Wie kann Snowden Russland verlassen?

Aeroflot-Flug ab Moskau (Bildquelle: dpa)

Ex-US-Geheimdienstmitarbeiter in Moskau

Wie kann Snowden Russland verlassen?

Noch immer sitzt Edward Snowden im Transitbereich eines Moskauer Flughafens fest und nun spekulieren auch die Russen darüber, wie der Whistleblower das Land verlassen könnte. Der naheliegendste Weg wäre demnach ein Flug über Kuba nach Bolivien, Nicaragua oder Venezuela.

Von Stephan Laack, ARD-Hörfunkstudio Moskau

Noch hat sich der US-Geheimdienstexperte Edward Snowden nicht öffentlich dazu geäußert, ob er Asyl in Venezuela, Bolivien oder Nicaragua annehmen möchte. Doch wie in anderen Teilen der Welt spekuliert man auch in Moskau, wie eine Ausreise des flüchtigen Enthüllers aussehen könnte. Dass die USA, die Snowden per Haftbefehl suchen, dessen Pass annulliert hatten, ist nach Ansicht des russischen Außenpolitik-Experten Fjodor Lukjanow kein großes Problem.

Weiterentwicklung im Fall Snowden
S. Laack, ARD Moskau
09.07.2013 19:54 Uhr

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"Rein technisch betrachtet, vorausgesetzt Snowden ist damit einverstanden, kann das ungefähr so laufen wie bei seinem Flug von Hongkong nach Moskau", sagt Lukjanow. Da hatte ihm Ecuador Transitdokumente ausgestellt. Dies sei zwar nicht auf höchste Anordnung hin geschehen, der Pass wurde ihm später wieder entzogen. Aber zwischenzeitlich habe er den juristischen Status eines Asylbewerbers in Ecuador gehabt - so sei er nach Moskau gekommen. "Ich denke, dass ihm Venezuela ein ähnliches Dokument ausstellen wird", so Lukjanow.

Würden EU-Staaten die Überflugrechte verweigern?

Natürlich wäre ein solches Verfahren auch mit Bolivien oder Nicaragua denkbar, die Snowden Asyl angeboten haben. Danach könne die Reise beginnen, meint der erfahrene russische Diplomat Wladimir Kosin vom Moskauer Institut für strategische Forschungen.

Allerdings stellt sich dann die spannende Frage, ob verschiedene EU-Staaten möglicherweise wieder die Überflugrechte verweigern würden, sollte klar sein, dass sich Snowden an Bord eines Flugzeugs befindet. Wegen derartiger Gerüchte musste in der vergangenen Woche die bolivianische Präsidentenmaschine in Wien zwischenlanden.

Der naheliegenste Weg führt über Kuba

Kosin warnt davor, einen solchen Vorfall, der zu schweren diplomatischen Verstimmungen geführt hat, zu wiederholen. "Die Schließung des Luftraums für ein ziviles Passagierflugzeug ist eine grobe Verletzung des internationalen Luftfahrtrechts", sagt er. "So etwas muss streng verurteilt werden." Er rate keinem Staat, den Flug der Maschine zu stören, mit der Snowden beispielsweise nach Nicaragua ausreisen wolle. Das wäre eine Einmischung in innere Angelegenheiten, eine Störung des normalen zivilen Luftverkehrs zwischen souveränen Staaten, meint er.

Der naheliegendste Weg aus Moskau in Richtung Südamerika ist der Aeroflot-Linienflug vom Flughafen Scheremetjewo nach Havanna. Von dort aus könnte er dann weiter Richtung Südamerika fliegen. Spannend ist die Frage, wie sich Kubaner in einem solchen Fall verhalten würden. Der kubanische Präsident Raúl Castro hatte zwar einerseits deutlich gemacht, dass er die Asylangebote lateinamerikanischer Staaten unterstützen werde. Dass Snowden Kuba als Transitstation nutzen dürfe, sagte Castro allerdings nicht ausdrücklich zu.

Snowdens Ausreise aus Russland ist kein Ding der Unmöglichkeit - allerdings sind doch einige Hürden zu nehmen.

Stand: 09.07.2013 16:55 Uhr

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