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Kampf gegen al-Shabaab USA greifen Terrorcamp in Somalia an

Stand: 08.03.2016 11:39 Uhr

Die USA haben in Somalia am Wochenende ein Camp der Terrormiliz al-Shabaab aus der Luft angegriffen - 150 Kämpfer seien getötet worden. Informationen fließen, wie oft bei solchen Angriffen, nur spärlich. Das will die US-Regierung nun ändern.

Von Jan Bösche, ARD-Hörfunkstudio Washington

Wie so oft bei Einsätzen gegen Terroristen ist die Regierung in Washington äußerst vorsichtig. Nach und nach gab sie die Informationen über den Angriff in Somalia preis. Dabei war es durchaus ein Erfolg, wenn man dem Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Josh Earnest, glauben durfte: "Dies ist ein gutes Beispiel, wie das US-Militär unsere Ressourcen und Fähigkeiten einsetzen kann, zusammen mit Truppen am Boden, in diesem Fall von der Afrikanischen Union, um gegen Extremisten vorzugehen und unsere Interessen zu verteidigen."

USA beobachteten Lager schon einige Zeit

Nach Angaben des Pentagons waren mehrere Kampfflugzeuge und Drohnen an dem Angriff beteiligt. Das Lager der Terrormiliz al-Shabaab war fast 200 Kilometer von der somalischen Hauptstadt Mogadishu entfernt. Die USA hatten es offenbar seit mehreren Wochen beobachtet. Schließlich habe es Anzeichen gegeben, dass das Training zu Ende sei und die gut 200 Kämpfer mit ihren geplanten Anschlägen beginnen sollten.

Die "New York Times" zitiert einen Militär. Nach dessen Aussagen hätten die al-Shabaab-Kämpfer auf freiem Feld in Formation gestanden, als der Angriff stattfand. Präsidenten-Sprecher Earnest sagte: "Die Kämpfer waren bereit, das Lager zu verlassen. Sie waren eine unmittelbare Bedrohung für Truppen der USA und der Afrikanischen Union in Somalia. Die Beseitigung dieser Kämpfer verringert die Möglichkeiten von al-Shabaab, ihre Ziele zu erreichen, dazu gehören, neue Kämpfer zu rekrutieren, neue Lager einzurichten und Anschläge zu verüben."

Al-Shabaab dementiert Zahl der Toten nach Angriff

Die islamistische Terrormiliz al-Shabaab hat die US-Angaben von 150 getöteten Kämpfern bei dem Angriff in Somalia dementiert. Ein Sprecher sagte dem der Miliz nahestehenden Radiosender "Andalus", die Opferzahl sei eine "absolute Lüge". Die Gruppe würde nie so viele Kämpfer an einem Ort versammeln.

Al-Shabaab für Anschlag in Nairobi verantwortlich

Al-Shabaab ist mit der Terror-Gruppe Al-Kaida verbündet. Sie ist zum Beispiel verantwortlich für den Anschlag auf ein Einkaufszentrum in Kenia im Jahr 2013. Ein Jahr später wurde ihre Führung durch Angriffe des US-Militärs getötet. Seitdem haben die Terroristen allerdings wieder an Kraft gewonnen und planen offenbar weitere Anschläge. Genaue Informationen über die vermuteten Anschlagsziele gab das Pentagon nicht preis. Es hieß nur, im Land seien auch US-Soldaten im Einsatz, die ein mögliches Ziel hätten sein können.

Stichwort: Al-Shabaab-Miliz

Die Al-Shabaab-Miliz ist eine islamistische Gruppe in Somalia. Sie ging aus dem radikalen Flügel der "Union islamischer Gerichte" hervor. Im somalischen Bürgerkrieg kämpfte sie gegen die im Land bis 2009 stationierten Truppen und bekämpfte anschließend die Übergangsregierung in Somalia. Nach deren Auflösung richteten sich ihre Angriffe gegen den somalischen Staat.

Ziel von Al-Shabaab ist die Errichtung eines islamischen Staates am Horn von Afrika. Die Miliz ist eng mit der Terrorgruppe Al-Kaida verbunden. In den vergangenen Jahren griff Al-Shabaab immer wieder das Nachbarland Kenia an, um die Region zu destabilisieren.

Ob bei dem Angriff am Wochenende auch Zivilisten ums Leben gekommen sind, ist bislang noch unklar. Aus dem US-Verteidigungsministerium hieß es, man gehe davon aus, dass keine Zivilisten getötet wurden. Präsidentensprecher Earnest betonte: "Das Verteidigungsministerium wendet die höchstmöglichen Standards an, um zivile Opfer zu vermeiden, bereits, bevor überhaupt entschieden wird, ob eine Operation durchgeführt wird. Zivile Opfer zu vermeiden, hat eine sehr hohe Priorität."

Menschenrechtler kritisieren Drohnenangriffe

Die Obama-Regierung verlässt sich in ihrem Krieg gegen den Terror sehr auf Drohnenangriffe - und immer wieder kommen dabei auch Zivilisten ums Leben. Menschenrechtsgruppen kritisieren die Praxis schon länger. Besonders, weil die Angriffe nicht nur in Kriegsgebieten geflogen werden, sondern eben auch zum Beispiel in Somalia. Bislang wurden diese Angriffe so geheim gehalten, dass ihre Zahl nur geschätzt werden konnte.

Opferzahlen sollen veröffentlicht werden

Das will das Weiße Haus nun ändern, versprach Lisa Monaco. Sie berät Obama im Kampf gegen Terroristen: "Daran arbeiten wir und darüber sprechen wir mit Menschenrechts-Gruppen, Zivilgesellschaft und anderen". Künftig sollen die Opferzahlen des Drohnenprogramms jährlich veröffentlicht werden. "Wir werden über alle Anti-Terroreinsätze außerhalb von Kampfgebieten berichten - global." Das ist allerdings eine erhebliche Einschränkung, denn Einsätze in Irak, Syrien und Afghanistan bleiben damit weiter geheim. Genannt werden sollen dagegen Drohnen-Einsätze zum Beispiel in Pakistan, Libyen, Jemen oder Somalia. Allerdings ist Obama nur noch ein knappes Jahr im Amt.

150 Tote Islamisten bei US-Drohnenangriff in Somalia
J. Bösche (MDR, Washington)
08.03.2016 09:35 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 08. März 2016 um 05:40 Uhr im Deutschlandfunk.

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