Die Flaggen der Nato-Mitgliedsstaaten werden beim NATO-Gipfel bei der feierlichen Übergabe des neuen Hauptquartiers gehisst. | Bildquelle: dpa

Skripal-Attentat Westliche Allianz gegen Russland

Stand: 15.03.2018 19:52 Uhr

Großbritannien erhält im Fall Skripal Rückendeckung von Deutschland, Frankreich, der NATO und den USA. Auch sie halten Russland für verantwortlich für das Attentat - und fordern Aufklärung. Moskau kündigte Gegenmaßnahmen an.

Der Westen erhöht im Fall des Giftanschlags auf den früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal in Großbritannien den Druck auf Moskau. In einer gemeinsamen Erklärung forderten Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, die britische Premierministerin Theresa May und US-Präsident Donald Trump die russische Regierung auf, "zu allen Fragen Stellung zu nehmen". Russland solle insbesondere das Programm im Zusammenhang mit dem Nervengift Nowitschok voll umfänglich gegenüber der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OVCW) offen legen.

"Keine plausible alternative Erklärung"

Russland trage mit "hoher Wahrscheinlichkeit die Verantwortung" für die Giftattacke Skripal, betonen die vier Staats- und Regierungschefs. Es gebe "keine plausible alternative Erklärung". Zudem stelle man fest, dass Russlands Weigerung, auf die berechtigten Fragen Londons einzugehen, "einen zusätzlichen Anhaltspunkt für seine Verantwortlichkeit ergibt".

Damit schließt sich auch die Bundesregierung öffentlich der Einschätzung der britischen Regierung an, dass Russland hinter dem Anschlag auf Skripal und seine Tochter Julia steckt.

Druck auf Russland im Fall Skripal wächst
tagesschau 20:00 Uhr, 15.03.2018, Hanni Hüsch, ARD London

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"Verstoß gegen das Völkerrecht"

Die vier Staaten zeigten sich "entsetzt" über den Anschlag und verurteilten die Tat scharf. "Es handelt sich um einen Übergriff gegen die Souveränität des Vereinigten Königreichs. Ein solches Vorgehen verletzt eindeutig die Bestimmungen des Chemiewaffenübereinkommens und das Völkerrecht", erklärten die vier Staats- und Regierungschefs weiter.

"Der Einsatz eines militärischen Nervenkampfstoffs eines Typs, wie er von Russland entwickelt wurde, stellt die erste offensive Anwendung eines solchen Nervengifts in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg dar."

NATO-Chef warnt Russland

"Es sieht sicherlich so aus, als steckten die Russen dahinter", sagte US-Präsident Trump nach einem Gespräch mit May. Er bezeichnete den Anschlag als "etwas, das absolut niemals hätte passieren dürfen". Er nehme die Situation sehr ernst.

Frankreichs Präsident Macron kündigte "Maßnahmen" als Reaktion auf den Giftanschlag an. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sieht in dem Anschlag einen Versuch, den Westen zu destabilisieren. "Der Angriff in Salisbury passt in ein Schema, das wir seit vielen Jahren beobachten", sagte Stoltenberg. Russland verwische auf vielerlei Art "die Grenze zwischen Frieden, Krise und Krieg". Er sicherte London erneut die Solidarität der NATO zu und warnte Russland, das Militärbündnis sei zur Verteidigung aller seiner Mitglieder bereit. "Großbritannien ist nicht alleine."

Nervengift soll analysiert werden

Die britische Regierung will das am Tatort in Salisbury gefundene Nervengift von unabhängiger Seite analysieren lassen. Dafür solle der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) die Möglichkeit gegeben werden, die Ergebnisse der britischen Ermittler zu überprüfen, schrieb der britische Außenminister Boris Johnson in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er beschuldigte erneut Russland, hinter dem Anschlag zu stecken. "Nur bei Russland treffen heute eine Vorgeschichte staatlich unterstützter Morde mit einem öffentlich eingestandenen Motiv für den versuchten Mord an Sergej Skripal und Vorräten von Nowitschok-Kampfstoffen zusammen."

Russland droht mit Vergeltung

Der Kreml kündigte derweil baldige Gegenmaßnahmen wegen der von London verhängten Sanktionen an. Entsprechende Maßnahmen würden "nicht lange auf sich warten lassen", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Die Position Londons sei "ganz und gar unverantwortlich". Der russische Präsident Wladimir Putin werde eine Entscheidung treffen, die in jeder Hinsicht "den russischen Interessen entspricht".

Außenminister Sergej Lawrow deutete an, dass bald britische Diplomaten des Landes verwiesen werden. Das meldet die Nachrichtenagentur RIA. Details nannte Lawrow nicht, weil zunächst die Regierung in London informiert werden solle.

May: Anschlag "hätte auch an jedem anderen Ort sein können"

Großbritannien macht Moskau für den Giftangriff auf Skripal und seine Tochter am 4. März verantwortlich und verhängte am Mittwoch Vergeltungsmaßnahmen. Unter anderem müssen 23 russische Diplomaten das Land binnen einer Woche verlassen, bei denen es sich um russische Geheimdienstmitarbeiter handeln soll. Die bilateralen Beziehungen werden auf Eis gelegt.

Erstmals besuchte Premierministerin Theresa May den Schauplatz des Anschlags in Salisbury. Der Anschlag habe sich in Großbritannien ereignet, "aber das hätte auch an jedem anderen Ort sein können", sagte May und würdigte die Geschlossenheit der westlichen Verbündeten in dem Fall.

Sie drohte Russland mit weiteren Sanktionen, "falls Russland uns weiter provoziert". Details nannte sie aber nicht.

Großbritanniens Premierministerin May spricht in Salisbury mit einem Polizisten. | Bildquelle: AFP
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Großbritanniens Premierministerin May besuchte erstmals den Anschlagsort in Salisbury.

Neues Zentrum gegen Chemiewaffen

Die Forschungseinrichtung Porton Down in der südenglischen Grafschaft Wiltshire | Bildquelle: REUTERS
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In die von außen unscheinbare Forschungseinrichtung Porton Down sollen mehr als 50 Millionen Euro investiert werden.

Das britische Verteidigungsministerium kündigte an, ein hochmodernes Zentrum zur Verteidigung gegen Chemiewaffen zu errichten. Hierfür werden 48 Millionen Pfund (umgerechnet rund 54 Millionen Euro) bereitgestellt. Das neue Zentrum soll auf dem Forschungsgelände Porton Down in der südenglischen Grafschaft Wiltshire entstehen. Dort wird auch zu Chemie- und Biowaffen geforscht. Zudem sollen tausende Soldaten gegen den tödlichen Milzbrand-Erreger Anthrax geimpft werden.

Es ist nicht klar, ob die Pläne in direktem Zusammenhang mit dem Giftanschlag in Salisbury stehen, oder ob die Planungen früher begannen.

Nach Diplomaten-Ausweisung: Russland arbeitet an Vergeltungsmaßnahmen
Sabine Stöhr, ARD Moskau
15.03.2018 15:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. März 2018 um 12:00 Uhr auf tagesschau24.

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