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Olympische Winterspiele im russischen Sotschi 2014
Ein Sumpf aus Betrug, Bestechung und Korruption
Als Sotschi den Zuschlag für die olympischen Winterspiele im kommenden Jahr bekam, war es ein Triumph für Russlands Präsidenten Putin. Doch im Vorfeld der Spiele hat das russische Olympia-Projekt vor allem mit einer Kostenexplosion durch Korruption und Bestechung zu kämpfen.
Von Stephan Laack, ARD-Hörfunkstudio Moskau, zzt. in Sotschi
Im Juli 2007 war der Triumph für den russischen Präsidenten Wladimir Putin perfekt. Sotschi erhielt den Zuschlag für die Austragung der Olympischen Winterspiele 2014. Der russische Staatschef hatte sich stark für die Schwarzmeerstadt am Rande des Kaukasus eingesetzt.
Die Entscheidung des IOC für Sotschi wertete Putin als internationale Anerkennung eines wachsenden wirtschaftlichen und sozialen Potentials in Russland und versprach: "Die Wahl Sotschis als Austragungsort der Olympischen Winterspiele wird hundertprozentig zu einem kräftigen Stimulus für die Entwicklung des russischen Südens werden. Ich bin absolut davon überzeugt, dass wir die Spiele auf höchstem Niveau veranstalten werden."
Kosten schon um mehr als das Vierfache gestiegen
Ursprünglich waren die Kosten für die Winterspiele in Sotschi auf rund neun Milliarden Euro veranschlagt worden. Nach einem neuen Bericht, den Vize-Premier Dimitri Kosak Anfang des Monats vorlegte, geht man nun von 37.7 Milliarden Euro aus. Knapp die Hälfte davon würde von privaten Investoren aufgebracht, die andere Hälfte käme aus dem Staatshaushalt.
Winterspiele 2014 in Sotschi - ein Denkmal für Putin?
S. Laack, ARD Moskau, zzt. Sotschi
04.02.2013 02:40 Uhr
Ein Sumpf trotz Putins Kontrolle
Die Kostenexplosion ist zu einem erheblichen Teil auf Betrug, Bestechung und Korruption zurückzuführen und dies, obwohl die Vorbereitung der Winterspiele unter direkter Kontrolle von Putin steht. Zwar mussten drei Chefs der staatlichen Olympiakonzerns Olympstroi wegen schleppender Vorbereitungen und Korruptionsvorwürfen ihren Posten verlassen. Auch wurden Strafverfahren gegen einzelne Firmen und Beamte eingeleitet. Doch den ganzen Korruptionssumpf offenzulegen, dürfte wohl kaum gelingen.
Der Chef des nationalen Anti-Korruptionskomitees, Kirill Kabanow, klagt, das ganze System sei äußerst intransparent. Beamte oder Baufirmen hätten kein Interesse daran, Informationen preis zu geben.
Davon kann auch Alexander Walow ein Lied singen. Als Blogger verfolgt er die Vorbereitungen zu den olympischen Winterspielen von Beginn an. Walow berichtete über nicht bezahlte Arbeiter auf den Olympia-Baustellen, Zwangsumsiedlungen bei denen keine Entschädigung gewährt wurde oder Korruptionsfälle in der Olympiastadt. Mitunter habe er schon kleinere Erfolge erzielt, erzählt Walow. Beispielsweise seien Zwangsungesiedelte nach seinen Veröffentlichungen am Ende doch noch entschädigt worden. Manchmal wirke es bei Beamten Wunder, sich einfach auf Putin zu berufen.
"Wenn unser Staatsoberhaupt sagt, dass die Interessen der Bürger von Sotschi nicht verletzt werden dürfen, dann heißt es, Putin hat das gesagt. So soll es auch sein. Das hat mitunter eine positive Wirkung. Man kann dann immer sagen: Sind Sie etwa gegen Putin? Putin wollte das so und Sie beachten das nicht. Jedem Beamten ohne Ausnahme verschlägt es dann die Sprache", so Walow.
Rechtzeitig fertig werden - um jeden Preis
Vor allem aber bewirkt der Druck aus dem Kreml wohl eines: Dass nun nach zahlreichen Skandalen und Verzögerungen mit Hochdruck daran gearbeitet wird, alle Olympia-Projekte rechtzeitig fertig zu stellen. Koste es was es wolle. Zwar sind die meisten Sportstätten in Betrieb, doch es hapert an der Infrastruktur. Wichtige Verkehrsverbindungen wie die 48 Kilometer lange Schnellstraße vom Olympiapark am Meer rauf zu den Austragungsorten in den Bergen sind in weiten Teilen noch nicht fertig. Das milliardenteure Verkehrsprojekt machte in der Vergangenheit immer wieder negative Schlagzeilen. Die Trasse verläuft entlang des Flusses Msymta, der durch giftigen Bauschutt verschmutzt wurde.
Auch wegen massiver Abholzungen sei das Ökosystem in dem Tal zerstört worden, klagen Umweltschützer, wie etwa Vladimir Kimajew von der Ökowacht Nordkaukasus. Die zahlreichen illegalen Mülldeponien, auf denen Abfälle von den Olympia-Baustellen abgeladen werden, bereiten ihm ebenfalls große Sorge. Von Präsident Putin, der sich in der Öffentlichkeit gerne als großer Naturfreund präsentiert, ist er enttäuscht: "Wissen Sie, es gibt keinen Dialog, weder mit den Fachleuten noch mit den Bürgern. Putin sollte hierher kommen und mit uns sprechen. Wir warten auf ihn."
Doch der Aufruf zum Dialog dürfte wohl kaum auf fruchtbaren Boden fallen. Bislang haben die Behörden eher Strafverfahren gegen Mitglieder der Ökowacht Nordkaukasus eröffnet, anstatt mit ihnen zusammen zu arbeiten. Putins Prestigeobjekt der Winterspiele in Sotschi steht unter enormem Zeit- und Erfolgsdruck. Da ist für Kritik einer kleinen regionalen Umweltschutzorganisation anscheinend kein Platz.
Stand: 04.02.2013 03:41 Uhr
