Sean Spicer | Bildquelle: AFP

Trump-Sprecher zu Giftgas in Syrien Spicer irritiert mit Hitler-Vergleich

Stand: 12.04.2017 01:29 Uhr

US-Präsidialamtssprecher Spicer hat mit Äußerungen zu Hitler im Zusammenhang mit dem kürzlich verübten Giftgasangriff in Syrien Empörung ausgelöst: Dieser habe niemals chemische Waffen eingesetzt, sagte er. Spicer entschuldigte sich, trotzdem gibt es Rücktrittsforderungen.

Mit einem Satz über Adolf Hitler hat der Sprecher von US-Präsident Donald Trump, Sean Spicer, massive Empörung auf sich gezogen. Spicer sagte, nicht einmal jemand, der so "verabscheuungswürdig" gewesen sei wie Hitler, sei so tief gesunken, chemische Waffen einzusetzen.

Ein Journalist hatte Spicer während des täglichen Presse-Briefings gefragt, warum er glaube, dass Russland seine Unterstützung für den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad ausgerechnet jetzt einstellen werde, wo beide doch schon seit Jahren kooperierten. Spicer sagte daraufhin, nicht einmal im Zweiten Weltkrieg seien chemische Waffen eingesetzt worden. Dann zog er den Vergleich zu Hitler. Russland müsse daher seine Unterstützung für Assad überdenken, erklärte er.

Wenig überzeugender Erklärungsversuch

Als eine Reporterin ihn wenig später bat, die Äußerung zu erklären, geriet Spicer ins Straucheln. Er sagte: "Er (Hitler) hat Gas nicht auf dieselbe Art und Weise gegen sein eigenes Volk eingesetzt, wie es Assad tut. (...) Er hat es in die Holocaust-Zentren gebracht, das ist mir klar. Aber was ich zum Ausdruck bringen will, ist die Art, wie Assad es eingesetzt hat, indem er in die Städte geht und es über den Stadtzentren abwirft."

Mit dem Begriff "Holocaust-Zentren" meinte er offensichtlich die Konzentrations- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten. Diese hatten in den Gaskammern in Auschwitz und anderen Lagern mehr als eine Million Menschen mit Giftgas ermordet, vor allem Juden, aber auch viele Sinti und Roma sowie andere Gruppen. Insgesamt brachten die Nationalsozialisten sechs Millionen Juden um.

Spicer entschuldigt sich

Spicer erklärte später in einer Mitteilung an Journalisten, er habe keinesfalls versucht, "das abscheuliche Wesen des Holocausts abzuschwächen". Er habe einen Unterschied zu der Taktik aufweisen wollen, bei der Flugzeuge eingesetzt würden, "um Chemiewaffen auf Bevölkerungszentren" abzuwerfen. "Jeder Angriff auf unschuldige Menschen ist verwerflich und unverzeihlich."

 Am Abend entschuldigte er sich in einem Interview des Senders CNN. Er habe einen "unangebrachten und unsensiblen" Bezug zum Holocaust verwendet, erklärte er. "Es war ein Fehler, das zu tun."

Mehrere Gruppen fordern Rücktritt

Das Anne-Frank-Zentrum in New York warf Spicer vor, den Holocaust zu leugnen. Die Organisation forderte seinen Rücktritt. "Sean Spicer mangelt es an der Integrität, Sprecher des Weißen Hauses zu sein, und Präsident Trump muss ihn sofort feuern."

Absolutely astonishing and outrageous. @WhiteHouse & @seanspicer need to issue an apology. https://t.co/KsWf4hqFEe

Das American Jewish Committee nannte den Vorfall in einer Twitter-Nachricht unerhört. Auch die Fraktionschefin der Demokraten, Nancy Pelosi, forderte Spicers Rückzug. "Während jüdische Familien in den USA das Pessach-Fest feiern, spielt der Sprecher des Weißen Hauses die Schrecken des Holocausts herunter", erklärte sie. Trump müsse sich von den Worten distanzieren.

AnneFrankCenter(US) @AnneFrankCenter
.@POTUS @realDonaldTrump MUST FIRE SEAN SPICER NOW FOR ENGAGING IN HOLOCAUST DENIAL. OUR STATEMENT BELOW. #Antisemitism #NeverAgain https://t.co/4dB9ESCaZr

Am 4. April waren bei einem Chemiewaffenangriff in Syrien 87 Menschen getötet worden. Die USA werfen Assads Regierung vor, für den Angriff verantwortlich zu sein. Die Führung in Damaskus weist dies zurück.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. April 2017 um 04:56 Uhr.

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