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Eigentlich wäre Schanghai der ideale Platz, um die längste Sonnenfinsternis des Jahrhunderts zu sehen. In der Stadt gibt es seit Tagen kein anderes Thema mehr. Sonnenfinsternis-Brillen sind der Renner, Hotels und Restaurants mit gutem Blick haben längst keine freien Plätze mehr für ihr Sonnenfinsternis-Frühstück. Sorgen macht nur die Wettervorhersage.
Von Astrid Freyeisen, ARD-Hörfunkstudio Schanghai
Fans aus aller Welt sorgen für Hochbetrieb an den Flughäfen. Doch es gibt da ein Riesenproblem: Die Wettervorhersage – zur Sonnenfinsternis wird es angeblich in Schanghai stürmen. Die Fans sind hin und her gerissen zwischen Hoffen und Frust, wie diese jungen Schanghaierinnen im Sonnenfinsternis-Fieber: "Das ist doch nicht möglich! Ich bin so enttäuscht. Hoffentlich regnet es nicht. Wir wollen zusammen vom Büro aus die Sonnenfinsternis sehen. Die nächste kommt hier erst in 300 Jahren. Da sind wir längst nicht mehr da."
[Bildunterschrift: Japanisches Fabrikat für die Sonnenfinsternis: Dieser Mann hofft, sie in Nepal sehen zu können. ]
Doch Fans sind tapfer. Dem achtjährigen Cai Yuxuan haben seine Eltern einen teuren Bastelkursus spendiert – Yuxuan baut sein eigenes Fernrohr und darf mit Schutzbrille in die Sonne schauen: "Ich sehe die Sonne! So klein!", jubelt er. "Ich warte seit Mai schon auf die Sonnenfinsternis. Ich habe schon mal eine in Sichuan gesehen, aber die sah aus wie ein Ring. Dieses Mal ist der Mond komplett über der Sonne. Ich habe ganz viele Astronomie-Bücher zu Hause. Ich träume davon, Sternenforscher zu werden."
Sonnenfinsternis-Anbeter aus aller Welt haben Schanghais Flughäfen bis zu 80 Prozent mehr Fluggäste als sonst gebracht. Auch über 100 deutsche Fans sind gekommen. Für Aila Voigtländer aus München ist es die fünfte Sonnenfinsternis: "Wie der Schatten kommt. Einfach super. Das ist Wahnsinn. Wie der über den Himmel fegt, das ist das Erlebnis schlechthin. Wir haben ein 500er Tele, wir haben eine Filmkamera, wir haben ein kleines Fernrohr dabei. Alles was man braucht."
Und in Schanghai könnte die totale Sonnenfinsternis sechs Minuten dauern – so lange wie nie mehr in diesem Jahrhundert. Sensationell, sagt der Fotograf Stephan Heinsius, angereist aus Dreieich bei Frankfurt: "Das heißt, der Mond wird relativ zur Sonne sehr groß erscheinen, es wird auch dunkler als normalerweise bei einer Sonnenfinsternis, die nur vielleicht zwei oder drei Minuten hat. Dann geht der letzte Sonnenstrahl zwischen den Mondbergen durch die Mondtäler noch durch. Man wird auch, sofern der Himmel oder das Wetter das zulässt, Planeten sehen können. Wir haben den Merkur ungefähr direkt über unseren Köpfen, dann hell die Venus, das wird schon sehr spannend."
Der Bremer Physik-Professor Peter Richter ist Experte für Astronomie im alten China, wo der Kaiser vor fast 400 Jahren europäische Jesuiten holte, die ihm halfen, Sonnenfinsternisse genauer vorherzusagen: "Die Sonnenfinsternis wurde immer als ein Unheil angesehen, oder drohendes Unheil, weil man das so interpretierte, als würde ein Drache die Sonne auffressen", erläutert Richter. "Man musste jetzt mit viel "Gedöns" den Drachen wieder vertreiben, aber der Kaiser wollte das gerne unter seiner Kontrolle haben."
"Bis auf eine Stunde genau waren schon die alten Chinesen in ihren Vorhersagen", sagt Peter Richter. Für Schanghai ist er pessimistisch. Aber sein Reiseveranstalter hat Plan B parat – zwei Flugstunden entfernt. "Ja, ich bin noch ganz unsicher, ich überlege ernsthaft, ob ich nicht nach Jong-Ting fahre, um dort wirklich sicher zu sein, die Sonnenfinsternis auch zu sehen. Es wäre meine erste im Leben und wahrscheinlich auch die letzte, deshalb würde ich gerne hinfahren."
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