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Brüssel meldete europaweit Alarm, wohingegen die Österreicher von Slowenien eine "Übung" gemeldet bekamen. Nachdem sich der erste Schreck über den Störfall im slowenischen Atomkraftwerk gelegt hat, fordert der österreichische Umweltminister die Aufklärung dieses "Wirrwarrs".
Von Jörg Paas, ARD-Hörfunkstudio Wien
[Bildunterschrift: Der Kontrollraum des Kernkraftwerks Krsko ]
Reichlich verwirrend, was da gestern Abend aus Brüssel und aus Slowenien selbst gemeldet wurde. Mal war von Alarm die Rede, dann wieder von einer Übung. Erst nach einigen Stunden ergab sich ein klareres Bild: aus dem Hauptkühlsystem des Atomkraftwerkes Krsko war Flüssigkeit ausgetreten. Als Vorsichtsmaßnahme wurde der Meiler heruntergefahren. Es sei nicht viel Wasser ausgetreten, etwa zweieinhalb Kubikmeter pro Stunde, sagt der Leiter der slowenischen Atomschutzbehörde, Andrej Stritar. "Deshalb war es auch nicht nötig, den Reaktor sofort anzuhalten, sondern man konnte stufenweise die Kraft runterdrehen, und nach gut drei Stunden stand praktisch alles still." Die Behebung des Fehlers werde wohl einige Tage dauern, denn das Kernkraftwerk müsse zunächst einmal vollständig abkühlen.
Weitere Probleme seien jedoch nicht zu erwarten, so der Leiter der slowenischen Atomschutzbehörde. Es habe sich herausgestellt, dass im Reaktor selbst mit dem Kühlwasser etwas passiert sei. Der Reaktor sei sofort heruntergefahren worden. "Es ging dann eine Übungsmeldung an Österreich, dürfte auch an Ungarn und Italien so gegangen sein, und gleichzeitig eine Meldung an Brüssel, und Brüssel hat dann Alarm geschlagen, obwohl es dem Störfall so nicht entsprochen hat."
Hintergrund:
Später gestand Stritar doch ein, dass die Behörden wohl einen Fehler gemacht hätten: Aus Versehen sei ein falsches Formular benutzt worden. Deshalb sei der Zwischenfall an die Nachbarländer irrtümlich als Übung gemeldet worden – sehr zum Missfallen etwa des österreichischen Umweltministers Josef Pröll. Der derzeitige Informationsstand sei, dass keine atomare Belastung an die Umwelt abgegeben wurde, dass alles sich innerhalb des Kernkraftwerkes abgespielt habe,sagte Pröll. Laut der slowenischen Behörden seien weder Angestellte noch die Umwelt noch Bevölkerung gefährdet worden. "Deswegen kann man jetzt die Emotionen herunterfahren", so Pröll. Aber man müsse für die Zukunft klären, warum dieses "Wirrwarr an unterschiedlichen Informationen" aufgetreten sei.
Das Atomkraftwerk Krsko war gerade im November erst nach vierwöchigen Instandsetzungsarbeiten wieder ans Netz gegangen, ist aber eigentlich schon älter. Der kommerzielle Betrieb begann 1983. Der Leiter des Instituts für Risikoforschung der Uni Wien, Wolfgang Kromp, kennt den Reaktor gut. Schon 1992 nahm er ihn als Mitglied einer internationalen Kommission genau unter die Lupe. Damals habe man festgestellt, dass das Kraftwerk im Prinzip ein gutes Kraftwerk sei. Natürlich seien eine Reihe von Mängeln da gewesen, für deren schleunigste Behebung man plädiert habe, sagt Kromp. Die meisten seien auch zwischenzeitlich behoben worden. "Der verbleibende Mangel ist, dass das Kraftwerk am falschen Platz steht, nämlich in seismisch verdächtigem Gebiet", so Kromp. Aber das könne man schwer ändern. Dies sei für ihn ein offener Punkt. "Ansonsten ist es ein gutes Kraftwerk, aber wir sehen, dass selbst bei einem guten westlichen Kraftwerk eben Probleme auftauchen können, die dann wieder Schlagzeilen machen."
Erst im Jahr 2023 soll das Kernkraftwerk Krsko nach derzeitigen Plänen endgültig stillgelegt werden.
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