Das Parlament des Kosovo am Tag der Abstimmung | Bildquelle: REUTERS

Neues Sondergericht zum Kosovo Gefangene erschossen und ihre Organe verkauft?

Stand: 15.01.2016 18:34 Uhr

Ein neues Sondergericht in Den Haag soll die Verbrechen während des Unabhängigkeitskrieges des Kosovo aufarbeiten. Die Befreiungsarmee UCK soll damals Gefangene erschossen und ihre Organe verkauft haben. Das Tribunal ist im Kosovo jedoch höchst umstritten.

Ein Sondergericht zur Ahndung von Kriegsverbrechen während des Unabhängigkeitskriegs im Kosovo wird dieses Jahr seine Arbeit in Den Haag aufnehmen. Wie die niederländische Regierung mitteilte, wird sich das Gericht mit schweren Verbrechen befassen, die Mitglieder der Befreiungsarmee des Kosovo (UCK) in den Jahren 1999 und 2000 an ethnischen Minderheiten und politischen Gegnern begangen haben sollen.

Das kosovarische Parlament hatte im vergangenen Sommer der Einrichtung des Sondergerichts, das unter der Schirmherrschaft der Europäischen Union steht, nach einer hitzigen Debatte zugestimmt. Die Opposition boykottierte die Wahl jedoch. Das Kosovo stand seit Jahren unter starkem Druck der USA und der EU, das Sondertribunal einzurichten.

Erschießungen und Organhandel?

Der Sonderberichterstatter des Europarats, Dick Marty, hatte 2011 in einem Bericht der UCK vorgeworfen, während des Kriegs standrechtliche Erschießungen und Entführungen begangen sowie Gefangenen Organe entnommen und verkauft zu haben. In dem Bericht wurde auch der Name des ehemaligen UCK-Kommandeurs Hashim Thaci, genannt, der von 2008 bis 2014 erster Regierungschef des Kosovo war.

Die frühere serbische Provinz hatte sich 2008 nach Jahren unter UN-Verwaltung von Belgrad losgesagt. Der Konflikt war im Juni 1999 nach der Intervention der NATO mit dem Rückzug der serbischen Armee aus dem Kosovo zu Ende gegangen. In dem Konflikt kamen mindestens 13.000 Menschen ums Leben.

Streit zwischen Serbien und Kosovo

Die serbische Regierung und die Kosovo-Serben erkennen die Unabhängigkeit des Kosovos bis heute nicht an. Die Normalisierung der Beziehungen zwischen Pristina und Belgrad ist jedoch Voraussetzung für den von Serbien angestrebten Beitritt zur Europäischen Union. Auch das Kosovo strebt die Aufnahme in die EU an.

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