Hintergrund

Hintergrund Bewaffnete Konflikte in der Ex-Sowjetunion

Stand: 10.08.2008 18:28 Uhr

Seit dem Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1991 sind auf dem riesigen Gebiet immer wieder bewaffnete Konflikte ausgebrochen. Keiner hat die Region insgesamt destabilisiert, aber es ist auch noch keiner dauerhaft gelöst worden. In den letzten Jahren hat der islamistische Extremismus die Konflikte im Süden der Ex-Sowjetunion verschärft.

Die Krisenherde von West nach Ost:

Transnistrien: Der schmale Landstreifen am Fluss Dnjestr mit russischer und ukrainischer Bevölkerung spaltete sich 1990 von Moldawien ab. Man befürchtete einen Anschluss Moldawiens an das benachbarte Rumänien. In einem Bürgerkrieg 1992 konnte Moldawien das Gebiet nicht erobern. Russland behält über Friedenstruppen und ein großes Munitionsdepot im Dnjestr-Hauptort Tiraspol militärisch einen Fuß in dem Konflikt.

Karte Georgien Tiflis Abchasien Südossetien
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Karte Georgien Tiflis Abchasien Südossetien

Abchasien: Im nationalistischen Überschwang der Unabhängigkeit schaffte Georgien 1992 die Autonomierechte der Teilrepublik Abchasien am Schwarzen Meer und des jetzt umkämpften Südossetiens ab. Mit russischer Hilfe wehrte Abchasien 1992 bis 1994 mehrere Angriffe Georgiens ab. Seitdem überwachen die Vereinten Nationen die Waffenstillstandslinie, Russland ist an Friedenstruppen beteiligt. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier legte vor kurzem einen Plan zur Konfliktlösung vor, der aber angesichts der Eskalation in Südossetien keine Chance mehr haben dürfte.

Tschetschenien: Russland ging 1994 militärisch gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen der Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus vor, musste jedoch 1996 einen Waffenstillstand akzeptieren. Nach einer zweiten militärischen Eroberung 2000 wehrten sich die Tschetschenen jahrelang mit Guerilla-Attacken. Terroristen trugen den Kampf immer wieder nach außen, so bei den Geiselnahmen in einem Moskauer Musical-Theater 2002 und in einer Schule in der nordossetischen Stadt Beslan 2004.

Das Musical-Theater in Moskau
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Blumen und Kerzen für die Opfer der Geiselnahme im Moskauer Musical-Theater.

Berg-Karabach: Der Streit um das von Armeniern besiedelte, aber zu Aserbaidschan gehörende Gebiet begann schon 1988 und weitete sich 1992 zu einem Krieg der beiden Staaten aus. Armenien eroberte Berg-Karabach und weite Teile im Süden Aserbaidschans. Seit 1994 gilt ein brüchiger Waffenstillstand. Durch den Ölboom wird Aserbaidschan finanziell und militärisch stärker und könnte versucht sein, seine Gebiete zurückzuerobern.

Usbekistan: Der zentralasiatische Staat gilt als das härteste Polizeiregime der Region, gleichzeitig ist das dicht besiedelte Fergana-Tal im Osten eine Hochburg der Islamisten. 2005 schlug das Militär mit Gewalt einen Aufstand in der Stadt Andischan nieder, dabei wurden mehrere hundert Menschen getötet.

Erschossene in der ost-usbekischen Stadt Andischan
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Nach den Unruhen in der usbekischen Stadt Andischan versuchen Angehörige, die Leichen zu identifizieren

Tadschikistan: In der ärmsten Ex-Sowjetrepublik lieferten sich muslimische Fundamentalisten und Ex-Kommunisten 1992 bis 1994 einen Bürgerkrieg mit zehntausenden Toten. Das Hochgebirgsland an der Grenze zu Afghanistan war bis zum Sturz der Taliban Durchzugsgebiet für Islamisten, es bleibt eine wichtige Route des Heroinschmuggels.

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