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Erst eine Stichwahl wird wohl entscheiden, wer für die französischen Sozialisten im kommenden Frühjahr für das Amt des Staatspräsidenten kandidiert. Bei der Vorwahlen über den Präsidentschaftskandidaten liegt der frühere Parteichef Hollande zwar in Führung, konnte aber seine Konkurrentin, Aubry, nicht klar überflügeln. Für Hollande stimmten nach Auszählung von gut zwei Dritteln der Stimmen 39 Prozent der Wähler, für seine Nachfolgerin Aubry 31 Prozent. Auf den dritten Platz kam Arnaud Montebourg mit 17 Prozent. Die sozialistische Präsidentschaftskandidatin bei der Wahl 2007, Ségolène Royal, kam demnach mit sieben Prozent der Stimmen auf den vierten Platz.
Von Evi Seibert, SWR-Hörfunkkorrespondentin Paris
[Bildunterschrift: Ex-Parteichef Hollande führt laut Teilergebnissen vor Konkurrentin Aubry. ]
Es handelt sich hier um ein "UPO" , ein unbekanntes Politik-Objekt, scherzte ein Beobachter. Tatsächlich hatten die Franzosen an diesem Wochenende das Gefühl, an einem Experiment teilzunehmen: Bisher gab es das ja noch nie in ihrem Land, dass sie mitbestimmen dürfen, wer als Präsidentschaftskandidat antritt. "Das ist eine bemerkenswerte Debatte, endlich können wir mitmachen. Das ist doch sinnvoll, das ist direkte Partizipation, so muss Demokratie sein", urteilte eine Passantin. "Die Amerikaner machen das schon lange, das ist ein guter Weg, mehr politische Mitbestimmung in unseren Alltag zu bringen", sagte ein anderer.
So dachten viele - mehr als die sozialistische Partei erwartet hatte. Ihre Internetseite, auf der die Wahllokale angegeben waren, brach zeitweilig zusammen. In einigen Städten mussten Stimmzettel nachgedruckt werden, um die große Nachfrage zu befriedigen. "Ich bin doch sehr erstaunt, wie viele hier mitmachen, das ist eine echt gute Sache, dass die Leute das so stark annehmen", sagte ein Mann.
Die Wähler standen zeitweise in langen Schlangen vor den Wahlkabinen. Um die zwei Millionen Teilnehmer, zählte die Partei, darunter auch einige vom Lager des politischen Gegners. "Die kenne ich, das sind Leute, die sonst rechts wählen. Das ist doch gut, wenn die auch mitmachen", so eine Frau.
Für Präsident Sarkozy und seine UMP-Partei kein schöner Tag. In stundenlangen Sondersendungen ging es nur und ausschließlich um die Sozialisten. UMP-Sprecher Jean Francois Cope spielte die Wahlbeteiligung denn auch umgehend herunter: "Das muss man relativieren. Zwei Millionen Teilnehmer sind auf die Bevölkerung hochgerechnet nicht viel. Im Umkehrschluss bedeuten diese Zahlen nämlich auch, dass trotz des ganzen Medienrummels nur vier von 100 Franzosen gezeigt haben, dass sie Sarkozy nicht mehr wollen."
Die beiden Favoriten des ersten Wahlgangs geben sich jedenfalls kämpferisch. Sie müssen nächsten Sonntag in einer Stichwahl gegeneinander antreten. Das kann noch einmal sehr spannend werden, weil sie ja nun die Stimmen der ausgeschiedenen Kandidaten auf sich verteilen. Francois Hollande, langjähriger Parteichef hat die Nase vorn, er präsentierte sich gestern Abend mit dem Slogan: "Ich bin der Kandidat des Wandels." Und die aktuelle Parteichefin Martine Aubry, die gestern auf Platz zwei landete setzt noch eins drauf: "Ich werde Sarkozy 2012 schlagen."
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