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21.03.2010

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Ausland
Großdemonstration von Abtreibungsgegnern in Madrid (Foto: dpa)
Massenprotest in Spanien gegen neues Abtreibungsrecht
Protest gegen Schwangerschaftsabbrüche in Spanien

"Ja zum Leben, nein zur Abtreibung"

Es war eine der größten Demonstrationen der spanischen Geschichte: Bis zu 1,5 Millionen Menschen protestierten in Madrid gegen die Lockerung des Abtreibungsrechts. Die Debatte um Schwangerschaftsabbrüche weckte Emotionen.

Von Reinhard Spiegelhauer, ARD-Hörfunkstudio Madrid

Den ganzen Nachmittag über hatten sie sich versammelt: Abtreibungsgegner aus ganz Spanien - mit Plakaten und T-Shirts, auf denen das Motto der Demonstration zu lesen war: "Cada vida importa" - "Jedes Leben zählt". Ganze Familien, Ältere, aber auch viele junge Menschen versammelten sich am Nachmittag an der Puerta del Sol im Herzen von Madrid. Viele kamen von weit her, in einem der über 500 Busse oder mit einem der Sonderzüge. Eineinhalb Millionen Teilnehmer seien gekommen, so die Organisatoren.

Sie wurden angeführt von Benigno Blanco, dem Chef des kirchennahen "Forums für die Familie". Er sagte: "Ich glaube, wir erleben hier eine der ganz großen Demonstrationen in der Geschichte der spanischen Demokratie. Das zeigt, dass die Gesellschaft gegen Abtreibung ist, dass sie will, dass Mutter und Kind geschützt werden."

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"Kein Recht zu töten"

Besonders viele Familien zogen von der Puerta del Sol die knapp eineinhalb Kilometer zur Puerta de Alcala - viele wandten sich nicht nur dagegen, die bisherige Indikationslösung in eine Fristenregelung umzuwandeln. Sie protestierten ganz grundsätzlich gegen Abtreibung - so wie dieser Vater von drei Kindern: "Das neue Gesetz treibt den Teufel mit dem Beelzebub aus. Denn schon das jetzige Gesetz ist schlecht", sagte er. "Und jetzt will man etwas als Recht einführen, das es einfach nicht gibt: das Recht, zu töten. Warum erlauben, kleine Kinder zu töten und nicht große? Warum nicht gleich Mord erlauben?"

Auf Plakaten forderten die Demonstranten "lebenslänglich für Abtreibungsärzte" und "Gefängnis für Frauen, die abgetrieben haben". Abtreibung müsse in jedem Fall wieder unter Strafe gestellt werden. "Ja zum Leben, nein zur Abtreibung, nie und in keinem Fall", so eine Forderung der Demonstranten.

Abtreibung bisher nur ausnahmsweise erlaubt

Abtreibungsgegner mit Plakaten und Megafon (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Hunderttausende Abtreibungsgegner demonstrierten gegen eine Lockerung des in Spanien geltenden Rechts ]
Bisher ist in Spanien die Abtreibung zumindest theoretisch nur in Ausnahmefällen erlaubt, zum Beispiel nach einer Vergewaltigung. Aber auch, wenn Gefahr für die Gesundheit der Mutter besteht - 97 Prozent der rund 100.000 Abbrüche pro Jahr werden mit dieser Begründung vorgenommen. Frauenrechtlerinnen klagen, die Schwangeren seien damit der Willkür von Ärzten ausgesetzt. Abtreibungsgegner halten dagegen: das neue Gesetz verpflichte Ärzte, gegen ihr Gewissen zu handeln.

Für besonders große Aufregung sorgt jedoch, dass Mädchen ab 16 Jahren selbst und ohne Wissen der Eltern entscheiden sollen, ob sie abtreiben wollen. Ein Familienvater unter den Demonstranten will das nicht hinnehmen. "Wenn es so wäre, dass meine Tochter abtreiben wollte, dann würde ich mit ihr reden, um sie zu überzeugen", sagte er. "Es ist natürlich ohnehin schlimm, mit 16 schwanger zu werden - aber abzutreiben, ist noch schlimmer. Aber wir würden zusammenhalten und ja zum Leben sagen, ganz klar!"

"Recht auf Leben ist zu wichtig"

Abtreibungsgegner auf einem Platz in der Madrider Innenstadt (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Laut Umfragen ist die Mehrheit der spanischen Bevölkerung gegen die geplante Abtreibungsregelung für unter 18-Jährige. ]
Am Endpunkt des Protestmarsches hielten die Veranstalter eine Zeromie ab - zum Gedenken an die unschuldigen Opfer der Abtreibung. In seinem Schlusswort richtete sich dann Benigno Blanco vom "Forum für die Familie" an die Politik. "An die Parlamentarier und die Regierenden, an die, die heute regieren, und an die Opposition: Das Recht auf Leben ist zu wichtig, Ihr müsst es schützen!" Eine gesunde und menschliche Gesellschaft könne nicht mit einem Gesetz leben, das die Abtreibung fördere. "Nicht mit dem geltenden, nicht mit dem geplanten, mit keinem!"

Zur Demonstration waren auch zahlreiche prominente Politiker der oppositionellen konservativen Volkspartei teilgenommen, darunter der ehemalige Regierungschef José Maria Aznar. Der amtierende Parteichef, Mariano Rajoy, hatte die Anhänger seiner Partei ermuntert, sich zu beteiligen. Doch auch nach der Massenkundgebung ist wahrscheinlich, dass die Fristenregelung kommt: Die sozialistische Regierung kann mit den Stimmen kleinerer linksgerichteter Parteien und einer Mehrheit rechnen.

Stand: 17.10.2009 23:17 Uhr
 

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