Polizistinnen vor dem Wohnhaus von Sergej Skripal in Salisbury (Archivbild). | Bildquelle: REUTERS

Labortest im Fall Skripal Keine Beweise für russische Gift-Herkunft

Stand: 03.04.2018 18:34 Uhr

Im Fall des Anschlags auf den Ex-Spion Skripal hat das britische Militärlabor keine "präzise Quelle" für das eingesetzte Gift herausfinden können. Ob es wirklich aus Russland kommt, sei unklar.

Das Forschungszentrum des britischen Verteidigungsministeriums hat nach eigenen Angaben keine Beweise dafür gefunden, dass das bei dem Anschlag auf einen russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal verwendete Nervengift in Russland hergestellt wurde.

"Wir haben seine präzise Quelle nicht identifiziert", sagte der Leiter des Laboratoriums der Forschungsanlage Porton Down, Gary Aitkenhead, dem Sender Sky News. Man könne zum jetzigen Zeitpunkt auf Basis der wissenschaftlichen Untersuchungen nicht eindeutig sagen, aus welcher Quelle der Kampfstoff stammt. Dies zu ermitteln, sei aber auch nicht die Aufgabe des Labors, so Aitkenhead.

Substanz Nowitschok nachgewiesen

Die Wissenschaftler hätten aber festgestellt, dass es sich um das Präparat Nowitschok gehandelt habe, ein zur militärischen Verwendung gedachtes Nervengift. Sie hätten ihre Informationen an die Regierung weitergegeben, die dann "unter Verwendung anderer Quellen die Schlussfolgerungen zusammensetzte, zu denen man gelangte". Nowitschok wurde vom sowjetischen Militär in den 1970er- und 1980er-Jahren entwickelt.

Porton Down ist dem britischen Verteidigungsministerium zugeordnet. Aitkenhead sagte, dass wahrscheinlich nur ein staatlicher Akteur einen Angriff mit Nowitschok durchführen könne.

Diplomatische Krise mit Russland

Die britische Regierung wirft der Regierung in Moskau vor, hinter dem Anschlag auf den Ex-Spion und dessen Tochter zu stecken. Russland weist dies zurück und wirft London vor, die Schuld voreilig Russland zugeschoben zu haben. Auf russischen Antrag hin gehen Experten der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) am Mittwoch bei einem Treffen dem Vorwurf Großbritanniens nach, dass Russland hinter dem Giftanschlag stecke.

Russland stellte unter anderem in dem Raum, dass der Kampfstoff aus den Labors von Porton Down gekommen sein könnte. Das sei unmöglich, erklärte Aitkenhead. Das Labor unterliege der höchsten Sicherheitsstufe, ein solch hochgefährlicher Stoff könne daher die vier Wände der Einrichtung nicht verlassen haben.

Der frühere russische Doppelagent Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März in der südenglischen Stadt Salisbury vergiftet worden. Beide kamen in lebensbedrohlichem Zustand ins Krankenhaus, inzwischen ist die Tochter auf dem Weg der Besserung. Skripal selbst befindet sich in einem stabilen aber weiter kritischen Zustand.

Das britische Miltärforschungszentrum Porton Down in Wilshire | Bildquelle: REUTERS
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Die Forscher im britischen Miltärforschungszentrum Porton Down untersuchten Proben des Giftes.

Der Fall führte zu einer schweren Krise zwischen Russland und Großbritannien sowie zahlreichen weiteren westlichen Staaten. Als Konsequenz aus dem Anschlag wiesen Großbritannien und mehr als 20 Partnerländer wie Deutschland, Frankreich und die USA Dutzende russische Diplomaten aus. Russland wies daraufhin seinerseits Dutzende Diplomaten aus.

Mit Informationen von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Britisches Labor: Nervengift war Nowitschok, Quelle nicht eindeutig
Stephanie Pieper, ARD London
03.04.2018 19:05 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. April 2018 um 19:00 Uhr.

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