Polizistinnen vor dem Wohnhaus von Sergej Skripal in Salisbury (Archivbild). | Bildquelle: REUTERS

Fall Skripal Berlin wartet weiter auf Beweise

Stand: 07.06.2018 04:57 Uhr

Die Bundesregierung hat bislang keine Beweise aus London zum Fall Skripal bekommen. Die deutschen Nachrichtendienste haben keine Erkenntnisse, dass Russland für den Giftanschlag verantwortlich sein könnte.

Von Michael Götschenberg, ARD-Hauptstadtstudio

Bis heute wartet die Bundesregierung vergeblich: Wie das rbb Inforadio aus Fraktionskreisen erfuhr, hat die britische Regierung der Bundesregierung bis heute keine Beweise präsentiert, die belegen würden, dass Russland für den Giftanschlag auf den früheren Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter verantwortlich ist.

Darüber informierte die Bundesregierung gestern im geheim tagenden parlamentarischen Kontrollgremium des Bundestages. Bisher habe man lediglich erfahren, dass es sich bei dem Gift um Nowitschok gehandelt habe - ein chemischer Kampfstoff, der in der Sowjetunion produziert worden war.

In Deutschland ebenfalls keine Erkenntnisse

Darüber hinaus habe die britische Regierung bisher nichts präsentiert. Weder könne die britische Regierung belegen, dass das verwendete Gift aus Russland stamme, noch dass der Kreml für den Anschlag verantwortlich sei, hieß es. Laut rbb-Informationen haben auch die deutschen Nachrichtendienste keine Erkenntnisse aus eigenen Quellen gewonnen, die einen solchen Rückschluss zuließen.

Vater und Tochter überleben Anschlag

Julia Skripal | Bildquelle: AP
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Julia Skripal erzählte von ihrem schmerzhaften Genesungsprozess.

Nach Julia Skripal hat mittlerweile auch ihr Vater Sergej das Krankenhaus wieder verlassen. Julia Skripal gab in den vergangenen Tagen in Großbritannien eine kurze Stellungnahme vor der Kamera ab: Sie finde es immer noch schwer zu glauben, dass sie und ihr Vater auf diese Weise angegriffen wurden, erklärte sie. Ihre Genesung sei langsam und schmerzhaft gewesen.

Die behandelnden Ärzte im Krankenhaus in Salisbury sagten, die Genesung der Skripals grenze an ein Wunder, man sei eigentlich davon ausgegangen, dass sie nicht überleben würden.

Massive diplomatische Konsequenzen

Der Fall Skripal hatte zu einer dramatischen Verschlechterung der diplomatischen Beziehungen zwischen Russland und zahlreichen westlichen Staaten geführt. Nachdem die britische Regierung erklärt hatte, sie sei überzeugt, dass Russland für den Giftanschlag auf Skripal und seine Tochter verantwortlich sei, waren über 140 russische Diplomaten aus insgesamt 26 europäischen Ländern, den USA, Kanada und der NATO ausgewiesen worden - ein in dieser Größenordnung einzigartiger Vorgang.

Auch Deutschland hatte sich beteiligt und vier russische Diplomaten ausgewiesen. Im Gegenzug hatte Russland Diplomaten aus diesen Ländern in gleicher Zahl ausgewiesen.

Auch andere Länder hatten das Gift

Dass das Gift sich nicht nur in Russland befand, wurde durch einen Medienbericht bekannt: NDR, WDR, "Süddeutsche Zeitung" und "Die Zeit" hatten berichtet, dass ein russischer Wissenschaftler in den 1990er-Jahren dem Bundesnachrichtendienst eine Nowitschok-Probe angeboten hatte.

Seitdem ist bekannt, dass das Nervengift aus Russland ausgeführt worden war - zumindest in den Westen. In welche Hände es sonst möglicherweise noch gelangt ist, ist unklar. Das Verhalten der britischen Regierung bringt auch die Bundesregierung zunehmend in Erklärungsnot.

Jenseits der Tatsache, dass das Gift als Nowitschok identifiziert wurde, gibt es keine Spur, die nach Russland führt, geschweige denn in den Kreml. Die Entscheidung, sich an der Ausweisung russischer Diplomaten zu beteiligen, erscheint damit mehr als fragwürdig.

Berlin hat noch immer keine Beweise aus London
Michael Götschenberg, ARD Berlin
07.06.2018 07:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. Juni 2018 um 07:22 Uhr.

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Michael Götschenberg, RBB

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