Erste Fahrverbote wegen Feinstaubbelastung Peking ruft Smog-Alarmstufe Orange aus

Stand: 14.01.2013 08:44 Uhr

In Peking bleibt den Menschen seit Tagen die Luft weg: Der Smog ist schlimmer denn je. Jetzt haben die Behörden in der chinesischen Hauptstadt erstmals die zweithöchste Alarmstufe Orange ausgerufen. Auch Fabriken wurden nun angewiesen, die Produktion herunterzufahren, erste Fahrverbote wurden verhängt.

Von Ruth Kirchner, ARD-Hörfunkstudio Peking

Auch heute morgen wieder das gleiche Bild: Ein schmutzig-grauer Nebel aus Smog hängt über der 20-Millionen-Metropole. Seit Tagen leidet Peking unter extrem schwerer Luftverschmutzung. Am Wochenende kletterten die Smog-Werte auf neue Rekordhöhen. Der Feinstaub-Index der US-Botschaft lag zeitweise über 700 - das gab es in Peking noch nie. Nur unter 50 gilt die Luft als gut.

Immer noch riecht die  Luft versengt, viele Menschen klagen über Gesundheitsprobleme. "Heute morgen beim Aufstehen hatte ich Halsschmerzen", sagt ein Mann auf dem Weg zur Arbeit. "Ich kaufe mir jetzt eine Atemschutzmaske. Was soll man sonst machen? Atemmasken sind die einzige Lösung." - Eine Passantin klagt über Kopfschmerzen: "Ich halte mich so wenig wie möglich draußen auf. Früher hielt der Smog nur ein oder zwei Tage an, aber jetzt ist es viel länger."

Sportunterricht im Freien verboten

In den Krankenhäusern stieg die Zahl der Patienten mit Atemwegserkrankungen dramatisch an. In mehreren Stadtbezirken wurde in den Grund- und Mittelschulen der Sportunterricht im Freien untersagt. Umfangreiche Fahrverbote hat die Stadt aber immer noch nicht verhängt. Doch sollen die Behörden, die Stadtverwaltung und die Partei ein Drittel ihrer Dienstfahrzeuge jetzt stehen lassen. Außerdem wurden nach Angaben der staatlichen Medien zwei Dutzend Baustellen angewiesen, ihre Arbeit einzustellen und mehr als 50 Fabriken mussten ihre Produktion herunterfahren.

Im staatlichen Fernsehen waren Inspektoren zu sehen, die die Einhaltung der Maßnahmen kontrollierten. "Diese Fabrik hat sechs Fließbänder, drei wurden entsprechend unser Notfallpläne gestoppt", sagt dieser Inspektor einer Glasfabrik. "Damit haben sie die Vorgaben erfüllt, die Emissionen um 30 Prozent zu reduzieren."

Schmutzig-grauer Nebel aus Smog hängt über Peking | Bildquelle: dpa
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Eine Großstand im Dunst: Smogalarm in Peking

Peking ist abhängig von Kohle

Doch das Smog-Problem ist damit nicht gelöst. Das Grundproblem bleibt: die Abhängigkeit von der Kohle. Es sind überwiegend Kohle-Kraftwerke, die Peking mit Strom versorgen. Vor allem aber verfeuern viele  Betriebe in und um Peking Kohle in ihren Kesseln. "Peking müsste mit der Nachbarprovinz Hebei und der 10-Millionen-Stadt Tianjin viel enger kooperieren, um den Schadstoffausstoß zu reduzieren", sagt die Greenpeace-Aktivistin Zhou Rong. "Außerdem haben wir viel zu lange auf schnelles Wachstum gesetzt und die Energie-Effizienz vernachlässigt. Wenn es zu Notfallsituationen kommt wie jetzt, reichen unsere Maßnahmen nicht aus."

Experten sagen, es könne Jahre dauern, bis sich die Luftqualität in der chinesischen Hauptstadt spürbar verbessert. Die Smog-geplagten Bürger Pekings hoffen jetzt zunächst auf Mittwoch - dann soll Wind aufkommen und die dreckige Luft wenigstens vorübergehend wegpusten.

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