US-Vizepräsident Mike Pence gestikuliert auf einer Pressekonferenz zum Aufbau einer "Space Force". | Bildquelle: AFP

US-Streitkräfte USA planen "Space Force" bis 2020

Stand: 10.08.2018 08:56 Uhr

Bis 2020 wollen die USA Weltraum-Streitkräfte aufbauen. Vizepräsident Pence schwärmt vom "nächsten großartigen Kapitel" der US-Militärgeschichte. Einige Experten sind weniger begeistert.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Die Idee geistert schon länger durch Washington, aber die Trump-Regierung macht jetzt Nägel mit Köpfen. Bis 2020 soll es eine "Space Force" geben, als neue Teilstreitkraft, zuständig für das Weltall.

Vizepräsident Mike Pence sagte: "Die Zeit ist gekommen für das nächste, großartige Kapitel in der Geschichte unseres Militärs. Um für das nächste Schlachtfeld gerüstet zu sein, auf dem Amerikas Beste und Tapferste aufgerufen sein werden, neue Bedrohungen für unsere Nation abzuwehren und zu besiegen."

Pence sagte, die USA müssten sich anstrengen, um die eigene Dominanz im Weltraum zu behalten. Ihre Gegner machten erhebliche Fortschritte: "Viele Jahre haben Länder wie Russland, China, Nordkorea oder Iran Waffen angestrebt, um unsere Navigations- und Kommunikations-Satelliten mit elektronischen Angriffen vom Boden aus zu stören. In jüngster Zeit arbeiten unsere Gegner daran, Kriegswaffen ins Weltall zu bringen."

Bislang ist die Luftwaffe für das Weltall zuständig

Die Forderung, das militärische Engagement der USA im All zu bündeln, gibt es schon länger. Dazu gehören zum Beispiel Satelliten, das Navigationssystem GPS oder Sensoren, die Raketenstarts überwachen.

Bislang ist die Luftwaffe auch für das Weltall zuständig. Sie betreibt zum Beispiel die Minishuttles, die regelmäßig für monatelange Testflüge ins All geschossen werden. Befürworter der "Space Force" bemängeln aber, die Luftwaffe kümmere sich nur stiefmütterlich um das All. Im Zweifel werde Geld eher für die Luftfahrt ausgegeben.

Der Weltraumexperte und frühere Luftwaffen-Offizier Steve Jacques sprach sich darum für eine "Space Force" aus: "Ich denke, wir brauchen ein Zentrum: Konzentriert, befähigt, angemessen ausgestattet. Wir brauchen eine fokussierte, befugte Person an der Spitze."

"Weitere Bürokratie-Ebene ergibt keinen Sinn"

Kritiker der neuen "Space Force" entgegnen, dass mögliche Probleme besser in den bestehenden Strukturen gelöst werden könnten: Wenn die Weltraum-Programme mehr Geld bräuchten, müsse man das beschaffen und keine neue Verwaltung aufbauen.

Der frühere Astronaut Mark Kelly sagte bei MSNBC: "Es gibt eine Bedrohung. Aber die US-Luftwaffe kümmert sich darum. Es ergibt keinen Sinn, eine weitere Bürokratie-Ebene zu schaffen - in einem unheimlich bürokratischen Verteidigungsministerium."

James Mattis | Bildquelle: dpa
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US-Verteidigungsminister James Mattis hatte sich gegen die Idee einer Weltraum-Armee gesträubt.

Das Verteidigungsministerium hatte sich lange dagegen gewehrt, eine "Space Force" einzurichten. Noch im vergangenen Jahr schrieb Verteidigungsminister Mattis an den Kongress, dass er gegen eine solche neue Teilstreitkraft sei, weil sie den Fokus auf Weltraumeinsätze beschränke. Allerdings hatte er die Rechnung ohne Präsident Donald Trump gemacht.

Kongress muss der Gründung einer "Space Force" zustimmen

Seit dem Frühjahr spricht Trump immer wieder davon, wie gut es wäre, eine eigene Weltraumstreitkraft zu haben - bis er schließlich das Pentagon aufforderte, eine solche Streitkraft vorzubereiten. Frank Rose, Verteidigungsexperte beim Atlantic Council, sagte darum: "Das war eine spontane Entscheidung des Präsidenten. Wir können nicht spontan über schwerwiegende Fragen der nationalen Sicherheit entscheiden. Wir müssen sie durchdenken."

Dafür bleibt noch Zeit. Die Trump-Regierung kann die "Space Force" nicht alleine gründen, der Kongress muss zustimmen. Dort gibt es Befürworter und Gegner der Idee.

Weltraum-Streitkräfte "Space Force": USA konkretisieren Pläne
Jan Bösche, ARD Washington
10.08.2018 08:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. August 2018 um 09:12 Uhr.

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