Vorverkauf für Olympische Winterspiele in Sotschi startet

Ein Jahr bis zu den Olympischen Winterspielen

"Ich glaube nicht mehr an Märchen"

Neue Hotels, moderne Sportstätten - überall in Sotschi wird gebaut. Genau ein Jahr vor Beginn der Olympischen Winterspiele startet auch der Kartenvorverkauf. Doch die Bewohner der Olympiastadt sehen sich selbst außen vor. Ihnen wurden neue Strom- und Gasleitungen versprochen, aber ...

Von Stephan Laack, ARD-Hörfunkstudio Moskau, zzt. in Sotschi

Auf der großen Anzeigetafel in einer der vielen von Palmen gesäumten Parkanlagen von Sotschi werden die Tage und Stunden bis zum Beginn der olympischen Winterspiele herunter gezählt. Hin und wieder lassen sich hier russische Touristen fotografieren. Doch von der ganz großen Olympia-Euphorie ist in dem Schwarzmeer-Kurort nicht viel zu verspüren.

Bauarbeiten in Sotschi (Bildquelle: dpa)
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Bauarbeiten für den Start der Olympischen Winterspiele in Sotschi

Skepsis überwiegt bei den meisten Bewohnern der Olympiastadt. Und sie sind genervt von den nicht enden wollenden Vorbereitungen, von den ewigen Baustellen mit dem ganzen Lärm und Schmutz. Immer wieder hört man, die Spiele würden doch hauptsächlich für die Gäste aus Russland und aller Welt veranstaltet.

Natürlich wollen die Bürger von Sotschi gute Gastgeber sein, auch wünschen sie dem russischen Team viele Medaillen, doch sie selbst blieben bei Olympia in Sotschi außen vor. So meint ein Passant: "Es ist doch klar, dass die Spiele hauptsächlich für diejenigen sind, die viel Geld in der Tasche haben. Unsere Durchschnittsgehälter sind nicht so hoch, sodass sich das längst nicht jeder leisten kann."

Noch ein Jahr bis zu den Winterspielen in Sotschi
S. Laack, ARD Moskau, zzt. Sotschi
07.02.2013 07:02 Uhr

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Der Kartenvorverkauf beginnt

Heute, ein Jahr vor dem Beginn der Winterspiele, soll der Startschuss für den Kartenvorverkauf fallen. Die Veranstalter haben im Vorfeld versprochen, dass sich die Preise für die meisten Tickets in einem Rahmen von umgerechnet 25 bis 75 Euro bewegen würden. Die für westeuropäische Verhältnisse relativ zivilen Preise sind für viele Bewohner der Kaukasus-Region unerschwinglich - bei einem Monatsgehalt von nur ein paar hundert Euro.

Schon seit Monaten erhältlich sind die vielen Souvenirs für Sotschi 2014 - Schlüsselanhänger, Tassen, Schreibhefte oder die drei Maskottchen Schneeleopard, Hase und Eisbär als Plüschtier. In Sotschi werden sie nicht nur in den Geschäften der offiziellen Sponsoren verkauft, sondern auch an kleinen Ständen in Straßenunterführungen. Manche der Händlerinnen befürchten, schon bald den noch geduldeten Merchandising-Verkauf stoppen zu müssen, denn die Olympia-Artikel liefen nicht schlecht. Eine der Händlerinnen sagt: "Die Souvenirs werden später nur in den offiziellen Läden verkauft. Deshalb müssen wir wahrscheinlich schon im Mai damit aufhören. Alles wird zentral organisiert."

Viele Versprechen wurden bisher nicht eingelöst

So soll es auch bei den Unterkünften sein. Auf Anweisung von Premierminister Dimitri Medwedjew dürfen beispielsweise Zimmer in offiziellen Drei-Sterne-Hotels während der Spiele nicht mehr als rund 110 Euro kosten. Eine gute Nachricht für alle Olympiabesucher, sollte dies auch so eingehalten werden.

Viele Sotschianer wünschen sich hingegen die Einlösung der vielen Versprechen, die ihnen im Zusammenhang mit den Winterspielen gegeben wurden: etwa neue Gas- und Stromleitungen oder endlich eine funktionierende Kanalisation. Irina, die direkt am Olympiapark in der Imertinskij Bucht wohnt, ist es leid: "Bedrückend ist, dass sich unsere Führung gar keine Gedanken um die einfachen Bürger macht. Irgendwie würde man gerne glauben, dass wir hier im Februar 2014 alles aus Gold und Diamanten haben und die ewig scheinende Sonne. Aber ich bin 57 Jahre alt und glaube nicht mehr an Märchen."

Nur ein paar hundert Meter von Irinas Wohnung entfernt steigt am Abend im großen olympischen Eispalast eine Gala im Beisein von Präsident Wladimir Putin und IOC-Chef Jacques Rogge. Der Anlass: nur noch ein Jahr bis zum Beginn der Winterspiele in Sotschi. An der großen Eisrevue mit namhaften russischen Schlittschuhstars werden rund 12.000 geladene Gäste teilnehmen. In russischen Internet-Blogs wird berichtet, unter ihnen seien allein 2000 Beamte der Stadtverwaltung und deren Familienangehörige. Irina darf sich das Ganze im Fernsehen angucken.

Dieser Beitrag lief am 7. Februar 2013 um 09:51 Uhr auf NDR Info.

Stand: 07.02.2013 00:47 Uhr

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