Das Aus für das US-Raumfahrtprogramm Wehmut an Floridas Space Coast

Stand: 05.07.2011 12:08 Uhr

Das Ende des Shuttle-Programms in den USA kratzt nicht nur am Stolz der Weltraumnation, sondern bedeutet für viele Menschen in Florida große finanzielle Einbußen. Jahrzehntelang profitierte die ansonsten strukturschwache Region von der Raumfahrt und dem Shuttle-Tourismus.

Von Anna Engelke, NDR-Hörfunkstudio Washington

Space Shuttle Discovery (Archivbild von 2009)
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Ein Bild aus vergangenen Tagen: Die Discovery kurz vor ihrem Start im August 2009.

Ganz gleich, welchen Radiosender man rund um das Kennedy Space Center einschaltet - fast alle tragen stolz "Space Coast" im Namen - "Weltraumküste". Die Raumfahrt bestimmt schon seit mehr als einem halben Jahrhundert das Leben in diesem Teil Floridas. Die Telefon-Vorwahl - das sind die letzten Ziffern des Countdowns: 3-2-1. Grundschulen tragen die Namen der Weltraumfähren. Kein Hotel, kein Restaurant, kein Supermarkt, in dem nicht mindestens ein Foto von einem startenden Space Shuttle hängt.

An diesem Freitag ist der 135. und letzte Start. Bob Arnolds hat gerade mal vier davon verpasst: "Ich bin damit groß geworden", sagt der 61-Jährige und muss schlucken. Sein Vater hat die Startrampe für die Apolloraketen mitgebaut. Arnolds gehört zu den Ehrenamtlichen im Space View Park in Titusville. Für Raumfahrt-Fans ist es ein ganz wichtiger Ort, denn der Blick auf die startenden Weltraumfähren im Kennedy Space Center gegenüber ist grandios.

"Da Draußen gibt es nicht allzu viele Jobs"

Seit Jahren pilgern Weltraumfreunde in diesen Park und beobachten von hier aus, wie die Space Shuttle donnernd in den Himmel steigen. Die Mitarbeiter teilen die Begeisterung der Schaulustigen für die bemannte Raumfahrt. Das hilft ihnen im Moment aber auch nicht weiter. Weil das Shuttle-Programm ausläuft, ist bereits 7000 Menschen gekündigt worden. Wie Kathy Woodle - sie hat die Hitzekacheln der Endeavour kontrolliert. Seit Mai ist die Endeavour außer Dienst gestellt und Woodle ohne Arbeit: "Da Draußen gibt es nicht allzu viele Jobs", sagt sie.

An der Space Coast werden auch tausende Arbeitsplätze außerhalb des Shuttle-Programms wegfallen - weil nicht mehr so viele Touristen kommen, und weil die Einheimischen weniger Geld in der Tasche haben. Bereits jetzt ist die Arbeitslosigkeit mit 10,6 Prozent höher als im Rest der USA. "Es macht einen großen Teil der Wirtschaft aus", meint die Mittdreißigerin Jen.

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Die Spaceshuttles Columbia, Challenger, Discovery, Atlantis und Endeavour

SpaceShuttle: Columbia 1981

Das erste Spaceshuttle war die "Columbia", hier bei ihrem Jungfernflug am 12. April 1981. Zwei Tage später kehrte das Raumschiff mit den Astronauten John Young und Robert Crippen wohlbehalten zur Erde zurück - eine Sensation damals.

Aber das ist nicht der einzige Grund, warum viele entlang der Space Coast wehmütig sind. Die weißen Weltraumfähren der NASA haben die Menschen hier in Florida, aber auch im Rest der USA stolz gemacht. Wie diese Frau: "Es hat angefangen mit Präsident Kennedy, es war der Traum. Es ist einfach sehr emotional."

Auf dem absteigenden Ast?

Die Crew der Atlantis
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Die Crew des letzten Atlantis-Flugs: Chris Ferguson, Doug Hurley, Sandra Magnus und Rex Walheim.

Erst die Mondlandung, dann die Space Shuttle - damit haben die Amerikaner bewiesen, zu welch außergewöhnlichen Leistungen sie in der Lage sind. Oder wie dieser Mann mit Blick auf das Ende des Shuttle-Programms befürchtet: "Heißt das, dass wir uns auf dem absteigenden Ast befinden und die asiatischen Länder auf dem aufsteigenden? Das könntest Du daraus schließen. Aber das hoffe ich nicht. Hoffentlich ist es nur ein kleiner Betriebsunfall."

Fest steht: Wenn auch die Atlantis nach ihrem Abschiedsflug eingemottet wird, haben die USA kein eigenes Raumschiff mehr. Sie müssen dann bis auf weiteres bei den Russen mitfliegen. Die NASA hat zwar neue Pläne für die Rückkehr ihrer Astronauten ins All, aber wann die Wirklichkeit werden, das steht in den Sternen.

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