fernsehinterviews: "Einen Vergleich mit dem Holocaust zu ziehen, war unangemessen und instinktlos. Vor allem in einer Woche wie dieser. Das bedauere ich."

Inzwischen entschuldigte sich Spicer für seinen Vergleich. Er habe "fälschlicherweise" einen "unangebrachten und unsensiblen" Bezug zum Holocaust hergestellt, sagte er im Fernsehsender CNN. "Es gibt keinen Vergleich", fügte Spicer hinzu. "Dafür entschuldige ich mich. Es war ein Fehler, das zu tun."

Sean Spicer galt schon bisher als einer der umstrittensten Mitarbeiter der Trump-Regierung - weil er es mit Fakten nicht immer genau nimmt und wegen seines bisweilen rüden Umgangs mit Journalisten. In Washington fragen bereits viele Beobachter, wie lange US-Präsident Trump noch an ihm festhalten wird. 

Über dieses Thema berichtete am 12. April 2017 die tagesschau um 04:56 Uhr und NDR Info um 06:20 Uhr.

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