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10.02.2010

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Ausland
Niger muss Schadensersatz wegen Sklaverei zahlen
Niger wegen Sklaverei verurteilt

Verkauft für 350 Euro

Die westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS hat den Staat Niger erfolgreich wegen Menschenhandels verklagt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass das Land seine Bürger nicht ausreichend vor der Versklavung schützt. Das Urteil dürfte in der ganzen Region für Wirbel sorgen.

Von Marc Dugge, ARD-Hörfunkstudio Rabat

Umgerechnet rund 15.000 Euro soll Hadijatou Mani vom Staat bekommen – so will es das Gericht. Im Niger, einem der ärmsten Staaten der Welt, ist das eine ganze Menge Geld. Genug, um sich Land und Vieh zu kaufen und ihren Kindern eine Ausbildung zu finanzieren. Doch es wird es kaum das Leid aufwiegen können, dass die heute 24 Jahre alte Frau erfahren hat.

Verkauft für 350 Euro

Im Alter von zwölf Jahren wird Hadijatou Mani für umgerechnet rund 350 Euro verkauft. Zehn Jahre lang muss sie hart im Haushalt und auf dem Feld arbeiten. Immer wieder wird sie in dieser Zeit von ihrem Besitzer geschlagen und vergewaltigt, sagt sie. Erst 2005 wird sie offiziell freigelassen. Nun soll ein neues Leben anfangen. Sie lernt einen Mann kennen, heiratet ihn.

Hadijatou Mani (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Hadijatou Mani vor dem Gerichtsgebäude in Niamey. ]

Doch ihr ehemaliger Besitzer erhebt Einspruch. Er behauptet, sie sei bereits mit ihm verheiratet. Ein Gericht gibt ihm Recht. Hadijatou Mani wird wegen Bigamie zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. "Sie wollte der Sklaverei entkommen – und fand bei den Behörden kein offenes Ohr", sagt Aderrahmane Chaibou, einer ihrer Anwälte. Deswegen habe sie Anzeige erstattet. Mit dem Urteil sei ein für alle mal klar, dass sie keine Sklavin mehr ist, sagt ihr Anwalt. 

Bisher nur ein Urteil gegen Sklavenhalter

Das Gericht hat ihr Recht gegeben. Der Staat sei untätig gewesen, er habe sie nicht vor der Versklavung geschützt – obwohl Sklaverei verfassungsmäßig verboten ist. Damit habe sie Anspruch auf Entschädigung.

Im Niger wird erst seit rund fünf Jahren die Sklaverei strafrechtlich verfolgt. In dieser Zeit wurde nur ein einziger Sklavenhalter verurteilt. Die Organisation Anti Slavery International schätzt die Zahl der Sklaven in dem Land auf aktuell mehr als 40.000. Selbst zwei Jahre alte Kinder werden verkauft, bevor sie Bindungen zu ihrer Familie aufbauen, heißt es.

"Dreieck der Scham"

Die Sklaverei bleibt gängige Praxis. Vor allem in der Region, aus der Frau Mani stammt: "Sie kommt aus einem Gebiet, dass wir das 'Dreieck der Scham' nennen. Wo der Verkauf von Sklavenmädchen immer noch eine sehr lukrative Sache ist", sagt Igulia Weila von der Menschenrechtsgruppe Timidria. Die Organisation habe seit mehr als zehn Jahren auf die Lage dort aufmerksam gemacht. "Und wir sind sehr enttäuscht darüber, dass bisher nichts gegen die Sklaverei unternommen wurde."

Das Urteil könnte nun den Staat unter Druck setzen, wirksamer gegen die Sklaverei vorzugehen, hoffen Nichtregierungsorganisationen. Mossi Boubacar hat in dem Prozess den Staat Niger verteidigt. Er sagt: Der Staat meint es ernst mit dem Kampf gegen die Sklaverei. Die Regierung habe Gesetze erlassen, die Sklaverei verbieten. "Wir haben alle internationalen Menschenrechtskonventionen unterzeichnet. Man kann besseres tun, als den Niger zu verklagen", so Boubacar.

Auswirkungen auf ganz Westafrika 

Genau das könnten nun aber Tausende ehemaliger Sklaven tun: Vor Gericht ziehen und um Schadensersatz bitten. Nicht nur im Niger, sondern auch in Mali und Mauretanien, wo es ebenfalls immer noch Sklaverei gibt. "Der heutige Tag ist ein wichtiger Tag", sagt  Romana Caccioli von Anti Slavery International, nicht nur für Hadijatou Mani: "Das wichtigste für sie ist die Anerkennung, dass sie eine freie Frau ist. Dieses Urteil wird aber weitreichende Wirkung entfalten. Es wird Menschen, die heute noch Sklaven im Niger sind, helfen, Freiheit zu erlangen."

Stand: 27.10.2008 18:09 Uhr
 

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