Fans im Fußballstadion von Camp Nu in Barcelona | Bildquelle: AFP

App der Fußball-Liga "Lauschangriff" auf spanische Fans

Stand: 11.06.2018 03:53 Uhr

Spaniens Fußball-Liga hat über ihre App Zugriff auf die Smartphone-Mikros der Fans. Schauen die ein Spiel in einer Kneipe, die keine Pay-TV-Gebühren zahlt, kann die Liga einschreiten. Datenschützer sind alarmiert.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Die spanische Fußball-Liga nutzt die Smartphones von Millionen Fans, um Pay-TV-Betrug aufzudecken. Die Liga-App greift Daten vom Mikrofon des Handys ab. Das hat die Liga zugegeben.

Die App aktiviert das Mikrofon des Smartphones, wenn Liga-Spiele laufen. Sie erkennt also anhand des Audio-Signals, ob der Nutzer gerade ein Spiel schaut. Da die App auch den Standort lokalisiert, weiß sie, wo der Nutzer sich befindet - ob er zum Beispiel in einer Fußball-Kneipe ist und dort das Spiel über einen Fernseher den Gästen gezeigt wird.

Die Liga kann nun kontrollieren, ob diese Kneipe auch die Gebühren dafür zahlt. Weil viele Bars das nicht tun, entsteht dem spanischen Fußball nach Liga-Angaben ein Schaden von 150 Millionen Euro pro Jahr.

"Privatsphäre nicht in Gefahr"

Kritiker sagen, die Liga setze Fans als verdeckte Informanten, als Spitzel ein, um Kneipenbesitzer zu verraten. Die Liga verteidigt sich: Sie habe Verantwortung den Vereinen gegenüber - und deshalb die App mit dieser Funktion ausgestattet. Seit wann das der Fall ist, ist nicht bekannt. Die Liga stellt aber klar, dass die App nicht das reine Audio-Signal der Smartphones abgreift - nur den sogenannten Binärcode. Deshalb sei die Privatsphäre der Nutzer nicht in Gefahr.

Etwa zehn Millionen Spanier haben die Liga-App auf ihrem Handy. Wenn sie die Nutzungsbedingungen bestätigen, akzeptieren sie automatisch, dass die App auf das Mikrofon zugreifen darf. Wollen die Nutzer das nicht, müssen sie die Einstellungen des Smartphones entsprechend ändern.

App der spanischen Fußball-Liga spioniert Nutzer aus
Oliver Neuroth, ARD Madrid
11.06.2018 09:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 11. Juni 2018 um 17:55 Uhr.

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