Landung der SpaceX-Rakete | Bildquelle: AFP

SpaceX-Experiment geglückt "Willkommen zurück, Baby!"

Stand: 22.12.2015 08:14 Uhr

Die Zeiten verglühender Raketen könnten bald vorbei sein. Nach mehreren gescheiterten Versuchen gelang dem privaten Weltraum-Anbieter SpaceX nun eine Premiere: Nach dem Flug landete die Rakete wieder senkrecht in Cape Canaveral.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Die Anspannung bei SpaceX war selbst in der Live-Übertragung zu spüren. Der letzte Startversuch einer Falcon9-Rakete im Sommer war gescheitert - sie explodierte, mit einem Raumfrachter für die Internationale Raumstation (ISS) an Bord. Gleichzeitig wartete das Unternehmen auf einen Erfolg bei den Versuchen, die Trägerrakete wieder heil auf der Erde zu landen. Doch diesmal glückte der Start, die Rakete hob ab, der Jubel war groß.

Nach zwei Minuten trennte sich die erste Stufe von der zweiten Stufe mit der Ladung ab. An Bord waren elf Satelliten eines privaten Betreibers, die erfolgreich auf ihre Umlaufbahnen gebracht wurden. Unterdessen machte sich die erste Stufe der Trägerrakete auf den Weg zurück zur Erde. SpaceX-Ingenieur Michael Hammersley erklärte: "Die erste Stufe startet eine Serie von drei Zündungen, um zurück nach Cape Canaveral zu fliegen. Zuerst wird sie sich selbst neu orientieren, dann zünden, um zur Landezone eins zu kommen."

Musk: "Ein historischer Moment"

SpaceX-Chef Elon Musk stellte die Dragon-V2-Kapsel vor | Bildquelle: REUTERS
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SpaceX-Chef Elon Musk leitet auch den Autobauer Tesla.

Das klappte ebenfalls. Mit einem Feuerball in einer großen Wolke setzte die Rakete nach zehn Minuten wieder auf dem Boden auf. SpaceX-Chef Elon Musk twitterte "Willkommen zurück, Baby". Er sagte, die Landung sei nahezu perfekt gewesen. Aus seiner Sicht ein historischer Moment - noch nie habe jemand eine Rakete dieser Klasse wieder heil zur Erde gebracht. Bislang werden Trägerraketen nur einmal verwendet. Sie bringen ihre Fracht ins Weltall und verglühen dann in der Atmosphäre.

Der Grund dafür: Jedes Kilo mehr, das man bräuchte, um zurückzukehren, verringert die Fracht, die man nach oben bringen kann. Die Suche nach einem Ausweg aus diesem Dilemma beschäftigt die ganze Raumfahrtindustrie, erklärte Lori Garver im TV-Sender Bloomberg. Sie war früher Vizechefin der NASA: "Stellen sie sich vor, wir würden Schiffe verbrennen, sobald sie den Ozean überquert haben. Was würde ein Ticket kosten, wenn das Flugzeug nach jedem Flug verschrottet würde? Die Wiederverwertung würde so viel mehr Aktivitäten im Weltall erlauben, und so viel mehr Menschen ermöglichen, dorthin zu fliegen und zurückzukommen."

SpaceX @SpaceX
Background on tonight's launch and landing https://t.co/b4bVC6pYyt https://t.co/jLJWphkm0R

Mehr Starts, geringere Kosten

Genau das ist das Ziel der privaten Raumfahrtunternehmen. Sie wollen die Kosten drücken, um mehr Starts anbieten zu können. SpaceX-Chef Musk rechnete im November bei einer Investoren-Konferenz vor: "Der Bau unserer Rakete kostet 60 Millionen Dollar. Eine Tankfüllung kostet nur 250.000 bis 300.000 Dollar. Es ist nicht teurer, als zum Beispiel eine Boeing 747 zu betanken."

Musk befindet sich dabei in einem Wettrennen mit anderen Weltraum-Unternehmen. Zum Beispiel mit Blue Origin. Dem Unternehmen war es im November gelungen, eine kleinere Rakete wieder auf der Erde zu landen. Der Unterschied: Blue Origin will Touristenflüge in niedrigere Höhe anbieten, SpaceX will zur Internationalen Raumstation und irgendwann einmal zum Mars.

NASA-Auftrag für SpaceX

Nun steht aber erst einmal Detailarbeit an: "Wir müssen die Rakete untersuchen, sobald wir sie zurück haben. Was muss verstärkt werden, wo haben wir zu stabil gebaut, zu viel Masse hinzugefügt?" Erleichterung gibt es für SpaceX aber noch an anderer Stelle: Nach dem gescheiterten Startversuch im Sommer kann das Unternehmen jetzt wieder planen, für die NASA Fracht zur Internationalen Raumstation zu bringen. Außerdem hat es von der NASA den Auftrag bekommen, bald Astronauten zur ISS zu fliegen.

SpaceX bringt Trägerrakete aus dem All zurück
J. Bösche, MDR Washington
22.12.2015 08:18 Uhr

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