Seitenueberschrift
Nach den Zusammenstößen in Madrid
Neue Proteste sollen friedlich bleiben
Nach den Zusammenstößen von Polizei und Demonstranten sollen die Proteste in Madrid gegen die spanische Sparpolitik weitergehen, aber friedlich bleiben. Die Demonstranten hatten versucht, das abgesperrte Parlament einzukreisen. Danach eskalierte die Situation auf beiden Seiten.
Von Reinhard Spiegelhauer, ARD-Hörfunkstudio Madrid
6000 statt 60.000 oder gar 160.000 - die Demonstration in Madrid war kleiner als die machtvollen Demonstrationen der "Empörten" im Mai oder im vergangenen Jahr, viel kleiner sogar. Dass gestern ein normaler Arbeitstag war, kann das nur zum Teil erklären. Schließlich gibt es Arbeitslose genug, die Grund zum Protest hätten. Tatsächlich ist der aktive Kern der Bewegung stark geschrumpft, auch wenn viele Spanier Wut und Enttäuschung der friedlichen Demonstranten teilen.
Verletzte bei Protesten in Madrid
tagesschau 12:00 Uhr, 26.09.2012, Stefan Schaaf, ARD Madrid
Erst friedlich, dann lautstark, später gewaltsam
Einige Kundgebungen mit mehreren hundert Demonstranten waren gestern Nachmittag friedlich verlaufen. Doch der massive Auftritt der Polizei und die weiträumigen Abgesperrungen machten die Pläne der Demonstranten zunichte, das spanische Parlament symbolisch einzukreisen. Von Angesicht zu Angesicht hatten sie den Volksvertretern klar machen wollen, dass sie sich im Stich gelassen fühlen.
Entsprechend lautstark war der Protest an den Absperrungen, rund 200 Meter vom Parlament entfernt. In Sprechchören verlangte die Menschenmenge den Rücktritt der Regierung. Ob Teile der Demonstranten schließlich aus spontaner Wut versuchten, Absperrgitter niederzureißen, ob es radikale Splittergruppen waren oder vielleicht sogar Provokateure - genau sagen lässt es sich nicht.
Spanier haben genug von Sparen und Kürzungen
R. Spiegelhauer, ARD Madrid
26.09.2012 18:10 Uhr
Knüppel gegen Steine
Gewalt gab es danach auf beiden Seiten: Polizisten versuchten, Demonstranten mit Knüppeln und zum Teil auch mit Gummigeschossen zurück zu drängen. Von deren Seite flogen Eier, aber auch Steine und Flaschen in Richtung Polizei. Die machte keinen großen Unterschied. Beamte droschen mit ihren Schlagstöcken auf Steinewerfer, friedliche Demonstranten und Kamerateams ein.
Immer wieder kam es minutenlang zu solchen Szenen, die im Fernsehen und auf Fotos nun trotz des überwiegend friedlichen gewaltlosen Verlaufs suggerieren, es habe einen Straßenkampf gegeben. Dabei versuchten Teilnehmer der Demonstration zumindest anfangs, die Stimmung zu beruhigen. Manche stellten sich schützend vor die angegriffenen Polizisten. Andere versuchten, die drohend aufgezogenen Beamten zu beschwichtigen.
Tatsache ist allerdings auch, dass bei den Gewaltszenen um die 60 Menschen verletzt wurden. Einige mussten ins Krankenhaus. Die Polizei nahm fast 30 Demonstranten fest. Doch heute Nachmittag schon soll es neue Proteste geben, so eine Spanierin: "Gewaltfrei - und sie werden uns nicht mundtot kriegen."
Stand: 26.09.2012 22:32 Uhr
