Der britische Außenminister Boris Johnson | Bildquelle: AP

Nach Skripal-Attentat Johnson beschuldigt Putin persönlich

Stand: 16.03.2018 16:23 Uhr

Der britische Außenminister Johnsen hat den russischen Präsidenten Putin direkt mit dem Anschlag auf Ex-Agent Skripal in Verbindung gebracht. Russland reagierte empört. Jegliche Anspielung sei unverzeihlich.

Nach dem Gift-Attentat auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal spitzt sich die politische Krise zwischen Großbritannien und Russland weiter zu. Der britische Außenminister Boris Johnson sagte während eines Treffens mit dem polnischen Außenminister Jacek Czaputowicz im britischen Uxbridge, die Entscheidung für die Tat sei "höchstwahrscheinlich" vom russischen Präsidenten Wladimir Putin selbst getroffen worden.

Zuvor hatte Johnson gesagt, der Anschlag sei als eine Warnung an russische Agenten gedacht gewesen. Russland habe damit klarmachen wollen, dass es sich an denjenigen rächen werde, die mit dem Gedanken spielten, sich dem russischen Staat zu widersetzen, sagte er der BBC. Auch in der "selbstgefälligen, sarkastischen Reaktion" aus Moskau nach dem Anschlag sei eine Botschaft versteckt, so Johnson. Die russische Führung wolle den Angriff leugnen und sich damit gleichzeitig rühmen.

"Schockierende und unverzeihliche Verletzung"

Der Kreml reagierte prompt auf die Anschuldigung gegen Putin und wies die Vorwürfe zurück. "Jeder Verweis oder eine Erwähnung unseres Präsidenten in diesem Zusammenhang ist nichts anderes als eine schockierende und unverzeihliche Verletzung der diplomatischen Anstandsregeln", sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow der Agentur Tass zufolge. Russland habe "auf verschiedenen Ebenen mehrfach erwähnt", dass das Land "nichts mit dieser Geschichte zu tun" habe, so Peskow.

Russland setzt bei den Untersuchungen des Giftanschlags auf eine mögliche Aussage des Opfers. "Warum fragen wir nicht einfach den Betroffenen selbst, wenn es ihm hoffentlich besser geht", sagte Russlands Außenminister Sergej Lawrow in Astana. "Wahrscheinlich kann er am ehesten Aufschluss über vieles geben, was an jenem Tag passiert ist, als die Tragödie geschah." Darüber hinaus kündigte der Kreml erneut Vergeltung als Reaktion auf die von London verhängten Sanktionen an.

Matthias Platzeck,Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums, analysiert die Folgen des Giftanschlags auf russischen Ex-Spion
tagesschau24 15:00 Uhr, 16.03.2018

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Ausweisung von 23 Diplomaten angeordnet

Die britische Regierung hatte nach dem Attentat auf Skripal und dessen Tochter unter anderem die Ausweisung von 23 russischen Diplomaten angeordnet. Außenminister Lawrow sagte nun, dass Moskau auch britische Diplomaten ausweisen werde. Details nannte er nicht. Der Kreml merkte jedoch an, dass dies noch vor der Präsidentenwahl geschehen könne. Es könne jeden Moment soweit sein, sagte Putins Sprecher Peskow.

Der 66-jährige Skripal und seine 33-jährige Tochter Yulia kämpfen seit mehr als zwei Wochen in einer Klinik um ihr Leben. Sie waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Stadt Salisbury entdeckt worden. Nach britischen Angaben wurden sie Opfer des Nervengifts Nowitschok, das in der Sowjetunion entwickelt worden war.

Gift unwissentlich freigesetzt?

Russland weist die Vorwürfe zurück. Das für den Anschlag auf Skripal verwendete Nervengift könnte nach einem Medienbericht im Koffer von dessen Tochter versteckt gewesen sein. Davon gingen Geheimdienstkreise aus, berichtete die britische Zeitung "The Daily Telegraph" ohne eindeutige Quelle.

Die extrem gefährliche Substanz Nowitschok sei bei einem Aufenthalt von Yulia Skripal in Moskau heimlich in ihrem Koffer deponiert worden - in einem Kleidungsstück, einem Kosmetikprodukt oder einem Geschenk. Als die Tochter anschließend den Vater in England besucht habe, soll sie das Gift dem Bericht zufolge unwissentlich freigesetzt haben.

Moskau hatte zuvor die Rhetorik des britischen Verteidigungsministers Gavin Williamson als rüpelhaft kritisiert. Der sagte gestern in Großbritannien: "Russland soll weggehen und die Klappe halten." Der russische Botschafter in London, Alexander Jakowenko, sprach von einer "Anti-Russen-Kampagne".

Seltene Geschlossenheit

In seltener Geschlossenheit stellten sich Deutschland, Frankreich und die USA hinter Großbritannien. Heute sicherte zudem der australische Premierminister Malcolm Turnbull der britischen Premierministerin Theresa May in einem Telefonat seinen Rückhalt zu, wie die britische Regierung mitteilte. Auch die NATO hat nach eigenen Angaben keine Zweifel daran, dass Moskau für den Nervengift-Anschlag verantwortlich ist.

Der Chef der oppositionellen Labour-Partei in Großbritannien, Jeremy Corbyn, warnte dagegen vor einer vorschnellen Verurteilung Russlands. Auch mafiaähnliche Banden in Russland könnten für die Tat verantwortlich sein, sagte er in Interviews. Ein "neuer Kalter Krieg" müsse verhindert werden. Für seine Äußerungen wurde Corbyn auch in der eigenen Partei kritisiert.

Trotz der Kluft zu Moskau lehnt die neue Bundesregierung nach eigenem Bekunden einen Boykott der deutschen Mannschaft bei der Fußball-WM im Sommer in Russland ab. Davon halte sie nichts, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Es gehe jetzt um eine rasche Aufklärung des Anschlages - sie hoffe, dass sich Russland an dieser Aufklärung beteilige. Sie würdigte ausdrücklich, dass die britische Regierung dazu das verwendete Gift zur Verfügung stelle.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 16. März 2018 um 15:00 Uhr, die Tagesthemen am 15.3. um 22:15 Uhr und Inforadio heute um 15:21 Uhr.

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